
Rhein und Donau erreichen Rekordtiefstände und lähmen europäischen Handel und Stromproduktion
Die Wasserstände des Rheins fielen am Freitag an mehreren Pegeln auf oder unter historische Marken, während der Rückgang der Donau Kern- und Wasserkraftwerke von Ungarn bis Rumänien zu Drosselung oder Stilllegung zwang.
Rekordtiefs am Rhein
Am Freitagmorgen erreichte der Pegel in Kaub, der flachsten Stelle für den Frachtverkehr, kurzzeitig das Rekordtief von 2018. In Maxau bei Karlsruhe fiel der Wasserstand auf 3,18 Meter, ein neuer Tiefstwert für diesen Ort. Die Bundeswasserstraßenverwaltung WSV prognostiziert, dass der Düsseldorfer Pegel am Samstag auf 21 Zentimeter sinken wird, zwei Zentimeter unter dem Rekord vom Oktober 2018, und Köln wird voraussichtlich das Tief von 2018 mit 69 Zentimetern erreichen. In Lobith an der niederländischen Grenze erreichte der Rhein bereits den niedrigsten Stand seit Beginn der offiziellen Messungen. Der Bodensee in Süddeutschland verzeichnete am 28. Juli den niedrigsten Wasserstand seit 1850.
- Bodensee verzeichnet niedrigsten Wasserstand seit 1850.
- Rhein bei Lobith (niederländische Grenze) erreicht niedrigsten je gemessenen Stand.
- Kaub erreicht Tief von 2018; Maxau bei 3,18 m; Djerdap 1 Leistung fällt auf 20 %; Nuclearelectrica schaltet Reaktor ab.
- Düsseldorfer Pegel voraussichtlich bei 21 cm, Kölner bei 69 cm, beide erreichen oder unterbieten Rekorde von 2018.
- Ungarns Kernkraftwerk Paks wird aufgrund niedrigen Donau-Kühlwassers abgeschaltet.
Schifffahrt und Industrie in Bedrängnis
Reeder beladen Schiffe nur noch zu 30 bis 50 Prozent der Kapazität, um Grundberührungen zu vermeiden, während die Betriebskosten unverändert bleiben. Kunden müssen mit Aufschlägen und längeren Lieferzeiten rechnen, da Konvois zur Wassereinsparung durch Schleusen gebündelt werden. Der deutsche Bauindustrieverband warnte, dass der Rhein durch wiederholte Niedrigwasserereignisse an seine Grenzen gebracht wird. Professor Stefan Kooths von der Universität Kiel schätzte den wirtschaftlichen Schaden auf 0,1 bis 0,2 Prozent des deutschen BIP im dritten Quartal, was 1 bis 2 Milliarden Euro entspricht. Der Chemiekonzern Evonik prüft bereits alternative Transportwege.
Der Wasserstand in Kaub liegt seit mehr als 14 Tagen unter der kritischen Schwelle von 78 Zentimetern und scheint sich so schnell nicht zu erholen.
Energieproduktion gedrosselt
Niedrige Flusspegel beeinträchtigen auch die Wasserkraft und das Kühlwasser für Wärmekraftwerke. Das serbische Wasserkraftwerk Djerdap 1 arbeitet nur noch mit 20 Prozent seiner Kapazität, während das Kohlekraftwerk Kostolac seine Leistung drosseln musste. Rumäniens Nuclearelectrica schaltete Anfang dieser Woche einen seiner beiden Reaktoren ab, da das Kühlwasser aus der Donau nicht ausreicht, und der zweite wird voraussichtlich folgen. Das ungarische Kernkraftwerk Paks, das fast die Hälfte des Landesstroms liefert, wird am Montag für voraussichtlich Wochen schließen. Auch Frankreich hat die Kernenergieproduktion aufgrund niedriger oder zu warmer Flusswasserstände gedrosselt. Die betroffenen Länder greifen auf teure Stromimporte zurück, während die Spotmarktnachfrage hoch ist.
- Djerdap 1 (Serbien)
- 20 %
- Nuclearelectrica (Rumänien)
- 50 %
Eine kontinentale Dürre
Die Dürre reicht weit über den Rhein hinaus. Italien erhöhte seine Alarmstufe im Po-Tal auf hoch. In Baden-Württemberg zeigen 66 Prozent aller Pegel extrem niedrige Wasserstände, und 38 Landkreise haben die Nutzung von Oberflächenwasser verboten. Kpler-Analyst Alessandro Armenia fasste die Breite der Krise zusammen.
Es betrifft nicht nur eine Region, wie wir es in der Vergangenheit gesehen haben, sondern die gesamte europäische Landschaft. Angesichts der aktuellen Dynamik bedeutet das entweder, dass wir Blackouts erleben werden, oder wir müssen viel mehr investieren.
Ausblick
Die WSV erwartet, dass der Düsseldorfer Pegel am Samstag auf ein neues Rekordtief fällt. Obwohl für das Wochenende Gewitter vorhergesagt sind, aber wenig anhaltender Regen, werden die niedrigen Wasserstände voraussichtlich anhalten. Der Bauindustrieverband forderte eine dringende Modernisierung der Wasserstraßen, während Nordrhein-Westfalens Klimaministerin Mona Neubaur eine Vertiefung der Flüsse ablehnte und sagte, die Gesellschaft müsse sich auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten.


