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Frankreich demonstriert nach Mord an der elfjährigen Lyhanna für ein „Integralgesetz“

Tausende versammelten sich am zweiten Montag in Folge vor Gerichtsgebäuden in ganz Frankreich, um nach der Tötung der elfjährigen Lyhanna ein umfassendes Gesetz gegen sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt zu fordern.

Landesweite Mobilisierung

Am Abend des 15. Juni 2026 versammelten sich Menschenmengen vor den Gerichtsgebäuden in Paris, Nantes, Saint-Nazaire, Brest, Le Mans und Agen. Es war die zweite wöchentliche Kundgebung, zu der feministische Gruppen und Kinderrechtsorganisationen nach dem Tod von Lyhanna aufgerufen hatten. In Paris versammelten sich mehr als tausend Menschen vor dem Justizministerium, während in Nantes und Saint-Nazaire zusammen etwa 600 Personen teilnahmen. Kleinere Kundgebungen wurden aus Brest (70 Personen), Le Mans (etwa 50) und Agen (etwas über 100) gemeldet. Die Organisatoren bezeichnen die Dynamik als einen Ausgangspunkt und nicht als einmaliges Ereignis und versprechen, jeden Montag wiederzukommen.

Wichtige Daten im Fall Lyhanna und der Protestbewegung
  1. Leiche der 11-jährigen Lyhanna in Fleurance (Gers) entdeckt
  2. Erste landesweite Kundgebungen fordern ein umfassendes Gewaltschutzgesetz
  3. Zweite wöchentliche Kundgebungen; Premierminister Lecornu soll das Ausmaß der Gewalt erkannt haben

Forderung nach einem umfassenden Gesetz

Die Kundgebungen sind vereint in der Forderung nach einem loi intégrale (umfassendes Gesetz) gegen sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt. Feministinnen und Kinderschutzgruppen argumentieren, dass punktuelle Reformen unzureichend seien. Nach den ersten Versammlungen am 8. Juni rief die Bewegung landesweit zu wöchentlichen Protesten vor Gerichten und vor dem Justizministerium in Paris auf.

Die Kundgebung am 8. Juni war kein Ende. Sie war ein Ausgangspunkt.

Laëtitia, Lori und Marion

Die Teilnehmerzahlen variierten je nach Stadt. Die höchsten gemeldeten Zahlen gab es in Paris (über tausend) und dem kombinierten Kontingent aus Nantes und Saint-Nazaire (etwa 600), während die Versammlungen in Brest, Le Mans und Agen jeweils zwischen 50 und etwas über 100 Menschen anzogen.

Teilnehmerzahlen bei den Kundgebungen am 15. Juni (gemeldete Zahlen) · Personen
Paris
1000 Personen
Nantes
400 Personen
Saint-Nazaire
200 Personen
Brest
70 Personen
Le Mans
50 Personen
Agen
100 Personen

Saint-Nazaire: Die Lücke in der Opferhilfe

In Saint-Nazaire nutzte die Organisatorin Perrine Sailly, Gründerin des Vereins Victimes mais pas démunies, die Kundgebung, um auf den Mangel an Opferhilfsdiensten vor Ort hinzuweisen. Die lokale Niederlassung der nationalen Opferhilfsorganisation France victime wurde Anfang 2026 in die gerichtliche Liquidation geschickt, was laut Sailly eine Lücke hinterlässt, die Betroffene bei der Anzeigenerstattung allein lässt.

Wir wollen nicht länger sehen, wie ein Opfer allein bei einer Polizeistation oder Gendarmerie eine Anzeige erstatten muss.

Sailly konfrontierte den ehemaligen Präsidenten der Anwaltskammer von Saint-Nazaire, Me Erwann Le Moigne, mit seinem früheren Versäumnis, auf ihren Hilferuf zu reagieren. Le Moigne erkannte das Problem an und erklärte, dass die Anwälte „zu diesem Thema mobilisiert“ seien und dass „wir den Tisch umwerfen und unsere Arbeitsweise überdenken müssen“. Sailly verweist Opfer nun an die neu geschaffene Plattform Classée sans suite und hat einen Workshop für soziales Design gestartet, um einen gerechten Weg für Opfer zu entwerfen.

Politische Reaktionen

Premierminister Sébastien Lecornu habe „das Ausmaß der Situation erkannt“, so Abgeordnete, die einen parteiübergreifenden umfassenden Gesetzentwurf unterstützen. Sie begrüßen sein Bewusstsein, warnen jedoch davor, dass sie keinen fragmentierten Text akzeptieren werden. Justizminister Gérald Darmanin bekräftigte in separaten Äußerungen, die parallel zu den Kundgebungen bekannt wurden, seine Unterstützung für die Richter, wies aber auch auf die „Verantwortung“ des Justizsystems hin.

In Brest fand der stille Protest unter starker Polizeipräsenz statt. Auf Transparenten mischten sich Slogans, die sich auf frühere Äußerungen von Brigitte Macron bezogen, mit Forderungen nach dem Schutz von Kindern, während Demonstranten ihre Banner kurzzeitig mit denen der Gewerkschaft CGT vereinten (die wegen eines separaten Prozesses gegen den Departementspräsidenten Maël de Calan anwesend war).

Eine Bewegung in der Anfangsphase

Patricia, eine Teilnehmerin der Kundgebung in Le Mans, fasste die Stimmung zusammen: „Der Tod dieses Kindes ist schrecklich. Es gab auf mehreren Ebenen so viele Versäumnisse.“ Während die Organisatoren im ganzen Land geloben, jeden Montag wiederzukommen, entwickelt sich der Fall Lyhanna zu einer nachhaltigen Kampagne für systemische Veränderungen statt zu einem kurzen Wutausbruch.

Fleurance · Paris · Saint-Nazaire · Nantes · Brest · Le Mans · Agen

7 Quellen

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