
Deutsche Unternehmensinsolvenzen erreichen mit 12.812 Fällen im ersten Halbjahr 2026 den höchsten Stand seit 13 Jahren
Deutsche Amtsgerichte registrierten im ersten Halbjahr 2026 12,812 Unternehmensinsolvenzen, ein Anstieg von 6.7 % gegenüber dem Vorjahr, während die Zahl der Neugründungen neue Höchstwerte erreichte.
Steigende Unternehmensanträge in wichtigen Branchen
Deutsche Amtsgerichte registrierten 12,812 Anträge auf Unternehmensinsolvenz in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026, ein Anstieg von 6.7 % gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025, laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis). Die Halbjahreszahl stellt den höchsten Stand seit dem ersten Halbjahr 2013 dar, als die Gerichte 13,253 Unternehmensinsolvenzen verzeichneten. Allein im Juni 2026 stiegen die Insolvenzanträge im Jahresvergleich um 15.8 % auf 2,266 Fälle, die höchste monatliche Zahl seit 2014.
Die Insolvenzrate in der deutschen Wirtschaft erreichte 36.2 Fälle pro 10,000 Unternehmen. Der Transport- und Logistiksektor wies mit 71.6 Fällen pro 10,000 Unternehmen die höchste Insolvenzkonzentration auf, gefolgt vom Gastgewerbe mit 59.6 Fällen und der Bauindustrie mit 53.4 Fällen pro 10,000 Unternehmen.
- Transport und Lagerhaltung
- 71.6 Fälle
- Gastgewerbe
- 59.6 Fälle
- Baugewerbe
- 53.4 Fälle
- Alle Branchen im Durchschnitt
- 36.2 Fälle
Gläubigerforderungen und Verbraucherinsolvenzen
Trotz der höheren Zahl an Unternehmenspleiten ging die finanzielle Belastung im Berichtszeitraum zurück. Die von den Gläubigern in Unternehmensinsolvenzverfahren gemeldeten Gesamtforderungen sanken im ersten Halbjahr 2026 auf rund 18.5 Milliarden Euro, gegenüber 28.2 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2025. Destatis führte diesen Rückgang auf weniger Insolvenzen großer Unternehmen zurück.
- H1 2025
- 28.2 Mrd. €
- H1 2026
- 18.5 Mrd. €
Verbraucherinsolvenzen stiegen in Deutschland in den ersten sechs Monaten 2026 ebenfalls um 2.4% im Jahresvergleich auf 38,932 Fälle. Im Juni 2026 stiegen die Verbraucherinsolvenzen um 5.1% gegenüber dem Vorjahr auf 6,839 Verfahren.
Brancheneinschätzung und struktureller Wandel
Wirtschaftsverbände nannten steigende Betriebskosten, schwache Nachfrage und regulatorische Belastungen als Haupttreiber des Anstiegs. Marc Evers, Experte für kleine und mittlere Unternehmen bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), forderte rasche politische Maßnahmen.
Die anhaltend schwache Binnenwirtschaft, hohe und weiter steigende Energie- und Arbeitskosten sowie übermäßige Bürokratie nehmen vielen Unternehmen die Luft zum Atmen.
Insolvenzexperten boten eine andere Perspektive auf die Zahlen und merkten an, dass das derzeitige Volumen unter früheren Höchstständen wie 2004 (39,213 Insolvenzen) und 2009 (32,687 Fälle) bleibe. Jutta Rüdlin, Vorstandsmitglied des Verbands der Insolvenzverwalter (VID), lehnte eine Charakterisierung des Trends als Zusammenbruch ab.
Die Zahlen steigen, aber sie steigen von einem historisch niedrigen Niveau aus. Was wir sehen, ist weniger eine Welle als ein anhaltender Strukturwandel, der verschiedene Branchen sehr unterschiedlich betrifft.
Daten des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zeigten 1,525 Insolvenzen von Kapitalgesellschaften und Personengesellschaften im August 2026, ein Rückgang um 10% gegenüber Juli, aber 9% mehr als im August 2025. Bei den 10% größten insolventen Unternehmen im August waren mehr als 16,000 Beschäftigte betroffen, ein Anstieg von 21% gegenüber Juli.
Divergenz bei Unternehmensgründungen und Wachstum
Neben den steigenden Insolvenzen weitete sich die Gründungsaktivität im ersten Halbjahr aus. Der Bundesverband Deutsche Startups registrierte zwischen Januar und Juni 2026 3,053 neugegründete Startups, ein Anstieg von 52% gegenüber dem vorangegangenen Halbjahr. Die vom Institut für Mittelstandsforschung (IfM) zusammengestellten allgemeinen Gewerbeanmeldungen erreichten rund 143,000 neue gewerbliche Gründungen, verglichen mit 127,000 Schließungen.
Der Anstieg der Insolvenzen fiel mit einer Aufwärtskorrektur der deutschen Wirtschaftsprognosen zusammen. Die Wirtschaftsforschungsinstitute hoben ihre Prognosen für das Bruttoinlandsproduktwachstum im Gesamtjahr 2026 auf 1.2% bis 1.4% an, verglichen mit der Prognose der Bundesregierung von 0.5%.


