
EU plant altersgestaffelten Zugang zu sozialen Medien für Minderjährige – komplettes Verbot unter 13, abgestufte Regeln bis 18
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat am 13. Juli 2026 einen Expertenbericht befürwortet, der ein progressives, altersbasiertes Zugangssystem für Online-Plattformen empfiehlt, mit einem vollständigen Verbot für Kinder unter 13 Jahren.
Der Vorschlag
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat am Montag, den 13. Juli 2026, in Brüssel einen Bericht einer speziellen Expertengruppe zur Online-Sicherheit von Kindern erhalten. Die Gruppe, die von der französischen Epidemiologin Maria Melchior und dem deutschen Kinderpsychiatrie-Experten Jörg Fegert gemeinsam geleitet wird, empfiehlt ein harmonisiertes EU-weites System eines altersgestaffelten Zugangs zu sozialen Medien und anderen Online-Plattformen. Von der Leyen sagte, die Kommission werde nach dem Sommer Gesetzesvorschläge vorlegen.
Die Kindheit ist eine außergewöhnliche und sensible Phase für die Entwicklung des Gehirns. Und in dieser Phase müssen Kinder Zeit in der realen Welt verbringen, um zu spielen, Freunde zu finden, Fehler zu machen und ihre Persönlichkeit aufzubauen – bevor ein Algorithmus dies für sie tut.
Die Kernempfehlung ist ein vollständiges Verbot des Zugangs zu sozialen Medien für Kinder unter 13 Jahren. Für die Altersgruppe 13 bis 18 wäre der Zugang erlaubt, jedoch unter einem abgestuften Rahmen, der die Aufklärung über suchterzeugende Designmerkmale wie endloses Scrollen und Autoplay betont. Die Gruppe empfiehlt zudem keine Bildschirmzeit für Kinder im Alter von 0 bis 2 Jahren und einen von Eltern oder Lehrern beaufsichtigten Zugang zu altersgerechten Inhalten für die Altersgruppe 3 bis 12.
Die Daten hinter dem Vorstoß
Von der Leyen berief sich auf eine Eurobarometer-Umfrage, die zeigt, dass junge Menschen in der EU an Schultagen durchschnittlich 4,5 Stunden online verbringen und an Wochenenden mehr als 6 Stunden. Sie stellte auch fest, dass ein Viertel der jungen Europäer auf problematische Online-Inhalte stößt, darunter Hassreden, Körperbilddruck und unerwartete Gewalt. In ganz Europa zeigen laut dem portugiesischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk RTP fast 60 Prozent der Kinder bereits psychosoziale Probleme, die mit dem Online-Leben in Verbindung stehen.
Wenn ein Viertel unserer Jugendlichen mit problematischen Inhalten im Internet konfrontiert wird (Hassreden, Körperbilddruck, unerwartete Gewalt), ist das ein klares Signal, dass es Zeit zum Handeln ist.
Wie die Altersstufen funktionieren würden
Die Empfehlungen der Expertengruppe sind nach Altersgruppen strukturiert. Für Kinder im Alter von 0 bis 2 Jahren wird keine Bildschirmzeit empfohlen. Für die Altersgruppe 3 bis 12 Jahre sollte jeder digitale Zugang unter elterlicher oder lehrerseitiger Aufsicht erfolgen, wobei die Inhalte an die Entwicklungsstufe des Kindes angepasst sein sollten. Eltern werden ermutigt, Aktivitäten in der realen Welt zu priorisieren. Für Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren verlagert sich der Schwerpunkt auf die Vermittlung eines verantwortungsvollen Umgangs, einschließlich des Bewusstseins für die von den Plattformen eingesetzten suchterzeugenden Mechanismen.
Was in der realen Welt verboten ist, muss auch in der digitalen Welt verfolgt werden.
Von der Leyen betonte, dass die Frage nicht sei, ob Kinder auf soziale Medien zugreifen könnten, sondern ob und wann soziale Medien auf Kinder zugreifen könnten. Sie verglich den erforderlichen Verhaltenswandel mit der Einführung der Gurtpflicht und räumte ein, dass die Veränderung weder sofort noch absolut wasserdicht sein werde.
Ein Flickenteppich nationaler Regeln
Mehrere EU-Mitgliedstaaten bringen bereits eigene Beschränkungen auf den Weg. Frankreich, Spanien, Griechenland, Dänemark, Österreich und Schweden führen entweder nationale Verbote oder Altersgrenzen für Minderjährige auf sozialen Plattformen ein oder planen diese. Estland lehnt pauschale Verbote ab, und andere Länder haben noch keine Position bezogen. Ein EU-weit harmonisiertes Gesetz würde diesen aufkommenden Flickenteppich ersetzen und wäre, so von der Nachrichtenagentur Agence France-Presse zitierte Beamte, leichter gegen die Plattformen durchsetzbar, deren Regulierung bereits weitgehend auf EU-Ebene in Abstimmung mit den 27 Mitgliedstaaten erfolgt.
Außerhalb der EU hat Australien am 10. Dezember 2025 soziale Medien für unter 16-Jährige verboten. Auch Indonesien und Malaysia haben auf Altersbeschränkungen gedrängt.
Was als Nächstes kommt
Die Expertengruppe begann ihre Arbeit im März 2026 und legte ihren Bericht am 13. Juli vor. Von der Leyen versprach, noch vor dem Herbst eine Entscheidung zu treffen, wobei ein Kommissionssprecher sagte, es sei „möglich und notwendig, mehr zu tun“. Die Kommission beabsichtigt auch, Altersbeschränkungen für andere Online-Dienste zu prüfen und zu ermitteln, welche Plattformen für Minderjährige schädlich sind. Die Vorschläge werden „sehr umfassend“ sein, so ein weiterer EU-Beamter, der in der französischen Presse zitiert wurde.
Die Kindheit wartet nicht, und ist sie einmal vorbei, bekommt man sie nie zurück.
- Australien verbietet soziale Medien für unter 16-Jährige.
- Die EU-Expertengruppe zur Online-Sicherheit von Kindern beginnt ihre Arbeit.
- Die Expertengruppe überreicht ihren Bericht an Ursula von der Leyen in Brüssel.
- Die Europäische Kommission wird Gesetzesvorschläge für einen altersgestaffelten Zugang vorlegen.


