Thales Museum Obscurum feiert zehn Jahre: 300 Exponate und ein Verhörstuhl von 1750 machen Aberglauben greifbar
Die private Sammlung im Harz nutzt Originalartefakte und Nachbildungen, um die historischen Wurzeln von Hexenprozessen, Vampirglauben und Ritualmagie in zwölf Themenräumen nachzuzeichnen.
Was das Museum bietet
Das Museum Obscurum beherbergt rund 300 Objekte, eine Mischung aus Originalen und originalgetreuen Nachbildungen nach historischen Vorbildern, verteilt auf 400 Quadratmeter. Zwölf Räume widmen sich jeweils einem anderen Thema, von den Mechanismen der Hexenverfolgung bis zur Anatomie von Vampirmythen. Helmut Lautner, der die private Sammlung besitzt und betreibt, beschreibt den Ansatz als Korrektiv zum populären Kitsch.
Unser Museum zeigt die Geschichte dahinter und ist nicht Kitsch mit Hexenbesen und Hexenhüten.
Die Ausstellung präsentiert Hexerei nicht als Fantasie, sondern als historisches Phänomen, das Leben zerstörte, und verankert die Darstellung in dokumentierten Praktiken statt in modernen Unterhaltungsklischees.
Hexenprozesse und Folter
Ein Bereich, der sich der Hexenverfolgung widmet, umfasst eine Hexenwaage und Nachbildungen der sogenannten Hexenproben, die einst zur Identifizierung von Verdächtigen eingesetzt wurden. Die Proben beruhten auf Aberglauben und führten routinemäßig zu Fehlurteilen. Angrenzende Räume zeigen historische Folterinstrumente und Nachbildungen, die Verhörmethoden zur Erzwingung von Geständnissen darstellen.
Die Menschen wurden so lange gequält, bis sie sagten, dass sie eine Hexe sind.
Eines der ältesten Originalstücke ist eine hölzerne Sitzgruppe aus der Zeit der Hexenverfolgung, die Lautner auf etwa 1750 datiert. Sie wurde vermutlich bei Verhören genutzt: Der Angeklagte saß auf der einen Seite, der Vernehmer auf der anderen. Schnitzereien an dem Stück deuten auf eine Herkunft aus Deutschland hin.
Die Entstehung eines Vampirs
Ein menschliches Skelett, das als „Vampirskelett“ ausgestellt wird und angeblich aus Amerika stammt, dient als visueller Anker für eine breitere Argumentation darüber, wie Mythen aus missverstandenen Naturvorgängen entstehen. Lautner besteht darauf, dass das Phänomen eine medizinische, keine übernatürliche Erklärung hatte.
Es gab keine echten Vampire.
Wenn Gräber wieder geöffnet wurden, erschienen die Leichen manchmal aufgedunsen, mit blutähnlicher Flüssigkeit am Mund – ein Effekt der normalen Verwesung. Da die Menschen diese Vorgänge nicht verstanden, schlossen sie, dass die Toten sich von den Lebenden ernährten. Das Museum verknüpft den Glauben mit Krankheiten wie Tuberkulose und erweitert die Erzählung auf angrenzende Ausstellungsbereiche zu Zombies, Geistern und Exorzismus, wobei Bücher, religiöse Gegenstände und historische Schilderungen angeblicher Besessenheit verwendet werden. Zu sehen sind auch Briefe des britischen Geisterjägers Harry Price (1881-1948), der im 20. Jahrhundert durch die Untersuchung angeblicher paranormaler Phänomene berühmt wurde.
Exotische Objekte und lokaler Stolz
Weitere eindrucksvolle Stücke sind ein Schädel aus Neuguinea, beschrieben als Trophäe eines Kopfjägerstammes aus der Zeit um 1800, und eine Sammlung schriftlicher Geisterberichte. Frank Hirschelmann, stellvertretender Bürgermeister von Thale, bezeichnet das Museum als festen Bestandteil des touristischen Angebots der Stadt.
Das Museum ist für uns im Tourismus eine absolute Bereicherung, das gehört mittlerweile komplett dazu.
Wie es begann
Die Idee nahm während einer Italienreise Gestalt an, als Lautner das Museo della Tortura in Siena besuchte und sah, wie groß das Publikumsinteresse an solchem Material war. Er setzte diese Erkenntnis in eine Dauerausstellung im Harz um, wo das Thema Aberglaube nahtlos in eine Region passt, die bereits reich an Folklore und düsteren Märchen ist.
- Helmut Lautner besucht das Museo della Tortura in Siena, was die Idee für ein Museum über Aberglauben auslöst.
- Das Museum Obscurum öffnet in Thale als private Sammlung.
- Das Museum feiert sein zehnjähriges Bestehen mit rund 300 ausgestellten Exponaten.
- Exponate
- 300
- Quadratmeter
- 400
- Themenräume
- 12


