Edersee-Stausee bei 20 % Fassungsvermögen: Tourismusbetriebe verzeichnen 50 % Umsatzverluste in den Sommerferien
Der Edersee, Hessens größter Stausee, ist auf nur 39 Millionen Kubikmeter Wasser von 200 Millionen Fassungsvermögen gefallen. Wassersport- und Gastronomiebetriebe erleiden schwere Verluste, die Behörden mussten die Abgaben für die Weser auf ein Minimum reduzieren.
Wasserstände zu Saisonbeginn auf Rekordtief
Der Edersee mit einer 48 Meter hohen Staumauer, die 200 Millionen Kubikmeter Wasser fassen kann, ist während der Sommerferien auf knapp über 39 Millionen Kubikmeter – etwa ein Fünftel seiner Kapazität – gefallen. Der frühe Beginn des Niedrigwassers in diesem Jahr wird auf anhaltende Dürre zurückgeführt. Jens Köhne vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser (WSA), das die Talsperre verwaltet, erklärte, die Zuflüsse aus den Einzugsgebieten von Werra, Fulda und Eder seien aufgrund erheblich unzureichender Niederschläge extrem gering.
Die Talsperre musste früher als üblich und zuletzt mit einer vergleichsweise großen Wassermenge Stützwasser abgeben.
- Fassungsvermögen
- 200 Mio. m³
- Aktuell (26. Juli 2026)
- 39 Mio. m³
Tourismusbetriebe 'vor die Wand gefahren'
Thomas Hennig, der eine Segelschule und Unterkünfte am See betreibt und für den Regionalverband Eder-Diemel (RVED) spricht, bezeichnete die Lage als katastrophal. Zwei Drittel des Seebetts sind trockengefallen, Wassersport ist nur noch nahe der Staumauer möglich. „Unser Geschäft hat im zweiten Jahr einen Umsatzrückgang von 50 Prozent“, sagte Hennig. Viele Betreiber stünden vor dem Aus. „Mittlerweile steht jeder dritte Betrieb zum Verkauf. Aber wer will das schon kaufen, wenn wir kein Wasser im See haben?“
Das ist der blanke Wahnsinn. Im Grunde werden beide Regionen vor die Wand gefahren.
Er warnte, dass die in dieser Saison verlorenen Gäste vielleicht nicht wiederkämen. „Alles, was wir hier in den letzten 50 Jahren aufgebaut haben, geht in den letzten Jahren den Bach runter, weil der See nicht nachhaltig bewirtschaftet wird“, ergänzte Hennig. Er forderte ein verbindliches langfristiges Konzept, das den Tourismus neben der Wasserwirtschaft schützt.
Balanceakt zwischen See und Fluss
Das Wasser des Edersees wird abgegeben, um die Schiffbarkeit der Weser und des Mittellandkanals, einer Bundeswasserstraße, zu erhalten. Köhne erklärte, die saisonalen Abgaben lägen normalerweise zwischen vier Kubikmetern pro Sekunde im Winter und etwa 30 Kubikmetern pro Sekunde in trockenen Sommern, mit gelegentlichen höheren Spitzen. Seit einigen Tagen sei die Abgabe auf ein Minimum von sechs Kubikmetern pro Sekunde reduziert. „Eine Regulierung der Oberweser ist nicht mehr möglich, sobald der Stützwasserabfluss der Talsperre eingestellt ist“, so Köhne, was Einschränkungen für die Güter- und Personenschifffahrt zur Folge habe. Der Stausee, so sagte er, sei bereits beim Bau als zu klein angesehen worden, um die Oberweser ganzjährig schiffbar zu halten, und der Klimawandel mache diese Aufgabe nun unmöglich.
Solange sich die Wetterlage nicht grundlegend ändert, wird diese unglückliche Situation noch eine Weile stabil bleiben.
Politischer Stillstand und ökologische Bedenken
Die jährliche sommerliche Absenkung ist seit Jahren ein politischer Zankapfel, der die Tourismusbranche am See gegen die Bedürfnisse der Binnenschifffahrt ausspielt. Hennig sagte, der Imageschaden sei immens, und warf den Behörden vor, die ökologischen Folgen für den Edersee und die Eder flussabwärts bis Hann. Münden zu ignorieren. Eine baldige Entspannung ist nicht in Sicht, und das Niedrigwasserregime wird ohne ergiebige Regenfälle voraussichtlich anhalten.


