Präsident des Zentralrats der Juden warnt: CDU-Brandmauer zur AfD könnte nicht halten – Verweis auf Umfragen in Sachsen-Anhalt
Josef Schuster verwies auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, wo der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in Umfragen nur wenige Prozentpunkte von einer absoluten Mehrheit entfernt ist.
Die Brandmauer-Warnung
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hat seine tiefe Besorgnis darüber geäußert, dass die sogenannte Brandmauer der CDU zur AfD einstürzen könnte. In einem Interview mit der „Main-Post“ in Würzburg sagte Schuster, er befürchte, dass die Barriere nicht halten werde. Er verwies dabei insbesondere auf die politische Situation in Sachsen-Anhalt, wo der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund vor der Landtagswahl in Umfragen nur wenige Prozentpunkte von einer absoluten Mehrheit entfernt ist.
Ich habe die Sorge, dass sie nicht halten wird.
Schusters Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, da die AfD in ostdeutschen Bundesländern weiterhin starke Umfragewerte erzielt, was Fragen aufwirft, wie die etablierten Parteien mit der Koalitionsarithmetik umgehen werden, falls die rechtspopulistische Partei einen dominanten Sitzanteil erringt.
Das Szenario des „Pakts mit dem Teufel“
Schuster skizzierte ein konkretes Szenario, das ihm Sorgen bereitet: CDU-Abgeordnete könnten bereit sein, mit der AfD zusammenzuarbeiten, nur um eine funktionsfähige Regierung zu bilden. Er beschrieb einen solchen Schritt in drastischen Worten.
Meine Befürchtung ist, dass es CDU-Abgeordnete geben könnte, die um des Regierens willen bereit sein könnten, einen Pakt mit dem Teufel zu schließen.
Trotz dieser Besorgnis auf Landesebene sagte Schuster, er sehe derzeit keine Gefahr eines Eintritts der AfD in die Bundesregierung. Er äußerte die Hoffnung, dass die demokratischen Parteien der Mitte dies dauerhaft verhindern werden.
Verbotsverfahren bleiben unwahrscheinlich
Zur Frage eines formellen Verbots der AfD bleibt Schuster skeptisch. Er räumte ein, dass ein Rechtsgutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte zu dem Schluss gekommen sei, dass ein Verbotsantrag tatsächlich Erfolg haben könnte. Schusters Hauptsorge gilt jedoch einem gescheiterten Versuch.
Meine größte Sorge bleibt ein gescheiterter Verbotsantrag, wie es bei der NPD der Fall war.
Er fügte hinzu, dass er derzeit keine Mehrheit für ein Parteiverbot sehe, was den Rechtsweg aus seiner Sicht zu einem unattraktiven Glücksspiel mache.
Schusters eigene Zukunft ungewiss
Der 72-jährige Schuster äußerte sich auch zu seiner persönlichen politischen Zukunft. Seine derzeitige vierjährige Amtszeit als Präsident des Zentralrats der Juden endet Ende November, und er hat noch nicht entschieden, ob er erneut kandidieren wird. Er sagte, er habe noch den Wunsch weiterzumachen, nannte aber familiäre Gründe, die gegen eine erneute Kandidatur sprächen. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus.


