KI-generiert·Mehr erfahren
© stern.de
Regierung·vor 3 Std.

Rentenkommission schlägt Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung und eine obligatorische kapitalgedeckte Säule vor

Ein von der Regierung eingesetztes Gremium hat empfohlen, das Rentenalter an die Lebenserwartung zu koppeln und eine obligatorische kapitalgedeckte Komponente in die gesetzliche Rentenversicherung einzuführen. Der Bericht plädiert auch für die Abschaffung der Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren.

Das Mandat der Kommission

Anfang 2026 nahm die 13-köpfige Kommission unter dem Vorsitz von Constanze Janda und Frank-Jürgen Weise die Arbeit an einer umfassenden Rentenreform auf. In fünf Monaten und 150 Sitzungsstunden erarbeiteten sie einen 80-seitigen Bericht mit rund 30 Empfehlungen. Das Dokument wird am Dienstag offiziell Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsminister Bas übergeben.

Rentenalter an Lebenserwartung gekoppelt

Der umstrittenste Vorschlag koppelt das gesetzliche Rentenalter mit einem Verhältnis von 2:1 an die steigende Lebenserwartung: Für jedes zusätzliche Jahr an Lebenserwartung würden Deutsche acht Monate länger arbeiten und vier zusätzliche Monate Rente erhalten. Basierend auf aktuellen Prognosen würde dies das reguläre Rentenalter bis 2041 auf 67,5 Jahre anheben, 2071 die 69 erreichen und erst um 2091 die 70 überschreiten. Die Kommission lehnt die Vorstellung einer bevorstehenden „Rente mit 70“ ausdrücklich ab und bezeichnet ihr Modell als schrittweise Anpassung.

Prognostizierte Meilensteine des Rentenalters
  1. Rentenalter erreicht 67,5
  2. Rentenalter erreicht 69
  3. Rentenalter erreicht 70

Eine obligatorische kapitalgedeckte zweite Säule

Neben dem bestehenden Umlageverfahren empfiehlt die Kommission eine obligatorische kapitalgedeckte Komponente nach dem Vorbild der schwedischen Prämienrente. Jeweils 0,5 Prozent des Bruttoeinkommens von Arbeitnehmern und Arbeitgebern würden anfangs in individuell geführte Konten fließen, nach einer vierjährigen Einführungsphase auf insgesamt 2 Prozent ansteigen. Ein Staatsfonds würde die Vermögenswerte verwalten, die jährlichen Zuflüsse werden auf 30 bis 35 Milliarden Euro geschätzt. Die Kommission erwartet, dass diese Säule das kombinierte Rentenniveau bis 2050 auf 50 Prozent des Durchschnittsverdienstes anhebt, gegenüber den derzeit garantierten 48 Prozent.

Zeitplan der Kommission
  1. Kommission beginnt Arbeit an der Rentenreform
  2. Bericht fertiggestellt und an Medien durchgesickert
  3. Offizielle Übergabe an Kanzler Merz und Arbeitsminister Bas

Abschaffung der „Rente mit 63“ und Reaktivierung des Nachhaltigkeitsfaktors

Das Paket schafft die Möglichkeit ab, mit 63 Jahren ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren in Rente zu gehen, mit der Begründung, dass das Modell teuer sei und dem Arbeitsmarkt Fachkräfte entziehe. Es führt außerdem den Nachhaltigkeitsfaktor ab 2032 wieder ein und koppelt die jährlichen Rentenanpassungen enger an das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern. Dies dämpft zwar den Anstieg der Beitragssätze für Arbeitnehmer, bedeutet aber, dass Rentner geringere jährliche Anpassungen sehen werden.

Verbreiterung der Beitragsbasis

Zur Finanzierung will die Kommission den Kreis der Beitragszahler erweitern. Selbstständige, Bundes- und Landtagsabgeordnete sowie Vorstandsvorsitzende von Aktiengesellschaften sollen verpflichtet werden, in das gesetzliche System einzuzahlen. Beamte würden über einen längeren Übergangszeitraum integriert, ihre Pensionen aber enger an längere Erwerbsbiografien angeglichen. Minijobs sollen auf Schüler mit einem Verdienst von bis zu 603 Euro pro Monat beschränkt werden; alle anderen Beschäftigungsverhältnisse würden Rentenbeiträge erfordern.

Die Kommission versteht ihre Vorschläge ausdrücklich nicht als loses Buffet an Ideen, aus dem die Regierung nach Belieben auswählen kann, sondern als kohärentes Reformpaket.

ZDFheute

Politischer Fahrplan

Die Empfehlungen der Kommission stoßen bei den Mitgliedern von CDU/CSU und SPD, den Koalitionspartnern, auf breite Zustimmung. Kanzler Merz soll den Bericht am Dienstag erhalten, und die Regierung strebt an, das Reformgesetz noch vor der Sommerpause zu verabschieden. Das Paket soll das Rentensystem für Jahrzehnte stabilisieren, doch das allmähliche Tempo bedeutet, dass die heutigen Schulkinder die erste Generation sein werden, die bis 70 arbeitet.

Berlin

7 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Politik & Wirtschaft