Vier europäische Mächte fordern Israel auf, E1-Siedlungsausschreibung im Westjordanland zurückzuziehen
Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien haben eine gemeinsame Erklärung abgegeben, in der sie Israel auffordern, Ausschreibungen für mehr als 1.200 Wohneinheiten im E1-Korridor des Westjordanlandes zu annullieren.
Gemeinsame europäische Erklärung
Am 20. August 2026 gaben die Regierungen Deutschlands, Frankreichs, des Vereinigten Königreichs und Italiens eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie die Entscheidung Israels verurteilten, das E1-Siedlungsprojekt im Westjordanland voranzutreiben. Die vier europäischen Nationen riefen die Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu auf, die Bauausschreibungen sofort zurückzuziehen und jede weitere Siedlungserweiterung zu stoppen. In der gemeinsamen Erklärung hieß es, dass die internationale Gemeinschaft die Siedlungserweiterung seit langem durch vertrauliche und öffentliche diplomatische Kanäle abgelehnt habe. Nach Ansicht der vier Regierungen verstoßen israelische Siedlungen im Westjordanland gegen das Völkerrecht, eine Haltung, die vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bestätigt wurde. Bundeskanzler Friedrich Merz und die Führungen in London, Paris und Rom erklärten, dass die Entscheidung in einer Zeit, die von Siedlergewalt gegen Zivilisten und wirtschaftlichen Beschränkungen für Palästinenser geprägt sei, große Besorgnis errege.
Umfang des E1-Wohnbauprojekts
Der Streit folgt auf eine Ankündigung des israelischen Bau- und Wohnungsministeriums, das am späten Dienstag Ausschreibungen für mehr als 1.200 Wohneinheiten auf unbebautem Land östlich von Jerusalem veröffentlichte. Das E1-Projekt erstreckt sich über mehrere Quadratkilometer zwischen Ostjerusalem und der israelischen Siedlung Ma'ale Adumim. In seinem gesamten Umfang sieht der Masterplan den Bau von rund 3.400 Wohnungen in diesem Sektor vor. Palästinensische Beamte haben E1 als Teilungsplan bezeichnet und erklärten, dass die Bebauung des Geländes das Westjordanland in zwei getrennte Abschnitte teile und die geografische und demografische Kontinuität des palästinensischen Gebiets unterbreche. Im Westjordanland leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler unter der 1967 errichteten Militärkontrolle.
- Israelisches Bauministerium veröffentlicht Ausschreibung für über 1.200 Wohneinheiten in E1
- Britischer Außenminister Ed Miliband kritisiert die Ausschreibung und bestellt den israelischen Geschäftsträger ein
- Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien geben gemeinsame Erklärung ab, die den Rückzug der E1-Pläne fordert
- Israels Außenminister Gideon Saar weist europäische Kritik in sozialen Medien zurück
Warnungen an private Unternehmen
In ihrer gemeinsamen Erklärung richteten die vier europäischen Mächte eine explizite Warnung an kommerzielle Unternehmen, die eine Beteiligung an den Bauausschreibungen in Betracht ziehen. Die Regierungen forderten private Unternehmen auf, die rechtlichen und reputationsbezogenen Risiken einer Teilnahme an den Ausschreibungen zu prüfen, und wiesen auf die Gefahr hin, sich an Verstößen gegen das Völkerrecht zu beteiligen. Der diplomatische Widerstand folgt auch auf andere jüngste israelische Verwaltungsinitiativen in der Region, darunter ein Grundbucheintragungsverfahren, das Teile des Westjordanlands als Staatseigentum einstuft. Europäische Beamte warnten, dass der Ausbau des Baukorridors die Aussichten auf eine verhandelte Zwei-Staaten-Lösung des Konflikts beeinträchtige.
- Palästinenser
- 3000000 Personen
- Israelische Siedler
- 500000 Personen
Diplomatische Folgen und israelische Reaktion
Die gemeinsame Erklärung krönte mehrere Tage diplomatischer Spannungen zwischen europäischen Hauptstädten und Jerusalem. Am Mittwoch verurteilte der britische Außenminister Ed Miliband die Ausschreibung als destruktiv, während das Vereinigte Königreich den israelischen Geschäftsträger in London vorlud, um formelle Einwände zu erheben. Miliband verurteilte auch die Siedlergewalt in dem Gebiet, während die Regierungen Ägyptens und Jordaniens die Entwicklung kritisierten, weil sie Ostjerusalem von den umliegenden palästinensischen Gemeinden isoliere. Der israelische Außenminister Gideon Saar wies die europäischen Erklärungen am Donnerstag zurück und verteidigte die Baupläne in den sozialen Medien.
Das jüdische Volk hat das Recht, im gesamten Land Israel zu leben, so wie die Briten das Recht haben, in London und im gesamten Vereinigten Königreich zu leben.
Saar bekräftigte, dass das jüdische Volk das Recht habe, seine nationale Heimat in dem Gebiet wieder zu errichten, und beschuldigte die europäischen Kritiker, den palästinensischen Extremismus zu ignorieren.


