
Chinas LineShine wird schnellster Supercomputer der Welt und übertrumpft erstmals seit 2017 das US-System El Capitan
Das LineShine-System in Shenzhen erreichte 2,198 Exaflops auf der TOP500-Liste und beendete damit eine neunjährige US-Serie. Es setzt auf heimische Chips, die Exportbeschränkungen umgehen.
Eine neunjährige Wartezeit endet
China hat erstmals seit 2017 wieder ein System an die Spitze der TOP500-Supercomputer-Rangliste gesetzt. Die Maschine LineShine, untergebracht im National Supercomputing Centre in Shenzhen, erreichte in der Ausgabe Juni 2026 2,198 Exaflops – genug, um das El Capitan des US-Energieministeriums (1,809 Exaflops) vom ersten Platz zu verdrängen. Die Liste, veröffentlicht am 23. Juni auf der ISC High Performance Conference in Hamburg, verzeichnet nun fünf Systeme oberhalb der Exascale-Schwelle.
Es ist ein beeindruckendes System. Sie haben uns übertrumpft, indem sie ein System entwickelt haben, das nicht auf GPUs angewiesen ist.
Reine Rechenleistung mit heimischem Silizium
LineShine schlug einen Weg ein, der US-Exportkontrollen umgeht. Es läuft ausschließlich auf CPUs und kombiniert eine proprietäre LingKun-Plattform mit hauseigenen LX2-Prozessoren (304 Kerne pro Stück, 1,55 GHz, insgesamt 13,79 Millionen Kerne) und einer maßgeschneiderten Verbindungstechnik. Die Maschine verbraucht etwa 42,2 Megawatt und erreicht eine Effizienz von 52,07 Gigaflops pro Watt. Anders als die GPU-lastige Architektur von El Capitan und anderen westlichen Pendants benötigte LineShine keine NVIDIA- oder AMD-Beschleuniger. Die Entwickler hielten viele Details geheim, gaben aber an, das System freiwillig eingereicht zu haben, da es ohne chinesische öffentliche Mittel entwickelt wurde.
- Sunway TaihuLight (China) führt die TOP500 zum letzten Mal an, bevor eine US-Serie beginnt.
- LineShine debütiert auf Platz eins und beendet neun Jahre US-Dominanz.
Die neuen Top Fünf
Die neu geordnete Rangliste zeigt El Capitan auf Platz 2, gefolgt von Frontier (Oak Ridge National Laboratory, 1,353 Exaflops) und Aurora (Argonne National Laboratory, 1,012 Exaflops). Europas schnellste Maschine, Jupiter Booster am Jülich Supercomputing Centre, belegt mit genau einem Exaflop den fünften Platz. Großbritanniens Isambard-AI (Bristol) fiel auf Platz 11, Australiens Setonix liegt auf Platz 86 und Portugals Deucalion auf Platz 353.
- LineShine (China)
- 2.198 Exaflops
- El Capitan (USA)
- 1.809 Exaflops
- Frontier (USA)
- 1.353 Exaflops
- Aurora (USA)
- 1.012 Exaflops
- Jupiter Booster (Deutschland)
- 1 Exaflops
KI-Leistung ist eine andere Geschichte
Technologie- und Politik-Experten warnten davor, dass der TOP500-Benchmark keine realen KI-Workloads widerspiegelt. LineShine belegte den vierten Platz in einem Test, der KI-ähnliche Berechnungen simulieren soll, und viele der leistungsfähigsten KI-orientierten Supercomputer der Welt (betrieben von Microsoft, Amazon, Google und xAI) nehmen nicht an der Liste teil. Eine Studie von Pilz, Sanders, Rahman und Heim aus dem Jahr 2025 schätzte, dass xAIs Colossus bereits leistungsfähiger war als El Capitan.
Wenn die Hyperscaler ihre Systeme einreichen würden, würde dieser 'schnellste der Welt' nicht unter die ersten fünf kommen.
Geopolitischer Hintergrund
Der Durchbruch erfolgt in einer Zeit verschärfter technologischer Konkurrenz zwischen den USA und China. Am 22. Juni unterzeichnete Präsident Donald Trump eine Exekutivanordnung, die darauf abzielt, die Vereinigten Staaten im Quantencomputing vor China zu bringen. Während das TOP500-Ergebnis Chinas Fähigkeit demonstriert, mit eigenem Halbleiterdesign eine Maschine der Spitzenklasse zu produzieren, sehen Analysten darin in erster Linie ein Statement zur Selbstversorgung und weniger einen direkten Vorteil im KI-Wettlauf.


