
Deutsche Polizei durchsucht DFB und Stadtverwaltungen wegen Korruptionsvorwürfen um EM 2024-Tickets
Die Behörden durchsuchten am Mittwoch die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes sowie städtische Ämter in mehreren Gastgeberstädten und ermitteln wegen mutmaßlicher Bestechung im Zusammenhang mit bevorzugten Ticketkontingenten für die EM 2024.
Durchsuchungsaktion in ganz Deutschland
Polizei und Staatsanwaltschaft vollstreckten Durchsuchungsbeschlüsse in der Frankfurter Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sowie in städtischen Ämtern in Berlin, Hamburg, Stuttgart, München, Köln, Dortmund, Düsseldorf und Gelsenkirchen. Die Razzien, an denen mehr als 150 Beamte beteiligt waren, waren Teil eines Korruptionsverfahrens im Zusammenhang mit der von Deutschland ausgerichteten Europameisterschaft 2024.
Die Kernvorwürfe
Die Ermittler vermuten, dass Mitarbeiter der Gastgeberstädte von den Organisatoren der EM 2024 unzulässige Vorteile erhalten haben. Laut einer gemeinsamen Erklärung der Staatsanwaltschaft Bochum und der Polizei Nordrhein-Westfalen konzentriert sich der Fall auf "mutmaßliche unerlaubte Vergünstigungen, darunter der Besuch eines Fußballspiels", die ein verdächtiger Mitarbeiter einer Gastgeberstadt von Verantwortlichen der Organisationseinheit angenommen haben soll. Den Organisatoren wird zudem vorgeworfen, den Gastgeberstädten exklusive Vorverkaufsrechte für Tickets angeboten zu haben, von denen einige genutzt wurden.
Die Ermittlungen betreffen mutmaßliche unerlaubte Vergünstigungen, darunter den Besuch eines Fußballspiels, die eine beschuldigte Person, die damals für eine Gastgeberstadt arbeitete, von Verantwortlichen der Organisationseinheit erhalten haben soll.
Zwei Verdächtige identifiziert
Die Bild-Zeitung berichtete, dass sich die Ermittlungen auf einen 66-jährigen deutschen Staatsangehörigen, einen ehemaligen Mitarbeiter der Stadtverwaltung Gelsenkirchen, und einen 46-jährigen französischen Staatsangehörigen konzentrieren, der bei der Euro 2024 GmbH für die Beziehungen zu den Gastgeberstädten zuständig war. Der deutsche Verdächtige soll Tickets, Reise- und Hotelvergünstigungen im Wert von 2.400 Euro erhalten haben, darunter eine Eintrittskarte für das Halbfinale Spanien–Frankreich in München. Bild fügte hinzu, dass während des Turniers mehrere tausend Tickets intern an bevorzugte Gäste verteilt worden sein könnten.
DFB reagiert als Zeuge
Der DFB bestätigte, dass seine Frankfurter Büros durchsucht wurden, betonte jedoch, dass er nicht Ziel der Ermittlungen sei. In einer per E-Mail versandten Erklärung teilte der Verband mit: "Die Ermittlungen betreffen weder den DFB als Organisation noch einzelne Mitarbeiter oder Funktionäre. Vielmehr ist der DFB in diesem Verfahren ausschließlich als Zeuge beteiligt und hat den Behörden volle Kooperation zugesagt."
Die Ermittlungen betreffen weder den DFB als Organisation noch einzelne Mitarbeiter oder Funktionäre. Vielmehr ist der DFB in diesem Verfahren ausschließlich als Zeuge beteiligt und hat den Behörden volle Kooperation zugesagt.
Ein schwieriger Moment für den deutschen Fußball
Die Enthüllung erfolgte zwei Tage, nachdem Deutschland im Achtelfinale der WM 2026 durch ein Elfmeterschießen gegen Paraguay ausgeschieden war, was den Druck auf den DFB noch erhöhte. Das EM 2024-Turnier, das von der Euro 2024 GmbH (einem Gemeinschaftsunternehmen von DFB und Uefa) organisiert wurde, fand im Juni und Juli 2024 statt, und Spanien holte den Pokal. Die Behörden wollten nicht sagen, ob sich die Verdächtigen bereits zu den Vorwürfen geäußert haben.


