
Brüsseler Staatsanwalt warnt vor steigender Drogengewalt nach 69 Schießereien im Jahr 2026
Der Brüsseler Generalstaatsanwalt Julien Moinil warnte, dass unbeteiligte Passanten von Schüssen getroffen werden könnten, da rivalisierende Drogenbanden eine Welle bewaffneter Auseinandersetzungen auslösten – mit 69 Schießereien in der belgischen Hauptstadt im Jahr 2026.
Öffentliche Warnung der Staatsanwaltschaft
Der Brüsseler Generalstaatsanwalt Julien Moinil berief am 28. August 2026 gemeinsam mit dem Polizeichef von Brüssel-Midi, Jurgen De Landsheer, und dem Direktor der Bundespolizei, Eric Jacobs, eine Pressekonferenz ein, um über die anhaltenden drogenbedingten Schießereien zu informieren. Die Staatsanwaltschaft meldete, dass es im Jahr 2026 in Brüssel 69 Schießereien gegeben hat, nach 102 Vorfällen im gesamten Jahr 2025. Im vergangenen Jahr zählten die Behörden mehr als 150 Schießereien und 22 Explosionen im Zusammenhang mit territorialen Bandenkonflikten. Moinil betonte, dass Schießereien zunehmend in belebten öffentlichen Bereichen stattfänden und normale Anwohner einer ernsthaften Gefahr aussetzten.
Ich bin ein besorgter Staatsanwalt. Jeder Bürger kann eine Kugel abbekommen, das ist die Realität.
- 2025
- 102 Vorfälle
- 2026 (bis 28. August)
- 69 Vorfälle
Vergeltungsangriffe in Saint-Gilles und Anderlecht
Die jüngste Eskalation begann am 20. August 2026, ausgelöst durch einen Streit zwischen zwei etablierten Drogenringen in den Gemeinden Saint-Gilles und Forest. Um 23:40 Uhr eröffneten Personen auf Elektrorollern das Feuer in Saint-Gilles und hinterließen zwei Patronenhülsen und vier scharfe 9-mm-Patronen auf der Straße. Zwei Tage später, am 22. August um 21:14 Uhr, verletzte ein Schrotprojektil einen Mann am Bein in der Rue de Montenegro, was zur Festnahme eines 17-jährigen guineischen Staatsangehörigen führte, der bereits im Januar wegen gewaltsamen Diebstahls verurteilt worden war. Die Gewalt weitete sich am Wochenende aus, als zwei vermummte Täter ein Dutzend Schüsse aus einer automatischen Waffe auf eine Polizeiwache in Anderlecht in der Demosthenes-Straße abfeuerten. Am Abend des 24. August brach vor einer Pizzeria in Saint-Gilles in der Nähe des Bahnhofs Brüssel-Midi Schießerei aus, sodass Gäste und Familien zu Boden gehen mussten.
- Bewaffnete auf E-Scootern eröffnen das Feuer in Saint-Gilles und hinterlassen 9-mm-Patronen.
- Ein Mann wird in der Rue de Montenegro durch einen Schrotschuss am Bein verletzt.
- Angreifer auf einem Roller werfen einen Brandbeschleuniger-Molotowcocktail.
- Schüsse vor einer Pizzeria-Terrasse in Saint-Gilles.
- Staatsanwalt Julien Moinil hält eine Pressekonferenz, während Premierminister Bart De Wever die Sicherheitsbehörden zusammenruft.
Gefängniskoordination und Personalmangel
Ermittler der Justiz haben festgestellt, dass Bandenanführer häufig gewaltsame Anschläge aus dem Gefängnis mit Hilfe von geschmuggelten Mobiltelefonen koordinieren. Moinil verwies auf einen Vorfall vom 18. Juli in Sint-Jans-Molenbeek, bei dem ein Opfer auf Anordnung eines Häftlings im Gefängnis Haren, der vorübergehende Haftlockerungen hatte, viermal in den Rücken geschossen wurde. Der Staatsanwalt wiederholte seine Forderung nach Handy-Störsendern in Justizvollzugsanstalten, um die Kommunikation zwischen inhaftierten Drogenbossen und ihren Netzwerken zu unterbinden. Strukturelle Ressourcendefizite behindern weiterhin die lokale Polizeiarbeit. Die Brüsseler Staatsanwaltschaft arbeitet mit 49 der 63 planmäßigen Staatsanwälte, der Brüsseler Bundespolizei fehlen 80 Ermittler und über 150 Minderjährige warten auf einen Platz in gesicherten Jugendeinrichtungen.
Die Lösung darf nicht nur von der Justiz kommen.
Vermögensbeschlagnahmen und bundesstaatliche Sicherheitsüberprüfung
Bei Maßnahmen gegen den illegalen Drogenhandel wurden seit 2025 203 Millionen Euro von kriminellen Netzwerken beschlagnahmt. Polizeieinsätze führten in diesem Zeitraum zudem zur Festnahme von 93 Erwachsenen und 14 Minderjährigen, zur Verwaltungsschließung von 350 Geschäften und zur Beschlagnahmung von 3.500 Luxusfahrzeugen, die von Dealern in der Hauptstadt genutzt wurden. Moinil beantragte 10 Millionen Euro zusätzliche Sondermittel, um die Ermittlungen gegen ausländische Netzwerkchefs auszuweiten, und stellte fest, dass kein zusätzliches Budget bewilligt worden sei. Nach den Anschlägen bezeichnete der belgische Innenminister Bernard Quintin den Angriff auf die Polizeiwache als Angriff auf die Staatsgewalt. Der belgische Premierminister Bart De Wever berief für den Nachmittag des 28. August 2026 eine nationale Sicherheitssitzung ein, um die Drogenbekämpfung zu überprüfen.

