
DW-Korrespondent Alican Uludağ in der Türkei wegen Social-Media-Beitrags, der die Justiz kritisiert, erneut festgenommen
Alican Uludağ, Gerichtsreporter von Deutsche Welle in Ankara, wurde am Dienstagnachmittag festgenommen und zur Staatsanwaltschaft gebracht, wie sein Anwalt bestätigte.
Die Festnahme
Alican Uludağ, der Korrespondent von Deutsche Welle (DW) in der Türkei, wurde am Dienstag, dem 21. Juli 2026, erneut festgenommen, etwa zwei Monate nach seiner bedingten Freilassung aus der Untersuchungshaft. Sein Anwalt bestätigte, dass der Journalist am Dienstagnachmittag in Gewahrsam genommen und zur Staatsanwaltschaft Ankara gebracht wurde. Uludağ selbst gab die Festnahme auf X bekannt und schrieb: „Ich werde in Gewahrsam genommen.“
Ich werde in Gewahrsam genommen.
Die Oberstaatsanwaltschaft Ankara erklärte auf X, dass gegen Uludağ wegen „Aufstachelung der Öffentlichkeit zu Feindseligkeit oder Herabwürdigung“ und „Verbreitung irreführender Informationen“ ermittelt werde. Die Ermittlungen gehen auf einen Beitrag auf X zurück, in dem Uludağ die türkische Justiz kritisiert hatte.
Vorherige Festnahme und Anklage
Uludağ wurde erstmals im Februar 2026 festgenommen, wegen des Vorwurfs der Beleidigung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der Verbreitung irreführender Informationen und der Herabwürdigung des türkischen Staates oder seiner Institutionen in 22 Social-Media-Beiträgen. Die Beleidigung oder Herabwürdigung des Präsidenten ist in der Türkei eine Straftat. Einer der Beiträge, die die ersten Ermittlungen auslösten, betraf laut DW Kritik an der Freilassung mutmaßlicher Kämpfer des Islamischen Staates (IS), ein anderer warf der türkischen Regierung Korruption vor.
Er verbrachte 90 Tage im berüchtigten Gefängnis Silivri bei Istanbul, bevor ein Gericht am ersten Verhandlungstag, dem 21. Mai 2026, seine bedingte Freilassung anordnete. Die Anklagepunkte wurden aufrechterhalten, und der Prozess soll am 18. September fortgesetzt werden, so sein Anwalt. Uludağ hat alle Vorwürfe stets bestritten und nach seiner Freilassung erklärt, er werde weiter als Journalist arbeiten. „Wir haben nur eine Waffe“, sagte er, „und das ist unser Stift. Wir werden diesen Stift niemals niederlegen.“
Wir haben nur eine Waffe, und das ist unser Stift. Wir werden diesen Stift niemals niederlegen.
## Reaktionen
DW-Intendantin Barbara Massing nannte die erneute Festnahme „zutiefst beunruhigend“ und sagte, journalistische Arbeit dürfe nicht kriminalisiert werden. „Alican hat viele Jahre lang unabhängig und im öffentlichen Interesse über die Justiz, Politik und Gesellschaft in der Türkei recherchiert und berichtet. Wir erwarten, dass seine Rechte vollständig respektiert werden, und wir fordern außerdem ein faires Verfahren nach den Grundsätzen der Rechtsstaatlichkeit. Deutsche Welle steht weiterhin fest an seiner Seite.“
Die erneute Festnahme unseres Kollegen Alican Uludağ ist zutiefst beunruhigend. Journalistische Arbeit darf nicht kriminalisiert werden.
Während seiner vorherigen Haft forderten nationale und internationale Organisationen sowie politische Vertreter seine Freilassung. Reporter ohne Grenzen erklärte nach seiner ersten Freilassung, „er hätte wegen seiner Berichterstattung oder Kommentare keinen einzigen Tag in Haft verbringen dürfen.“ Der Türkische Journalistenverband (TGC) verlieh Uludağ im Juli den Pressefreiheitspreis 2026.
Breiterer Kontext
Uludağ ist auf die Berichterstattung über das türkische Justizsystem spezialisiert und berichtet seit mehreren Jahren für DW über Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsfälle und Prozesse, wobei er ein breites Publikum erreicht. In der Türkei wurden in den letzten Jahren Zehntausende von Menschen wegen „Beleidigung des Präsidenten“ oder ähnlicher Straftaten angeklagt, oft aufgrund von Online-Beiträgen. Uludağs X-Konto zeigt, dass er in letzter Zeit zahlreiche regierungskritische Beiträge geteilt hat. DW bestätigte, dass sie nach dieser neuesten Entwicklung weiterhin mit seinen Anwälten in Kontakt steht.
- Erste Festnahme wegen Beleidigung von Präsident Erdoğan, Verbreitung irreführender Informationen und Herabwürdigung des Staates in 22 Social-Media-Beiträgen.
- Gericht ordnet am ersten Verhandlungstag die bedingte Freilassung an; Anklagepunkte bleiben bestehen.
- Türkischer Journalistenverband verleiht Uludağ den Pressefreiheitspreis 2026.
- Erneute Festnahme wegen eines X-Beitrags, in dem er die türkische Justiz kritisierte; zur Staatsanwaltschaft Ankara gebracht.
- Fortsetzung des Verfahrens zu den Anklagepunkten vom Februar geplant.


