
EU stellt Paket für technologische Souveränität vor, um Abhängigkeit von US-Cloud, Chips und KI zu verringern
Die Europäische Kommission hat am Mittwoch ein weitreichendes Paket zur Stärkung der digitalen Unabhängigkeit des Blocks vorgelegt. Es sieht vor, sensible Cloud- und KI-Aufträge des öffentlichen Sektors für europäische Anbieter zu reservieren und einen Chips Act 2.0 zur Sicherung der Halbleiterversorgung auf den Weg zu bringen.
Das Souveränitätspaket
Die Europäische Kommission hat am Mittwoch ihr lang erwartetes „Paket für technologische Souveränität“ vorgestellt – eine Reihe von Gesetzes- und Industriemaßnahmen, die darauf abzielen, die strukturelle Abhängigkeit des Blocks von nichteuropäischen digitalen Anbietern zu verringern. Mehr als 80 Prozent der digitalen Produkte, Dienstleistungen und Infrastrukturen der EU stammen derzeit von externen Märkten, vor allem aus den USA und Asien. Die Kommission schätzt, dass Europa jährlich rund 264 Milliarden Euro für den Kauf digitaler Produkte und Dienstleistungen aus dem Ausland ausgibt.
Wir können es uns nicht leisten, bei den Technologien, die unsere Krankenhäuser am Laufen halten, unsere Energienetze stabil und unsere Dienste sicher machen, von anderen abhängig zu sein.
Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz
Herzstück des Pakets ist der vorgeschlagene EU Cloud and AI Development Act. Er führt ein vierstufiges Souveränitätsrahmenwerk für die öffentliche Beschaffung ein: von einer allgemeinen Verpflichtung zur Datenspeicherung in Europa bis hin zu verstärkten Anforderungen in den sensibelsten Bereichen wie Sicherheit und Verteidigung. In einer begrenzten Anzahl kritischer Fälle würden Aufträge ausschließlich für EU-Ansässige Anbieter reserviert. Kommissionsvizepräsidentin Henna Virkkunen betonte, dass die meisten Aufträge für nichteuropäische Unternehmen offen blieben.
Wir wollen sicherstellen, dass wir in kritischen Bereichen stets die Kontrolle über die Dienste behalten und die Daten in Europa halten können. Wir wollen nicht in eine Situation geraten, in der jemand einen Kill-Switch hat, um unsere Dienste zu trennen.
Chips Act 2.0 und Open Source
Brüssel schlug außerdem eine umfassende Aktualisierung der EU-Chipsverordnung von 2023 vor, den sogenannten Chips Act 2.0. Ziel ist es, Genehmigungsverfahren für neue Fabriken zu beschleunigen, ein europäisches „Exzellenzlabel“ einzuführen und finanzielle Unterstützung für Industrieprojekte bereitzustellen – allerdings wurden keine Finanzierungszahlen genannt. Ergänzt wird das Paket durch eine Strategie zur Förderung von Open-Source-Software in öffentlichen Verwaltungen und einen Fahrplan zur Digitalisierung von Energienetzen mithilfe von KI.
Rechenzentren und KI-Hubs
Die Kommission will die europäische Rechenzentrumskapazität in den nächsten fünf bis sieben Jahren verdreifachen und neue KI-Hubs schaffen, um die KI-Industrie des Kontinents zu stärken. Ein neues „Eurocloud“-Forum soll die Mitgliedstaaten dazu anregen, digitale Kapazitäten gemeinsam zu nutzen, während die nationalen Regierungen verpflichtet werden, Strategien für die Einführung von Spitzentechnologien zu entwickeln.
Geopolitischer Kontext
Die Initiative ist teilweise durch Bedenken hinsichtlich der wahrgenommenen Waffenabhängigkeit Europas von US-Technologie durch US-Präsident Donald Trump motiviert. Die Vorschläge, die nun von den EU-Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament verhandelt werden, bergen das Risiko, die Handelsspannungen mit Washington neu zu entfachen. Die Kommission betont, dass das Paket die digitale Autonomie Europas stärke, während die Wirtschaft für globale Partner offen bleibe.
In einer Welt, in der Geopolitik und Technologie untrennbar miteinander verbunden sind, ist es an der Zeit, dass Europa die Kontrolle über seine Daten, seine Lieferketten und seine Zukunft auf saubere und nachhaltige Weise zurückgewinnt.
- Nicht-EU-Anbieter
- 80 %
- EU-Anbieter
- 20 %


