
Berliner Grünen-Kandidat Werner Graf lehnt CDU-Koalition ab und befürwortet Wohnungssozialisierung
Vor der Landtagswahl am 20. September hat der grüne Spitzenkandidat Werner Graf seine Präferenz für ein Dreierbündnis mit SPD und Linken bekundet und eine umfassende Wohnungssozialisierung in Berlin gefordert.
Koalitionspräferenzen und Wahlkampfstrategie
Vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 hat der grüne Spitzenkandidat Werner Graf seine Bedingungen für die nächste Landesregierung dargelegt. In einem Interview mit dem Tagesspiegel erklärte Graf, dass er ein Regierungsbündnis mit der Sozialdemokratischen Partei (SPD) und der Linken anstrebe. Eine Koalition mit der Christlich-Demokratischen Union (CDU) schloss er explizit aus und betonte, die Grünen wollten die CDU in die parlamentarische Opposition drängen. Graf wies die Kritik zurück, die Grünen hätten vier Wochen vor der Wahl ein zu niedriges öffentliches Profil, und erklärte, sein Wahlkampf setze auf direkte Gespräche mit den Berlinerinnen und Berlinern statt auf laute Schlagzeilen. Der Posten des Regierenden Bürgermeisters solle an den Kandidaten gehen, dem die Bürger die Lösung praktischer Probleme zutrauten, nicht an denjenigen, der extreme Forderungen stelle.
Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich ein Bündnis mit der SPD und der Linken bevorzuge, und auch nicht aus unserem Wunsch, die CDU in die Opposition zu schicken.
Umfragedynamik und rechnerische Mehrheiten
Aktuelle Meinungsumfragen deuten auf eine zersplitterte politische Landschaft in Berlin hin, die Zweierkoalitionen rechnerisch unmöglich macht. In einer vom Forsa-Institut für das Nachrichtenportal t-online erhobenen und am Samstag, den 22. August 2026, veröffentlichten Umfrage lag die Linke mit 22 Prozent der Wählerstimmen vorn. CDU und Alternative für Deutschland (AfD) folgten mit jeweils 18 Prozent gleichauf, während die Grünen 16 Prozent und die SPD 12 Prozent erreichten. In den Wochen vor der Wahl wechselten sich CDU, Linke und AfD in der Führung ab. Bei diesen Verteilungen verfügen nur zwei Dreierkonstellationen über genügend Sitze im Parlament für eine Mehrheit: ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD oder eine Dreierkoalition aus Linken, Grünen und SPD.
- Die Linke
- 22 %
- CDU
- 18 %
- AfD
- 18 %
- Grüne
- 16 %
- SPD
- 12 %
Politische Differenzen mit der CDU-Verwaltung
Graf begründete seine Ablehnung einer Zusammenarbeit mit der CDU mit scharfen Meinungsverschiedenheiten in der Regierungsführung und der kommunalen Verkehrspolitik. Er kritisierte die von der CDU geführte Landesregierung für rückwärtsgewandte Maßnahmen, insbesondere den Rückbau vorhandener Fahrradwege statt des Baus neuer Infrastruktur, sowie die CDU-Pläne zur Verlängerung der Stadtautobahn A100. Graf verurteilte zudem die von der derzeitigen Regierung verhängten Kürzungen im Kultur- und Wissenschaftsbereich. Darüber hinaus verwiesen die Grünen auf Kontroversen um Landesmittel für Antisemitismusprojekte und warfen Mitgliedern der CDU-Fraktion vor, rechtswidrigen Druck auf die Kulturverwaltung zur Freigabe von Fördermitteln ausgeübt zu haben. Der Berliner Landesrechnungshof bezeichnete die Mittel für mehr als ein Dutzend dieser Projekte als offensichtlich rechtswidrig.
Wohnungsenteignung und Mietwohnungsvorschläge
In der Wohnungspolitik bekräftigte Graf sein Bekenntnis zur Sozialisierung großer Wohnungsbestände von Unternehmen in der kommenden Legislaturperiode. Er räumte ein, dass Berlin Kredite zur Finanzierung der Enteignungen aufnehmen müsse, argumentierte jedoch, dass das Land dafür erhebliche Immobilienwerte erhalte. Graf betonte, dass die für die Übernahme vorgesehenen privaten Immobilienfirmen derzeit beträchtliche Unternehmensgewinne ausschütten, sodass das Land durch die eingehenden Mieteinnahmen regelmäßige Einnahmen erzielen würde. Er unterstrich zudem, dass er keine Vermieter in Berlin wolle, die sich nicht an das Gesetz hielten. Da die formelle Sozialisierung Zeit in Anspruch nehme, schlug Graf begleitende Maßnahmen vor, darunter die Verabschiedung eines Gesetzes für bezahlbare Mieten und die Umwandlung von Gewerbeimmobilien in Wohnraum.
Die Unternehmen, die wir übernehmen würden, schütten derzeit beträchtliche Gewinne aus.


