
Deutsche Getreideernte sinkt um 7 % auf 41,9 Millionen Tonnen nach Sommerdürre
Der Deutsche Bauernverband prognostiziert für 2026 eine Getreideernte von 41,9 Millionen Tonnen, ein Rückgang um 7 % gegenüber 2025, da Frühjahrsdürre und frühsommerliche Hitze die Hauptkulturen im ganzen Land geschädigt haben.
Erntemengen und regionale Unterschiede
Die deutsche Getreideernte 2026 wird auf 41,9 Millionen Tonnen sinken, was einem Rückgang von 7 % gegenüber den im Jahr 2025 geernteten 45,2 Millionen Tonnen entspricht, so der Deutsche Bauernverband (DBV). Die Prognose liegt 1 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt von 42,5 Millionen Tonnen, bleibt aber über den 37,9 Millionen Tonnen der Dürre 2018 und den 39 Millionen Tonnen von 2024. Der Deutsche Wetterdienst meldete seit März unterdurchschnittliche Niederschläge im ganzen Land, begleitet von hohen Durchschnittstemperaturen im Juni und Juli. Der Deutsche Raiffeisenverband schätzte die Gesamtproduktion sogar auf 40,6 Millionen Tonnen, obwohl der nationale Jahresverbrauch von rund 40 Millionen Tonnen die inländische Getreideversorgung sichert. Die Erträge fielen auf durchschnittlich 6,9 Tonnen pro Hektar über alle Getreidearten, ein Rückgang von 9 % gegenüber 2025. Die Ertragsergebnisse variierten stark je nach Region, wobei Winterweizen in Bayern zwischen 2 und 10 Tonnen pro Hektar lag.
Vor allem in Süd- und Westdeutschland führte fehlender Niederschlag zu schwachen Erträgen und sogar Ernteausfällen bei einzelnen Kulturen.
- 2018
- 37.9 Mio. Tonnen
- 2024
- 39 Mio. Tonnen
- 2025
- 45.2 Mio. Tonnen
- 2026
- 41.9 Mio. Tonnen
Kulturen im Überblick: von Getreide bis Obst
Anhaltende Trockenheit im Frühjahr, gefolgt von einer Hitzewelle Ende Juni, schädigte die Hauptkulturen während der kritischen Kornfüllungsphase. Die Winterweizenernte fiel um 7 % auf 20,7 Millionen Tonnen, während Winterraps aufgrund trockener Böden und Schädlingsbefall auf 3,3 Millionen Tonnen sank. Wintergerste blieb mit 9,5 Millionen Tonnen stabil auf dem Niveau von 2025, da die Kultur vor Beginn der Hitzewelle die Reife erreichte. Auch Spezialkulturen litten unter Wasserstress: Kartoffeln stellten bei Temperaturen über 28 Grad Celsius das Wachstum ein, und norddeutsche Betriebe in Schleswig-Holstein verzeichneten einen Anstieg des Bewässerungsbedarfs um 30 %. Laut Statistischem Bundesamt werden die nationalen Apfelerträge im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich um 18 % auf 934.000 Tonnen sinken, während die Pflaumenerträge mit 49.300 Tonnen voraussichtlich um 11,5 % über dem Zehnjahresdurchschnitt liegen.
- Winterweizen
- 20.7 Mio. Tonnen
- Wintergerste
- 9.5 Mio. Tonnen
- Winterraps
- 3.3 Mio. Tonnen
Futtermitteldefizite und Bestandsreduzierungen
Ausgedörrte Grünlandflächen führten zu schweren Futterengpässen in der Tierhaltung, da hohe Temperaturen das Nachwachsen des Grases nach frühen Schnitten verhinderten. Eine Umfrage des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) ergab, dass fast 80 % der Betriebe in Bayern ihre Weiden als schlecht oder unzureichend bewerteten. Rund 40 % der befragten bayerischen Landwirte, darunter mehr als die Hälfte in der Oberpfalz, gaben an, sofort Zukauffutter kaufen zu müssen. In Schleswig-Holstein meldete der Milchviehhalter Hauke Kaack Totalausfälle bei zwei von vier Grasschnitten sowie verkümmerten Futtermais. Diese Futterdefizite haben Viehhalter in ganz Süddeutschland dazu veranlasst, ihre Herdenplanung bis Mitte 2027 anzupassen, was zu höheren Kuhschlachtungen führte und die Großhandelspreise für Rindfleisch drückte.
Unsere Betriebe brauchen derzeit Saatgut und Diesel, später Dünger und Pflanzenschutzmittel.
Wirtschaftlicher Druck und politische Reaktion
Die DBV-Führung forderte am Dienstag ein sofortiges finanzielles Hilfspaket von der Bundesregierung, um die Liquidität der Betriebe zu stabilisieren. Das geforderte Paket umfasst die Aufstockung der EU-Düngemittelhilfe von 60 Millionen Euro auf 180 Millionen Euro, die Vorverlegung von 80 % der EU-Direktzahlungen an die Landwirtschaft auf Oktober und die Senkung der Dieselsteuer. Höhere inländische Arbeits- und Produktionskosten haben auch den Kostenwettbewerb mit ausländischen Produkten verschärft: Deutsche Süßkirschen kosten knapp 4 Euro pro Kilogramm, verglichen mit 3,30 Euro für Importe aus der Türkei. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer erklärte, dass die Bundesländer für die Extremwetterhilfe weiterhin primär zuständig seien, und verwies auf Steueranpassungen, die bereits zu Beginn des Jahres vorgenommen wurden.
Ich erwarte nicht, dass die Preise sofort steigen, denn die Lebensmittelpreise hängen auch von vielen anderen Faktoren ab, der Lieferkette, dem Transport und der Produktion.


