
Deutschland genehmigt französisch-russische Brennstoffproduktion in Lingen, verbietet Rosatom-Mitarbeiter und fordert EU-Sanktionen
Ein deutsches Bundesland hat ein französisch-russisches Brennstoffprojekt im Werk Lingen genehmigt, ein Verbot für Rosatom-Mitarbeiter verhängt und EU-Sanktionen gegen Moskaus Nuklearsektor gefordert.
Genehmigung nach jahrelanger Blockade
Am 22. Juli 2026 erteilte das Umweltministerium von Niedersachsen der Advanced Nuclear Fuels (ANF), einer Tochter des französischen Nuklearkonzerns Framatome, die Genehmigung zur Produktion von Brennstäben in ihrem Werk Lingen in Zusammenarbeit mit den russischen Staatsunternehmen TVEL und Rosatom. Der Antrag war im März 2022 eingereicht worden, kurz nach Russlands groß angelegtem Einmarsch in die Ukraine, und war über vier Jahre hinweg intensiver politischer Prüfung ausgesetzt. Das Projekt zielt darauf ab, Brennelemente herzustellen, die mit sowjetisch und russisch ausgelegten Reaktoren kompatibel sind, die noch in Mittel- und Osteuropa betrieben werden.
## Sicherheitsauflagen Die Lizenz enthält strenge Auflagen, um nationale Sicherheitsbedenken auszuräumen. Mitarbeiter von Rosatom und TVEL haben kein Zutrittsrecht zur Anlage in Lingen. Für Ausrüstung und Brennstäbe aus Russland werden externe Sicherheitsaudits erforderlich sein. Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer erklärte, die Genehmigung sei erteilt worden, weil die Bundesbehörden bestätigt hätten, dass es nach dem Atomrecht keine Rechtsgrundlage gebe, sie zu verweigern. Das Ministerium fügte hinzu, dass die Genehmigung bei neuen Risiken, insbesondere im Bereich der nationalen Sicherheit, erneut geprüft werden könne.
Berlins rechtliche Zwangslage und Drängen auf EU-Sanktionen
Das Bundesumweltministerium räumte die politische Sensibilität ein und erklärte, Russland führe einen „völkerrechtswidrigen Angriffskrieg“ und betrachte die EU, insbesondere Deutschland, als Gegner. Dennoch bestehe im Atomrecht keine Grundlage, das Projekt zu blockieren.
Das geeignete Instrument, um dies zu adressieren, ist jedoch nicht das Atomrecht, sondern EU-weite Sanktionen, einschließlich solcher im Nuklearsektor.
Das Ministerium stellte fest, dass eine Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten solche Sanktionen bisher nicht unterstützt habe, und sagte zu, sich weiterhin für sie einzusetzen.
Framatomes strategische Begründung
Framatome begrüßte die Entscheidung und stellte sie als Schritt zur Verringerung der europäischen Abhängigkeit von direkten russischen Brennstofflieferungen dar.
Diese Entscheidung stärkt die europäische Energiesicherheit, unterstützt die industrielle Souveränität und bekräftigt unser Engagement, Kernkraftbetreibern in ganz Europa sichere und diversifizierte Brennstoffversorgungslösungen zu bieten.
Das französische Unternehmen argumentierte, dass die Zusammenarbeit eine Übergangsmaßnahme sei, um Betreibern russisch ausgelegter Reaktoren die Diversifizierung weg von Moskau zu ermöglichen, während es seine eigene Produktionstechnologie entwickle.
Politischer Druck und nächste Schritte
Der Vorgang stieß auf starken Widerstand von Deutschlands Grünen und anderen Kritikern, die jegliche nukleare Zusammenarbeit mit Russland als mit dem Sicherheitsumfeld unvereinbar ansehen. Laut Politico war eine neue Sicherheitsbewertung, die die russische Beteiligung adressierte, ausschlaggebend für die Entblockung der Akte. Der französische Präsident Emmanuel Macron erörterte die Angelegenheit mit dem deutschen Politiker Friedrich Merz, was die hohe politische Aufmerksamkeit für das Projekt verdeutlicht. Solange es keine EU-Sanktionen gegen den russischen Nuklearsektor gibt, soll das Werk Lingen nun unter den genehmigten Auflagen mit der Produktion beginnen, wobei Berlin gewarnt hat, dass die Lizenz bei Sicherheitsrisiken überprüft werden könnte.
- ANF reicht Antrag zur Produktion von russischem Brennstoff in Lingen mit Rosatom ein
- Antrag aufgrund politischen Drucks und Opposition der Grünen blockiert
- Neue Sicherheitsbewertung durchgeführt, die Risiken der russischen Beteiligung adressiert
- Niedersachsen erteilt Genehmigung mit Auflagen, einschließlich Rosatom-Mitarbeiterverbot


