Deutsche Umfrage: 55 % der Jugendlichen befürworten Altersgrenzen und Verbote in sozialen Medien
Eine Umfrage unter 1.400 deutschen Jugendlichen zeigt eine Mehrheit für Mindestaltersbeschränkungen in sozialen Medien, während hohe tägliche Nutzung mit erhöhter psychischer Belastung einhergeht.
Umfrageergebnisse zu Altersbeschränkungen und Plattformnutzung
Eine repräsentative Umfrage unter 1.400 Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren in Deutschland zeigt, dass 47 % eine Altersgrenze für den Zugang zu sozialen Medien befürworten, wobei ein durchschnittliches Mindestalter von 14 Jahren vorgeschlagen wird. Weitere 8 % unterstützen ein vollständiges Verbot sozialer Medien für Kinder und Jugendliche, während 39 % Beschränkungen ablehnen. Die Studie wurde im April und Mai online vom Marktforschungsinstitut Eye Square im Auftrag der Techniker Krankenkasse durchgeführt. Trotz der Befürwortung regulatorischer Grenzen geben 80 % der Befragten an, dass soziale Medien einen positiven Einfluss auf ihr Wohlbefinden haben, verglichen mit 15 %, die dies verneinen. Zu den Gründen für die Anmeldung zählen 77 %, die Spaß haben, 75 %, die Netzwerke nutzen, um Zeit zu vertreiben, und 64 %, die sie nutzen, um den Kontakt zu Freunden aufrechtzuerhalten.
- YouTube
- 71 %
- TikTok
- 58 %
- 57 %
- Snapchat
- 50 %
- Roblox
- 22 %
Gesundheitsbeschwerden im Zusammenhang mit starker Nutzung
Die tägliche Bildschirmzeit variiert stark in der demografischen Gruppe. Während 11 % der Befragten angeben, soziale Netzwerke weniger als eine Stunde pro Tag zu nutzen, verbringen 27 % zwischen einer und zwei Stunden, 26 % zwei bis drei Stunden, 19 % drei bis vier Stunden und 17 % vier Stunden oder mehr. Der Bericht der Techniker Krankenkasse mit dem Titel „Jugend zwischen Like und Limit“ identifiziert einen direkten Zusammenhang zwischen hohem täglichen Konsum und erhöhten psychischen und physischen Symptomen. Bei Jugendlichen, die vier Stunden oder mehr täglich aktiv sind, leiden 49 % unter häufiger schlechter Laune, verglichen mit 20 % bei denen, die die Plattformen ein bis zwei Stunden nutzen. Intensive Nutzer berichten auch über höhere Raten von Selbstzweifeln (41 % gegenüber 22 %), persönlicher Unzufriedenheit (40 % gegenüber 22 %), Erschöpfung (39 % gegenüber 22 %) und innerer Unruhe (39 % gegenüber 17 %). Körperliche Beschwerden wie Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Rückenschmerzen und Augenreizungen treten in der Gruppe der starken Nutzer häufiger auf.
Der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, äußerte sich zu den Ergebnissen wie folgt:
Soziale Medien können für Jugendliche zu einem ernsthaften Gesundheitsrisiko werden.
- Weniger als 1 Stunde
- 11 %
- 1 bis 2 Stunden
- 27 %
- 2 bis 3 Stunden
- 26 %
- 3 bis 4 Stunden
- 19 %
- 4 Stunden oder mehr
- 17 %
Plattform-Ärgernisse und Selbstregulierungsstrategien
Jugendliche stoßen beim täglichen Scrollen auch auf routinemäßige Störungen und Reibungen. Auf die Frage nach Plattform-Ärgernissen nannten 57 % übermäßige Werbung, während 52 % falsche oder irreführende Informationen und Bilder anführten. Weitere 36 % fühlen sich durch die Gesamtzeit, die sie mit Apps verbringen, gestresst, 35 % berichten von Konfrontation mit Mobbing und Beleidigungen, und 31 % nennen unerwünschtes Bildmaterial. Um diesen Belastungen entgegenzuwirken, ergreifen viele Jugendliche persönliche digitale Managementstrategien. Etwa 37 % entfolgen oder blockieren bestimmte Benutzerkonten, 28 % deaktivieren App-Benachrichtigungen, 26 % planen feste handyfreie Stunden ein und 25 % entfernen ihre Geräte regelmäßig aus der Reichweite.
Die Gesundheitsmanagerin der Techniker Krankenkasse, Ute Erdenberger, erläuterte die Bedeutung dieser selbst auferlegten Gewohnheiten:
Ein bewusster und reflektierter Umgang mit sozialen Medien ist das Kernelement von Medienkompetenz.
Forderungen nach Plattformverantwortung und Bildung
YouTube bleibt mit 71 % das am häufigsten genutzte Netzwerk, gefolgt von TikTok mit 58 %, Instagram mit 57 %, Snapchat mit 50 % und Roblox mit 22 %. Neben persönlichen Grenzsetzungen wünschen sich 70 % der befragten Jugendlichen, dass soziale Medienplattformen aktiv unangemessene Inhalte stoppen, darunter gewalttätige Beiträge, persönliche Beleidigungen und Hasskommentare. Die Befragten äußern auch den Wunsch nach strukturierter Anleitung durch Eltern und Schulen, um digitale Risiken zu bewältigen. Jens Baas sprach sich angesichts der Daten gegen vereinfachende politische Eingriffe aus:
Ein pauschales Verbot sozialer Medien zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Risiken im Netz greift aus unserer Sicht zu kurz.
Baas betonte, dass soziale Netzwerke stattdessen jugendorientierte Versionen ohne Werbung und süchtig machende algorithmische Mechanismen anbieten sollten.


