Deutsche Haushaltsgaspreise drohen um 20 % zu steigen – Iran-Konflikt treibt Großhandel an
Das deutsche Energievergleichsportal Verivox warnte, dass die Gastarife für Haushalte bis Jahresende um bis zu 20 % steigen könnten, nachdem militärische Schläge zwischen den USA und dem Iran die europäischen Großhandelspreise auf Mehrjahreshochs getrieben haben.
Warnungen vor Haushaltspreisen
Das deutsche Energievergleichsportal Verivox warnte, dass private Haushalte vor der Heizsaison mit erheblichen Steigerungen der Erdgaskosten rechnen müssen. Die Tarife für Neukunden sind seit Februar 2026 bereits um mehr als ein Drittel gestiegen und folgen damit eng den Großhandelsentwicklungen. Bestandskundenverträge reagieren langsamer auf Großhandelstrends, aber Verivox prognostiziert bei aktuellen Marktniveaus Tariferhöhungen zwischen 10 % und 20 % bis zum Jahreswechsel. Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox, skizzierte das Zusammentreffen von Faktoren, die die Heizkosten für Privathaushalte in die Höhe treiben.
Aufgrund der derzeit stark gestiegenen Großhandelspreise für Gas, des niedrigen Füllstands der Gasspeicher in Deutschland und des bevorstehenden Winters erwarten wir einen Anstieg der Gaspreise für Haushalte.
Malte Küper, Energieexperte am Institut der deutschen Wirtschaft, stellte fest, dass die nationale Industrie im Vergleich zu europäischen Nachbarn einem erhöhten Risiko ausgesetzt ist.
Deutschland ist besonders anfällig für Preisschocks, weil seine Wirtschaft stärker von Erdgas abhängt als die vieler anderer Länder.
Großhandelsmarkt-Anstieg und Speicherdefizite
Der europäische Erdgasgroßhandel stieg diese Woche auf den höchsten Stand seit über dreieinhalb Jahren, nachdem die USA und der Iran gegenseitige Militärschläge ausgeführt hatten. Am Mittwoch erreichte der niederländische TTF-Monatskontrakt in Amsterdam 79,11 Euro pro Megawattstunde, bevor er bei 78,64 Euro pro Megawattstunde schloss – ein Tagesplus von 1,22 %. Der Aufwärtsdruck auf die Preise resultiert aus Sorgen über Lieferunterbrechungen, der Rhetorik von US-Präsident Donald Trump und der Schließung der Straße von Hormus, die die weltweiten Flüssigerdgaslieferungen einschränkte. Die europäischen Gasspeicherstände bleiben niedrig, weil hohe Weltmarktpreise die Wiederauffüllung während des Sommers behinderten.
- TTF-Monatskontrakt in Amsterdam erreicht mit 79,11 Euro pro Megawattstunde einen Höchststand.
- Die Europäische Zentralbank erhöht den Einlagensatz auf 2,5 %.
- Verivox warnt, dass die Gastarife für Haushalte bis Jahresende um bis zu 20 % steigen könnten.
Die deutschen Speicheranlagen liegen bei knapp unter 55 % Kapazität, verglichen mit fast 74 % zum gleichen Datum im Jahr 2025. In der gesamten Europäischen Union liegt der durchschnittliche Speicherfüllstand bei etwa 67 %, gegenüber über 79 % vor zwölf Monaten. Daten von Gas Infrastructure Europe zeigen, dass der gesamteuropäische Speicherstand von etwa 65 % den niedrigsten saisonalen Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011 darstellt. Während deutsche Speicherbetreiber warnten, dass anhaltende Frosttemperaturen die Heizungsversorgung gefährden könnten, erklärte das Bundesministerium für Wirtschaft, dass keine unmittelbare Gefahr einer physischen Knappheit bestehe.
Inflationsdruck und Zinsreaktion
Die steigenden Energiekosten trieben die deutsche Gesamtinflation im August 2026 auf 2,9 %, wobei Wirtschaftsforschungsinstitute für 2027 einen Wert von 3,0 % prognostizieren. Im weiteren Euroraum erreichte die Verbraucherpreisinflation im August 2026 3,3 % und blieb damit deutlich über dem von den Währungsbehörden festgelegten mittelfristigen Ziel von 2,0 %. Als Reaktion darauf erhöhte die Europäische Zentralbank am Donnerstag ihren Leitzins (Einlagensatz) auf 2,5 %. EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärte, dass der Preisdruck bis zum Jahresende anhalten werde, bevor er nachlasse.
Nach unseren aktuellen Prognosen steigt die Inflation bis Ende '26 weiter an. Es wird also schlimmer, bevor es besser wird, aber es wird besser.
- Inflation im Euroraum (August 2026)
- 3.3 %
- Inflation in Deutschland (August 2026)
- 2.9 %
- EZB-Einlagensatz
- 2.5 %
- EZB-Inflationsziel
- 2 %
