Deutsche Gemeinden veranstalten bundesweiten Aktionstag gegen chronische Unterfinanzierung
Städte und Gemeinden in ganz Deutschland veranstalten heute einen koordinierten Aktionstag und warnen, dass steigende Sozialausgaben und stagnierende Bundeszuweisungen viele an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht haben.
Bundesweiter Protest
Die deutschen Gemeinden veranstalten einen koordinierten Aktionstag unter dem Motto „Kommunen am Limit“ und fordern von Bund und Ländern eine ausreichende Finanzierung. Die Initiative, organisiert vom Bündnis „Für die Würde unserer Städte“, zielt darauf ab, die nach Ansicht der Organisatoren dramatische finanzielle Situation hervorzuheben, die die Handlungsfähigkeit der Kommunen bedroht.
Pirmasens als Fallbeispiel
Die Stadt Pirmasens in Rheinland-Pfalz, eine der am höchsten verschuldeten Gemeinden Deutschlands, beteiligt sich am Aktionstag. Ihr aktueller Haushalt weist Einnahmen in Höhe von 205,2 Mio. € bei Ausgaben von 225,2 Mio. € aus, was einem Defizit von knapp 20 Mio. € entspricht. Um ihre Verpflichtungen zu erfüllen, muss die Stadt in diesem Jahr zusätzlich 18 Mio. € an Kassenkrediten aufnehmen.
- Altschulden
- 60 Mio. €
- Investitionskredite
- 76 Mio. €
- Kassenkredite (gesamt)
- 87.5 Mio. €
Ursachen der Krise
Die Stadtsprecherin teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, dass die Kassenkreditverschuldung ein Niveau erreicht habe, das die kommunale Handlungsfähigkeit gefährde. Die Hauptursache sei die Übertragung zusätzlicher sozialer Aufgaben von Bund und Ländern ohne ausreichende finanzielle Mittel. Beispiele sind der Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige, schulische Inklusionsprogramme und die Lernmittelfreiheit. Pirmasens leidet zudem weiterhin unter dem Strukturwandel: der Niedergang der Schuhindustrie und der Abzug der US-Streitkräfte nach dem Kalten Krieg haben eine hohe soziale Belastung hinterlassen.
Jeder Euro, der für Defizite, Altschulden und steigende Pflichtausgaben ausgegeben werden muss, fehlt für Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Stadtentwicklung.
Rechtliche und politische Reaktion
Pirmasens ist seit 2009 im Bündnis „Für die Würde unserer Städte“ aktiv. Derzeit verklagt die Stadt das Land Rheinland-Pfalz vor dem Verwaltungsgericht Neustadt an der Weinstraße wegen der Schlüsselzuweisungen für 2024 und 2025. 2019 reichten die Stadt und der Landkreis Kaiserslautern gemeinsam eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein.
- Beitritt zum Bündnis 'Für die Würde unserer Städte'
- Einreichung einer Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht
- Klage gegen das Land wegen der Schlüsselzuweisungen für 2024 und 2025
- Teilnahme am bundesweiten Aktionstag
Erschöpfte Optionen
Nach Angaben der Verwaltung sind die Einsparmöglichkeiten weitgehend ausgeschöpft. Die Stadt hat bereits Steuern erhöht, Personal- und Sachkosten gesenkt sowie energetische Sanierungen durchgeführt, um die laufenden Ausgaben zu reduzieren. Trotz dieser Maßnahmen, so die Sprecherin, sei eine eigenständige Haushaltskonsolidierung nicht möglich. Infolgedessen müssten Investitionsprojekte priorisiert und häufig verschoben werden.
Eine eigenständige Haushaltskonsolidierung ist für die Stadt Pirmasens nicht möglich.


