
Dräger-CEO fordert Bundesregierung zum Eingreifen in EU-PFAS-Verbotsdebatte auf
Der Drägerwerk-CEO Stefan Dräger wartet darauf, dass die deutsche Bundesregierung gegen eine weitreichende EU-PFAS-Beschränkung vorgeht, und bezeichnet die vorgeschlagene Regulierung als existenzbedrohend für die Industrie.
Was sind PFAS
PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, eine Gruppe industriell hergestellter Chemikalien, die wasser-, fett- und schmutzabweisend sind. Mehr als 10.000 verschiedene Verbindungen sind bekannt. Die Stoffe bauen in der Umwelt oder im menschlichen Körper kaum ab, weshalb sie auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt werden. Diese sogenannten Ewigkeitschemikalien sind höchst umstritten. Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte PFAS gesundheitsschädlich sind. Die Industrie ist jedoch auf diese Stoffe angewiesen, was die Frage aufwirft, wie eine praktikable Lösung gefunden werden kann, die sowohl Umwelt- als auch Industriebelange berücksichtigt.
EU-Beschränkungsverfahren läuft
PFAS sind bereits teilweise auf internationaler, EU- und nationaler Ebene reguliert. Seit 2023 läuft in der EU ein weitreichendes Beschränkungsverfahren, das von Behörden aus fünf europäischen Ländern, darunter Deutschland, initiiert wurde. Mehrere Varianten der Regulierung werden diskutiert. Ein Totalverbot gilt inzwischen als wahrscheinlich nicht umsetzbar. Das Bewertungsverfahren soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
Dräger ruft Bundesregierung zum Eingreifen auf
Stefan Dräger, CEO der Drägerwerk AG & Co. KGaA, wartet darauf, dass die deutsche Bundesregierung in die Debatte über das EU-weite PFAS-Verbot eingreift. Er sagte, die Regierung könne noch eingreifen und den Vorschlag ändern.
Die Bundesregierung könnte noch eingreifen und sagen, wir haben jetzt auch eine politische Bewertung der gesellschaftlichen Auswirkungen vorgenommen, und wir wollen den Vorschlag ändern.
Er wartet auf eine Regierungsinitiative zur Rettung des Industriestandorts Deutschland. Er bezeichnete die diskutierte PFAS-Regulierung als existenzbedrohend, nicht nur für sein Unternehmen, sondern für die Industrie insgesamt.
Die diskutierte PFAS-Regulierung ist existenzbedrohend, nicht nur für Dräger.
Er plädiert dafür, dass die Industrie besonders nützliche Substanzen weiterhin verwenden darf, sofern sie ungiftig und nicht wasserlöslich sind. Als Voraussetzung müssten Produktion, Verwendung und Entsorgung kontrolliert werden. Er räumte ein, dass PFAS sehr persistent sind und nicht in die Umwelt gehören, sagte aber, dass nicht alle von ihnen gefährlich seien.
Begrifflichkeit und Legitimitätsbedenken
Dräger lehnte den Begriff „Ewigkeitschemikalien“ ab und sagte, Umweltschützer verwendeten die Formulierung, um Unmut zu säen. Er kritisierte auch, dass die Initiative aus Deutschland nicht auf einem Beschluss des Bundestages beruhe. Ihr fehle daher die Legitimität, so Dräger. Der deutsche Vorstoß für Beschränkungen sei seiner Ansicht nach ohne parlamentarische Rückendeckung gestartet worden.
Unternehmensprofil
Dräger, 63, führt in fünfter Generation das 1889 in Lübeck gegründete Familienunternehmen. Das Unternehmen ist börsennotiert. Im vergangenen Jahr beschäftigte der Konzern mehr als 16.000 Menschen und erzielte einen Umsatz von rund 3,5 Milliarden Euro. Die Familie Dräger hält die Mehrheit der Stammaktien.
- Dräger-Familienunternehmen in Lübeck gegründet
- EU-PFAS-Beschränkungsverfahren beginnt, initiiert von Behörden aus fünf europäischen Ländern, darunter Deutschland
- Dräger-CEO ruft die deutsche Bundesregierung zum Eingreifen in die PFAS-Verbotsdebatte auf
- EU-Bewertungsverfahren soll abgeschlossen sein

