
Deutsche Autobauer erleiden Umsatzrückgang auf 284 Milliarden Euro – globale Rivalen legen zu
Eine EY-Studie zeigt, dass der Umsatz von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW im ersten Halbjahr um 2,9 % auf 284 Milliarden Euro gesunken ist, während internationale Wettbewerber Umsatzzuwächse verzeichneten.
Umsatz- und Ergebnisrückgang
Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW erzielten im ersten Halbjahr einen gemeinsamen Umsatz von rund 284 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 2,9 % gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025 entspricht. Obwohl ihr Gesamtumsatz mit 1,5 Milliarden Euro Vorsprung vor den japanischen Herstellern auf Platz zwei liegt, ist das Ergebnis 7 % niedriger als im Spitzenjahr 2023. Für die drei deutschen Autobauer ist es der dritte Rückgang des Halbjahresumsatzes in Folge. Bei den 19 größten globalen Automobilherstellern, die von der Beratungsgesellschaft EY analysiert wurden, stiegen die Gesamterlöse um 3,6 % auf knapp 1.048 Milliarden Euro. Während 15 der 19 Unternehmen Umsatzsteigerungen verbuchten, belegten die drei deutschen Hersteller die Plätze 16, 17 und 19 im Wachstumsranking. Das schnellste Umsatzwachstum erzielte Tesla, gefolgt von Suzuki und Geely; Hersteller aus den USA, Japan, China und Südkorea erreichten jeweils Rekordumsätze im ersten Halbjahr.
Unterschiedliche Rentabilität weltweit
Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) des deutschen Trios fiel um 19,0 % auf 13,0 Milliarden Euro und markierte damit das zweitschwächste Halbjahresergebnis seit 2017, nur hinter der Pandemiezeit im Jahr 2020. Trotz dieses Rückgangs erzielten VW, Mercedes und BMW einen höheren absoluten Gewinn als die Wettbewerber aus anderen Ländern. In der gesamten Gruppe der 19 globalen Hersteller stieg der zusammengefasste EBIT um 11,4 % auf 43,7 Milliarden Euro – das siebthöchste Niveau im Untersuchungszeitraum, wobei niedrigere Werte in den ersten Halbjahren 2019, 2020 und 2025 verzeichnet wurden. Der Gesamtanstieg wurde dadurch verstärkt, dass mehrere Wettbewerbe im Vorjahr erhebliche Abschreibungen auf Elektrofahrzeugaktivitäten vorgenommen hatten. Die Gewinntrends unterschieden sich in den sechs Monaten je nach Region deutlich. Die operativen Ergebnisse japanischer Autobauer gingen um 36,5 % zurück, die der chinesischen Hersteller um 21,9 %, während die US-Hersteller Ford, General Motors und Tesla ihren gemeinsamen Betriebsgewinn um 32,9 % steigerten.
Die deutschen Hersteller verlieren nicht nur Marktanteile, sondern vor allem Ertragskraft.
- Vereinigte Staaten
- 32.9 %
- Deutschland
- -19 %
- China
- -21.9 %
- Japan
- -36.5 %
Einbruch der Verkäufe in China
Ein starker Absatzrückgang in China trug maßgeblich zur Talfahrt der deutschen Hersteller bei und verwandelte die Region von einem primären Gewinnbringer in eine Belastung. Die Verkäufe von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW in China gingen von Januar bis Juni im Vergleich zum Vorjahr um 25 % zurück. China machte im ersten Halbjahr 23,5 % der weltweiten Fahrzeugauslieferungen des Trios aus, gegenüber 28,9 % im Vorjahreszeitraum. Das schleppende Wirtschaftswachstum in China reduzierte die Nachfrage nach hochpreisigen Premiummodellen, während die einheimischen Kunden im wachsenden Segment der Elektrofahrzeuge zunehmend auf heimische Marken setzten. Der EY-Analyst Constantin Gall identifizierte China als das mit Abstand größte Geschäftsrisiko für die deutschen Autobauer und stellte fest, dass solide Verkaufszahlen in Europa Verluste dieser Größenordnung nicht ausgleichen können.
- H1 2025
- 28.9 %
- H1 2026
- 23.5 %
Strukturelle Kosten und Arbeitskonflikte
Der EY-Bericht identifizierte strukturelle Faktoren im Inland als größte Herausforderung für die deutschen Hersteller, darunter eine unzureichende Lohnkostenproduktivität, hohe Energiekosten und bürokratische Belastungen. Die heimischen Produktionsstätten, die historisch als Symbole für Qualität und Wettbewerbsvorteile galten, sind zunehmend zu einem Kostenfaktor geworden, der den schnellen Wandel der Unternehmen behindert. Gall beobachtete, dass die deutschen Autobauer ihre Investitionen aktiv auf wettbewerbsfähigere internationale Standorte verlagern, um die Rentabilität zu sichern.
Deutsche Konzerne leiden massiv unter strukturellen Kostennachteilen.
Diese Gegenwinde für die Unternehmen fallen mit Zehntausenden geplanten Arbeitsplatzstreichungen in der deutschen Automobilindustrie zusammen. Als Reaktion auf die zunehmenden Stellenverluste und Umstrukturierungspläne kündigte die Industriegewerkschaft IG Metall für Montag Kundgebungen an über 200 Standorten an.


