
Deutschland gab 50,4 Milliarden Euro für Energiekrisenhilfe nach russischen Gaslieferstopps aus
Eine Offenlegung des Finanzministeriums zeigt, dass Deutschland 50,4 Milliarden Euro über 27 Subventionsprogramme ausgegeben hat, um Verbraucher und Unternehmen zu schützen, nachdem Russland 2022 die Erdgaslieferungen eingestellt hatte.
Kosten der Krisenintervention
Die Bundesregierung gab 50,4 Milliarden Euro für finanzielle Entlastungsmaßnahmen während der Energiekrise aus, die durch den Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 ausgelöst wurde. Die Gesamtausgaben wurden in einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Haushaltspolitikers Sebastian Schäfer offengelegt. Das Ministerium listete 27 separate Ausgabenprogramme auf, die darauf abzielten, die Heiz- und Stromkosten für Verbraucher zu senken und gleichzeitig die Versorgungsmärkte zu stabilisieren. Die endgültige Rechnung fiel deutlich geringer aus als die von Bundeskanzler Olaf Scholz im September 2022 im Rahmen seines wirtschaftlichen Verteidigungspakets angekündigte Kreditermächtigung von 200 Milliarden Euro.
Preisdeckel und Notzahlungen
Der größte Einzelposten war die Ende 2022 eingeführte Strompreisbremse, die 16,3 Milliarden Euro kostete. Das Programm garantierte Haushalten und kleinen Unternehmen einen Strompreis von 40 Cent pro Kilowattstunde für 80 Prozent ihres bisherigen Verbrauchs, während die Preise für Industriekunden auf 13 Cent für 70 Prozent ihres Verbrauchs gedeckelt wurden. Die Gaspreisbremse belief sich auf 14,3 Milliarden Euro und bot Haushalten und kleinen bis mittleren Unternehmen eine Bruttogrenze von 12 Cent pro Kilowattstunde für 80 Prozent des bisherigen Verbrauchs sowie eine Obergrenze von 9,5 Cent für Fernwärme. Ein erstes Nothilfepaket im Dezember 2022 kostete 8,5 Milliarden Euro, indem es einen vollen Monat Heizkostenvorauszahlungen für Privathaushalte, kleine Unternehmen und soziale Einrichtungen abdeckte.
- Strompreisbremse
- 16.3 Mrd. Euro
- Gaspreisbremse
- 14.3 Mrd. Euro
- Nothilfe Dezember 2022
- 8.5 Mrd. Euro
Zusätzliche Programme und ausgeschlossene Kosten
Direkte Subventionen umfassten auch mehr als sechs Milliarden Euro für eine einmalige Zahlung von 300 Euro, die an Rentner in ganz Deutschland verteilt wurde. Kleinere Zuweisungen finanzierten Heizkostenzuschüsse für Studenten, Auszubildende und Empfänger von Wohngeld sowie Unterstützung für energieintensive Unternehmen. Die Gesamtsumme von 50,4 Milliarden Euro des Ministeriums schließt jedoch indirekte Kosten wie Steuersenkungen aus. Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Erdgas von 19 Prozent auf sieben Prozent zwischen August 2022 und Anfang 2024 verringerte die Bundeseinnahmen um 3,3 Milliarden Euro und kostete die Länder und Kommunen fast drei Milliarden Euro. Unter Einbeziehung der Unternehmensrettung des Gasimporteurs Uniper und damit verbundener Stabilisierungsmaßnahmen berechnen die Grünen die gesamten staatlichen Krisenausgaben auf 71,7 Milliarden Euro.
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Finanzielle Prüfung und strategische Abhängigkeit
Die Preisbremsen galten das gesamte Jahr 2023 und wurden vom Bundestag zunächst bis März 2024 verlängert, aber das Bundeskabinett hob die Verlängerung auf, nachdem ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom November 2023 ein sofortiges Defizit im Bundeshaushalt verursacht hatte. Ökonomen hatten die universellen Subventionen zuvor kritisiert, weil sie die Mittel breit streuten anstatt gezielt bedürftige Haushalte zu unterstützen, und stellten fest, dass billigeres Gas die Anreize zur Reduzierung des Verbrauchs schwächte. Schäfer nutzte die Veröffentlichung der Ausgabenzahlen, um Änderungen in der langfristigen Beschaffungsstrategie zu fordern.
Wir dürfen niemals wieder solche einseitigen und riskanten Abhängigkeiten eingehen.
Schäfer wies darauf hin, dass jahrzehntelange Öl- und Gasimporte Milliarden Euro nach Moskau gelenkt und die europäische Sicherheit untergraben hätten.
Eine vorausschauende Haushaltspolitik muss auch bedenken, welche finanziellen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Konsequenzen uns ein Mangel an Vorsorge morgen teuer zu stehen kommen kann.


