
Europa ächzt unter Rekordhitzewelle: 18 italienische Städte in Alarmstufe Rot, Tausende zusätzliche Todesfälle befürchtet
Eine historische Hitzewelle hat in mehreren europäischen Ländern Rekordtemperaturen gebracht. Mindestens 191 Millionen Menschen erlebten am Sonntag Höchstwerte über 35°C, während die Extremwetterlage nach Osten zieht. Die Gesundheitsbehörden melden Hunderte zusätzliche Todesfälle in Frankreich und Spanien, ein Modell des Economist deutet auf bis zu 12.000 Tote in drei Tagen hin.
Hitzewelle erfasst den Kontinent
Europa steckt in einer außergewöhnlichen Hitzewelle, die die Temperaturen in mehreren Ländern über 40°C getrieben hat. Mindestens 191 Millionen Menschen mussten am Sonntag mit Höchstwerten über 35°C rechnen – ein leichter Rückgang gegenüber dem Vortag, da die intensive Hitze nach Osten in Richtung Polen, Ungarn, Tschechien und den Balkan wandert. Der Deutsche Wetterdienst prognostizierte, dass über 381 Millionen Europäer Temperaturen über 30°C ausgesetzt sein würden, wobei der Kern der Hitze sich über Mittel- und Osteuropa ausbreitet. In Frankreich soll die rote Warnung nach einer elftägigen Gluthitze am Abend enden, doch 11 Millionen Menschen sind weiterhin betroffen.
Menschliche Bilanz und gesundheitliche Auswirkungen
Die französische Gesundheitsbehörde Santé publique France hat seit Mittwoch, als die extreme Phase begann, rund 1.000 zusätzliche Todesfälle registriert. Die tägliche Zahl stieg stark an: Am 24. Juni wurden mehr als 1.200 Todesfälle verzeichnet, am 25. und 26. Juni jeweils über 1.400 – verglichen mit einem Basiswert von 900–1.000 Todesfällen pro Tag im April und Mai. Der Anstieg betrifft alle Altersgruppen, obwohl 85 % der Opfer 65 Jahre oder älter waren. Spanien schätzt, dass die Hitzewelle in vier Tagen mehr als 200 Todesfälle verursacht hat. Ein Modell des Economist, das 854 europäische Städte abdeckt und mit der Temperatur-Mortalitäts-Forschung von Pierre Masselot und der London School of Hygiene & Tropical Medicine kombiniert wird, prognostiziert, dass die drei heißesten Tage (24.–26. Juni) zu bis zu 12.000 zusätzlichen Todesfällen auf dem Kontinent führen könnten.
In Mailand liegen wir mehr als 10 Grad über dem Durchschnitt, in Rom knapp unter 10°C Differenz, in Paris gab es fast 20 Grad über dem historischen Mittel, praktisch die doppelte Temperatur, sowohl Minimum als auch Maximum, etwas Unglaubliches.
Rekorde purzeln
Mehrere absolute Temperaturrekorde sind gefallen. Dänemark verzeichnete mit 37°C in Ødum nördlich von Aarhus die höchste Temperatur seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1874, nach zuvor 36,6°C in Odense. Deutschland erreichte einen Spitzenwert von 41,5°C in Möckern im Bereich Drewitz und erlebte die wärmste Nacht seit Beginn der Aufzeichnungen, als die Temperatur in Kubschütz in Sachsen nicht unter 29,4°C fiel. In Italien meldete Sardinien 41°C, während Aosta am Fuße der Alpen 37°C registrierte. Bozen erlebte die heißeste Juni-Nacht, die dort je gemessen wurde, mit einem Minimum von 25,4°C.
- Dänemark (Ødum)
- 37 °C
- Deutschland (Möckern)
- 41.5 °C
- Italien (Sardinien)
- 41 °C
Wirtschaftliche Kosten und Beeinträchtigungen
Der Verbraucherverband Assoutenti berechnet, dass die außergewöhnliche Hitzewelle die Haushalte mit bis zu fast 600 Euro zusätzlich pro Monat belastet – verursacht durch stärkere Nutzung von Klimaanlagen, steigenden Wasserverbrauch, höhere Ausgaben für frische Lebensmittel und Eiscreme (die bereits durch die Konflikte im Nahen Osten teurer geworden sind) sowie vermehrte Autonutzung. In Italien stehen 18 Städte unter der höchsten roten Warnstufe des Gesundheitsministeriums, darunter Rom, Mailand, Turin, Bologna und Florenz. Die Hitze hat praktische Anpassungen erzwungen: Der Panoramaaufzug im Genueser Porto Antico bleibt mangels Klimaanlage geschlossen, Loredana Bertè sagte ein Konzert in Bergamo ab, und die Pride-Paraden in Paris und Lyon wurden abgesagt. Selbst der Mailänder Pride, der stattfand, wurde auf 17 Uhr verschoben, um die schlimmste Sonne zu vermeiden.
Ausblick: ein langsamer Rückzug
Das verantwortliche Hochdruckgebiet mit dem Spitznamen Caronte wird seine Herrschaft bis Anfang nächster Woche aufrechterhalten. Am Sonntag, den 28. Juni, werden in Norditalien und der Toskana Höchstwerte von 40°C erwartet, mit anhaltenden Tropennächten. Ein leichter Temperaturrückgang könnte am Montag beginnen, aber die bedeutendste Veränderung wird für Mittwoch, den 1. Juli, vorhergesagt, wenn kühlere Luft aus Nordeuropa das Thermometer um 6–8°C sinken lassen könnte, begleitet von schweren Gewittern in den Alpen und den nördlichen Regionen. Das Azorenhoch könnte am darauffolgenden Wochenende zurückkehren und typischere Sommerbedingungen bringen.
- Extremhitze beginnt in Frankreich; über 1.200 Todesfälle registriert, weit über der Tagesnorm.
- Zahl der Todesfälle steigt in Frankreich auf über 1.400; Temperaturen klettern in Westeuropa.
- Höhepunkt der drei heißesten Tage; Dänemark und Deutschland stellen absolute Temperaturrekorde auf.
- 193 Millionen Menschen erleben Temperaturen über 35°C; Hitze verlagert sich nach Mitteleuropa.
- 191 Millionen betroffen; 18 italienische Städte in Alarmstufe Rot; Hitze breitet sich nach Polen, Ungarn, Tschechien aus.
- Kühlere Luft aus Nordeuropa trifft ein, Temperaturen sollen um 6–8°C sinken.


