Deutsche Gasspeicher liegen bei 50 %, während die europäischen Preise 64,60 Euro pro MWh erreichen
Die deutschen Gasspeicher erreichten am 17. August 2026 einen Füllstand von 50,06 %, 50 Tage später als 2025, während Störungen der Schifffahrt in der Straße von Hormus den europäischen Referenzpreis auf 64,60 Euro pro MWh trieben.
Speicherziele bleiben hinter dem Zeitplan zurück
Die deutschen Erdgasspeicher erreichten am 17. August 2026 einen Füllstand von 50,06 % und blieben damit hinter dem Vorjahreswert von fast 67 % zurück, der von Gas Infrastructure Europe erfasst wurde. In der gesamten Europäischen Union lagen die Speicherstände am 17. August 2026 bei 61,37 %, verglichen mit fast 74 % ein Jahr zuvor. Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, stellte fest, dass die deutschen Speicher die 50-%-Marke 50 Tage später erreichten als 2025. Die im Frühjahr 2022 erlassenen deutschen Vorschriften verlangen, dass die Anlagen bis zum 1. November einen Füllstand von 80 % erreichen, vorbehaltlich bestimmter Ausnahmen. Der Netzverband FNB Gas erklärte, dass das Erreichen des 1.-November-Ziels selbst bei einer Rekordinjektionsrate von 1,2 TWh pro Tag praktisch unerreichbar sei. Rund 74 % der deutschen Speicherkapazität sind derzeit gebucht, die kommerzielle Gaseinspeicherung bleibt jedoch verhalten.
- Deutschland (2026-08-17)
- 50.06 %
- Europäische Union (2026-08-17)
- 61.37 %
Preisspitzen durch Hormus-Störungen
Die langsame Wiederauffüllung der Speicher spiegelt die hohen Energiepreise wider, die mit dem Konflikt im Iran zusammenhängen, der Ende Februar 2026 begann. Blockaden in der Straße von Hormus haben die weltweiten Lieferungen von Flüssigerdgas und den Seeverkehr beeinträchtigt. Die europäischen Erdgaspreise stiegen innerhalb von zwei Wochen um über 20 % und erreichten am 19. August 2026 am Title Transfer Facility in Amsterdam 64,60 Euro pro Megawattstunde, den höchsten Stand seit Mitte März. Vor dem Konflikt lagen die Preise bei rund 30 Euro und erreichten im März etwa 70 Euro. Der Iran macht die Wiedereröffnung der Straße von Hormus von der Umsetzung eines Mitte Juni mit den Vereinigten Staaten unterzeichneten Rahmenabkommens abhängig. Regionale Sicherheitsbedenken bestehen weiterhin: Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Arabischen Emirate meldete den Abfang zweier aus dem Iran abgefeuerter ballistischer Raketen, ein Vorfall, den die iranischen Behörden bestritten.
- Konflikt beginnt im Iran, stört Schifffahrt durch die Straße von Hormus.
- Europäischer TTF-Erdgaspreis erreicht einen Höchststand von fast 70 Euro pro MWh.
- Die Vereinigten Staaten und der Iran unterzeichnen ein Rahmenabkommen.
- GIE verzeichnet deutsche Speicherstände von 50,06 % und EU-Speicherstände von 61,37 %.
- TTF-Monatskontrakt steigt auf 64,60 Euro pro MWh, während deutsche Behörden auf Händler Druck ausüben.
Appelle der Regierung und Marktdebatte
Mit Blick auf den Winter riefen Verbraucherschützer und Regulierungsbehörden die gewerblichen Händler auf, die Gaseinspeicherung trotz hoher sommerlicher Spotpreise zu beschleunigen. Ramona Pop, Leiterin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), warnte vor höheren Haushaltskosten, wenn die Vorräte niedrig bleiben.
Niedrige Speicherstände würden die ohnehin angespannte Lage auf den Energiemärkten in der kommenden Heizsaison weiter verschärfen. Für Privathaushalte kann dies höhere Energiepreise bedeuten.
Klaus Müller forderte die Marktteilnehmer ebenfalls auf, ihren Verpflichtungen gegenüber den Verbrauchern nachzukommen, anstatt Käufe in der Hoffnung auf staatliche Eingriffe hinauszuzögern.
Es ist ausreichend Gas verfügbar. Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Gashändler seinen Kunden erklären möchte, dass es im Winter nicht genug Gas gibt, weil er nicht ausreichend vorgesorgt hat.
Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger forderte die Bundesbehörden auf, Markteingriffe vorzubereiten, falls die private Wiederauffüllung zu langsam bleibe, und argumentierte, der Staat dürfe nicht tatenlos zusehen, bis der Winter kommt, um mögliche Versorgungsdefizite anzugehen.
Wir dürfen nicht mit offenen Augen in eine Gasversorgungslücke laufen. Die Gaseinspeicherung muss jetzt deutlich an Fahrt gewinnen.
Lieferdiversifizierung und Reservepläne
Das Bundesministerium für Wirtschaft, geleitet von Ministerin Katherina Reiche, erklärte, dass die Bundesregierung kein Gas direkt kaufe oder kommerzielle Lieferverträge abschließe. Ein Ministeriumssprecher betonte, dass sich die deutsche Energieposition von der Energiekrise 2022 nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine unterscheide, als Russland der Hauptlieferant war. Deutschland bezieht heute knapp die Hälfte seines Erdgases aus Norwegen, zusätzliche Pipelineflüsse kommen aus Frankreich und Belgien. Das Land importiert darüber hinaus Flüssigerdgas über eigene Terminals und greift dabei stark auf Lieferungen aus den Vereinigten Staaten zurück. Während das Ministerium betont, dass die Versorgungssicherheit im Winter oberste Priorität habe, arbeiten die Beamten an einer strategischen Gasreserve, die Finanzierungsmechanismen sind jedoch noch ungeklärt.


