
Wie Firmen in Sachsen-Anhalt US-Zölle umschiffen: Spezialisierung, Schweizer Konkurrenz und das Abwälzen der Kosten auf Amerikaner
Während die deutschen Exporte in die USA im Jahr 2025 landesweit einbrachen, haben Unternehmen in Sachsen-Anhalt ihr Amerikageschäft stabil halten können – einige bauen es sogar aus. Der Grund: Sie verkaufen spezialisierte Güter, die Kunden nicht einfach ersetzen können.
Die Zolllandschaft
Trotz anhaltend hoher US-Zölle ist es einer Reihe von Unternehmen im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt gelungen, ihr Amerikageschäft stabil zu halten. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sagt, dass Firmen mit hochspezialisierten Produkten am meisten profitieren, weil ihre Waren für US-Käufer schwer zu substituieren sind. Deutschlandweit brachen die Exporte in die USA im Jahr 2025 ein, doch Sachsen-Anhalt ist diesem Trend bislang entgangen.
Bundesweit sind die Exporte in die USA im Jahr 2025 drastisch eingebrochen. Erfreulicherweise ist diese Entwicklung in Sachsen-Anhalt nicht eingetreten.
Wer floriert und warum
Mehrere ortsansässige Unternehmen veranschaulichen das Muster. Die Schraubenwerk Zerbst, ein Spezialist für Schrauben, erwirtschaftet rund acht Prozent seines Umsatzes in den USA. Geschäftsführer Eckhard Schmidt sagt, das Amerikageschäft sei trotz höherer Zölle konstant geblieben, vor allem weil die Mehrkosten an die Kunden weitergegeben würden. Der DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier merkt an, dass Abnehmer, die auf spezialisierte Maschinen, Komponenten oder Hightech-„Made in Germany” angewiesen sind, nicht einfach den Lieferanten wechseln können.
Wer auf Spezialmaschinen, Vorprodukte oder Hightech ‚Made in Germany‘ angewiesen ist, kann nicht einfach wechseln.
Der Süßwarenhersteller Halloren hat seine US-Verkäufe sogar ausbauen können. Nach Angaben der IHK profitiert das Unternehmen davon, dass seine Schweizer Konkurrenten mitunter noch höheren Zöllen ausgesetzt sind. Die Kammer nenzt auch die Merz Pharma in Dessau und Bayer in Bitterfeld als Beispiele für Firmen mit stabilem Amerikageschäft.
Branchen unter Druck
Nicht jede Branche kommt gleich gut zurecht. Birgit Stodtko, Internationale Geschäftsführerin der IHK Halle-Dessau, warnt, dass Chemie- und Pharmaerzeugnisse, Maschinenbau und Metallwaren besonders exponiert seien. Auch Automobilzulieferer blieben wegen der Drohung weiterer US-Zölle angespannt. Die Unberechenbarkeit der amerikanischen Handelspolitik erzeuge erhebliche Verunsicherung bei exportorientierten Unternehmen in der Region.
Die unberechenbare Zollpolitik der USA sorgt bei unseren US-aktiven Unternehmen für erhebliche Verunsicherung.
Wer zahlt wirklich
Ein wachsender Anteil der Zollbelastung wird über den Atlantik verschoben. Volker Treier berichtet, dass fast drei Viertel der betroffenen Firmen angäben, die Zusatzkosten ganz oder teilweise an ihre amerikanischen Kunden weiterzugeben. Das bedeutet, dass US-Importeure und -Verbraucher letztlich die Kosten der Zollpolitik tragen. Langjährige Geschäftsbeziehungen und tief verwurzelte Lieferketten – insbesondere im Maschinenbau, in der Automobilzulieferung, der Chemie und der Pharmazie – halten die Exporte derzeit noch aufrecht.
Der Turnberry-Deal und die Aussichten
Die diplomatischen Bemühungen zur Eindämmung des Handelskonflikts kommen voran. Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten hatten sich bereits im vergangenen Jahr grundsätzlich auf eine Obergrenze von 15 Prozent für die meisten EU-Exporte in die USA geeinigt. Vertreter der EU-Kommission, des Europäischen Parlaments und der Mitgliedstaaten haben nun eine Einigung darüber erzielt, wie die Verpflichtungen aus dem sogenannten Turnberry-Abkommen umgesetzt werden sollen. Dennoch warnen Wirtschaftsverbände, dass dauerhaft hohe oder steigende Zölle die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte zunehmend untergraben könnten. Treier bezeichnet die US-Hochzollpolitik als bereits „großen Schaden” im deutschen Außenhandel.

