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NASA benennt Artemis-III-Besatzung: Italiener Luca Parmitano erster Europäer im Mondprogramm, Mission auf Erdorbittests verlegt

Die NASA hat die vierköpfige Besatzung für die 2027 geplante Mission Artemis III bekannt gegeben. Dazu gehört ESA-Astronaut Luca Parmitano, der erste Europäer im US-Mondprogramm. Die Mission bleibt im niedrigen Erdorbit, um das Andocken an kommerzielle Mondlandefähren von SpaceX und Blue Origin zu testen.

Besatzungsbekanntgabe in Houston

Die NASA gab am Dienstag im Johnson Space Center in Houston die Besatzung von Artemis III bekannt. Kommandant Randy Bresnik, ein ehemaliger ISS-Kommandant, wird die Mission leiten. Der italienische Astronaut Luca Parmitano von der Europäischen Weltraumorganisation wird als Pilot fungieren und ist damit der erste Europäer in der Besatzung eines US-Mondprogramms. Die Missionsspezialisten Andre Douglas und Frank Rubio – der mit 371 Tagen den Rekord für den längsten einzelnen US-Weltraumflug hält – vervollständigen das vierköpfige Team. Bob Hines wurde als Ersatzbesatzungsmitglied benannt.

Ich entschuldige mich im Voraus, falls ich emotional werde. Ich fühle mich geehrt durch die Rolle, die mir übertragen wurde, und durch die Aufgabe, die vor uns liegt.

Die Zeremonie umfasste eine symbolische Übergabe von Artemis-II-Kommandant Reid Wiseman, der einen zeremoniellen Staffelstab an Bresnik weitergab. „Wir übergeben Dir den Staffelstab. Du hast die Kontrolle“, sagte Wiseman. Bresnik antwortete, die Besatzung sei geehrt, „die Flamme“ weiterzutragen, die Artemis II entzündet habe.

Ein radikal verändertes Missionsprofil

Anders als ursprünglich geplant wird Artemis III nicht zum Mond fliegen. Die Besatzung wird etwa zwei Wochen im niedrigen Erdorbit verbringen. Diese Änderung zielt darauf ab, die knappe zweite Stufe der SLS-Rakete für Artemis IV zu erhalten, die nun für 2028 geplant ist und die erste bemannte Mondlandung seit 1972 versuchen soll. Die Entscheidung folgt auf die erfolgreiche Mission Artemis II im April, die den Mond umkreiste und die erste Frau, den ersten schwarzen Astronauten und den ersten Kanadier an Bord hatte.

Artemis III wird die Stärke amerikanischer Innovation und internationaler Partnerschaft demonstrieren, während wir komplexe Rendezvous- und Andockmanöver testen und Technologien vorantreiben, die die Menschheit eines Tages tiefer ins Sonnensystem bringen werden.

Andocktests mit zwei kommerziellen Landern

Das primäre Ziel ist es, die Andockverfahren zwischen der Orion-Kapsel und zwei kommerziellen Mondlandefahrzeugen zu testen. Die Mission beginnt mit dem Start eines Blue-Origin-Testfahrzeugs. Die Orion mit den vier Astronauten an Bord, gestartet von der SLS-Rakete vom Kennedy Space Center in Florida, wird dann im Orbit daran andocken. Die Besatzung wird Bewohnbarkeitstests, Überprüfungen der Lebenserhaltungssysteme und Einsätze im Inneren des Mondfahrzeugs durchführen. Nachdem sie sich vom Blue-Origin-Fahrzeug getrennt hat, wird Orion zu einer Mondversion von SpaceX‘ Starship fliegen, um eine zweite Serie von Annäherungs- und Andockmanövern durchzuführen.

Artemis-III-Missionsablauf
  1. Blue-Origin-Testfahrzeug startet zuerst
  2. Orion mit vierköpfiger Besatzung startet mit SLS vom Kennedy Space Center
  3. Orion dockt an Blue-Origin-Landefähre an; Besatzung führt Bewohnbarkeits- und Lebenserhaltungstests durch
  4. Orion trennt sich von Blue-Origin-Fahrzeug
  5. Orion führt Rendezvous mit und dockt an SpaceX Starship-Mondvariante für zweite Testserie an
  6. Nach etwa zwei Wochen kehrt Orion zur Erde zurück und wassert im Pazifischen Ozean

Zeitplan unter Druck nach Blue-Origin-Explosion

Der Missionszeitplan steht nach der Explosion der New-Glenn-Rakete von Blue Origin während eines Bodentests Ende Mai unter Beobachtung. Blue-Origin-Vertreter John Couluris räumte bei der Veranstaltung in Houston eine „erhebliche Anomalie“ ein, bestand aber darauf, dass das Unternehmen seine Landefähre für Artemis III termingerecht bereitstellen werde. „Wir haben unsere Anstrengungen verdoppelt und machen weiter“, sagte er. NASA-Programmmanager Jeremy Parsons bestätigte, dass die Agentur am Starttermin 2027 festhält.

Europäischer Beitrag über die Besatzung hinaus

Parmitanos Anwesenheit spiegelt eine tiefere europäische Beteiligung am Artemis-Programm wider. Das Europäische Servicemodul, das Orion mit Strom, Antrieb, Wärmekontrolle, Luft und Wasser versorgt, wird von der ESA geliefert. Seine Primärstruktur wird in Turin, Italien, gefertigt. ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher bemerkte, dass Parmitanos Auswahl „die europäische Expertise und seine große Erfahrung in Hochdrucksituationen widerspiegele.“ Parmitano, ein Oberst der italienischen Luftwaffe und Testpilot, hat 366 Tage im Weltraum bei zwei ISS-Missionen verbracht und ist bekannt für seine Widerstandsfähigkeit, nachdem er 2013 bei einem Außenbordeinsatz beinahe ertrunken wäre.

Artemis III wird die Grenzen der Weltraumoperationen im Orbit testen. Die Wahl von Luca als Pilot spiegelt die europäische Expertise und seine große Erfahrung in Hochdrucksituationen wider.

Der Weg zur Mondlandung 2028

Artemis III ist die letzte Testmission, bevor Artemis IV 2028 eine bemannte Mondlandung versucht. Diese Mission soll die erste Frau und die erste nicht-weiße Person auf die Mondoberfläche bringen. Der ursprüngliche Artemis-Zeitplan hatte eine Landung für 2024 vorgesehen, was nun eine Verzögerung von vier Jahren bedeutet. China, der Hauptkonkurrent der USA im Weltallrennen, plant, vor 2030 Astronauten auf die Mondoberfläche zu schicken. Nach Abschluss ihrer zweiwöchigen Mission wird die Orion-Kapsel mit einer Wasserung im Pazifischen Ozean zur Erde zurückkehren.

Houston · Cape Canaveral · Turin

7 Quellen

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