
Erdbeben in Venezuela: Zahl der Toten erreicht 1.430, tschechisches USAR-Team trifft ein und errichtet Basislager
Zwei schwere Erdbeben erschütterten Venezuela am Mittwochabend, forderten mindestens 1.430 Tote, 3.238 Verletzte und fast 69.000 Vermisste. Tschechische Rettungskräfte trafen am Sonntagmorgen ein und bereiten sich nun auf die Suche in eingestürzten Gebäuden im am stärksten betroffenen Küstenstaat La Guaira vor.
Das Ausmaß der Zerstörung
Zwei Erdbeben der Stärken 7,2 und 7,5 erschütterten am Abend des 24. Juni die Nähe der Stadt Morón und lösten die verheerendste seismische Katastrophe in Venezuela seit über hundert Jahren aus. Die vorläufige Zahl der Todesopfer stieg von 920 am Freitag auf mindestens 1.430 bis Samstag, mit 3.238 Verletzten und 3.142 Obdachlosen. Anwohner haben 68.900 Menschen als vermisst gemeldet, so die Associated Press. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen schätzte den materiellen Schaden auf 6,7 Milliarden US-Dollar, was sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes entspricht, während die Internationale Organisation für Migration warnte, dass das Beben 6,76 Millionen Menschen betreffen könnte, darunter zwei Millionen in der Hauptstadt Caracas.
- Zwei Erdbeben der Stärken 7,2 und 7,5 erschüttern die Nähe von Morón an der Nordwestküste Venezuelas.
- Parlamentspräsident Jorge Rodríguez gibt mindestens 920 Tote bekannt.
- Zahl der Toten steigt auf 1.430; 24 Länder entsenden 2.741 Retter. Die UNO schätzt den Schaden auf 6,7 Milliarden US-Dollar.
- Tschechisches USAR-Team trifft ein, beginnt mit Aufbau des operativen Basislagers und erwartet, bis 07:00 Uhr Ortszeit an den Suchaktionen teilzunehmen.
Vor Ort in La Guaira
Der Küstenstaat La Guaira, ein beliebtes Strandziel, erlitt die schwersten Schäden. Mehr als 1.400 Gebäude stürzten ein oder wurden strukturell beschädigt, und das Militär übernahm die Kontrolle über das Gebiet und schränkte den Zugang ein. Andreina Valerio eilte von der Arbeit, um nach ihrem knapp zweijährigen Sohn Santiago zu suchen, der mit ihrem Partner Ramsés Mendoza im Haus ihrer Schwiegereltern war. Als sie ankam, lag das Gebäude in Trümmern und ihr Schwager grub im Schutt. Sechs Familienmitglieder und zwei weitere Kinder blieben eingeschlossen.
Ich glaube immer noch, dass mein Sohn lebt. Ich glaube, es ist mein Sohn. Und ich weiß, dass mein Sohn es schaffen kann, genau wie seine Familie.
In den frühen Stunden nach dem Beben hörte Samuel Mendoza eine Frauenstimme um Hilfe rufen, aber Rettungsteams aus El Salvador und Spanien konnten das eingestürzte Gebäude nicht sofort betreten.
Internationale Rettungsaktion
Bis Sonntagmorgen hatten 24 Länder mindestens 2.741 Retter, 86 Hundestaffeln entsandt und 521 Tonnen humanitäre Hilfe geliefert, gab Interimspräsidentin Delcy Rodríguez bekannt. Die Koordination zwischen den örtlichen Behörden und internationalen Such- und Rettungsteams wird von den Vereinten Nationen gemeinsam mit der venezolanischen Regierung übernommen, wobei das betroffene Gebiet kartiert und in Sektoren unterteilt wurde. US-Rettungsteams zogen zusammen mit venezolanischen Feuerwehrleuten ein kleines Kind aus den Trümmern, und das US-Außenministerium veröffentlichte ein Video des Einsatzes auf X.
Jedes gerettete Leben ist ein Sieg.
Salvadorianische Teams befreiten ein junges Mädchen und ihren Hund, und Präsident Nayib Bukele teilte Aufnahmen des geretteten Kindes, das, in venezolanische und salvadorianische Flaggen gehüllt, der Menge zuwinkte.
Entsendung des tschechischen USAR-Teams
Die Tschechische Republik gehörte zu den ersten Ländern, die Hilfe anboten, und ein 70-köpfiges USAR-Team mit acht ausgebildeten Hunden verließ Prag am Samstagnachmittag. Nach einem Zwischenstopp auf Curaçao landete das Team am Sonntag um 02:40 Uhr MESZ in Venezuela und begann sofort mit dem Aufbau eines operativen Basislagers. Allerdings mussten 19 Teammitglieder aufgrund von Kapazitätsbeschränkungen auf Curaçao bleiben und warten auf Anschlussflüge.
Basierend auf Aufnahmen vom Katastrophenort ist es wahrscheinlich, dass in einigen Gebäuden noch Menschen am Leben sind, und unser Team wird versuchen, ihnen zu helfen.
Die tschechischen Feuerwehrleute erwarten, gegen 07:00 Uhr Ortszeit, also 13:00 Uhr MESZ, mit den Suchoperationen zu beginnen.
Frustration über die Reaktion der Regierung
Trotz des Zustroms internationaler Hilfe haben Anwohner die Interimspräsidentin Rodríguez bei einem Besuch in einem verwüsteten Viertel von Caracas konfrontiert und der Regierung eine langsame und unzureichende Reaktion vorgeworfen. Humanitäre Organisationen betrachten die ersten 48 bis 72 Stunden nach einem Erdbeben als das kritische Zeitfenster für die Suche nach Überlebenden, doch vielen betroffenen Gebieten fehlen laut Berichten von Al Jazeera und BBC immer noch schwere Maschinen und offizielle Rettungsteams. Die Übernahme von La Guaira durch das Militär hat den Zugang für Angehörige und Freiwillige, die nach Vermissten suchen, zusätzlich erschwert.


