
Balis Boom digitaler Nomaden löst lokale Gegenwehr und Einwanderungsrazzia gegen niederländische Laufgruppen-Gründer aus
Canggu, einst ein Fischerdorf an der Südwestküste Balis, hat sich zu einem der beliebtesten Zentren für digitale Nomaden weltweit entwickelt. Der Boom brachte Bauarbeiten, Verkehr und wachsenden Unmut unter den balinesischen Bewohnern mit sich, was schließlich zu einem Einreiseverbot für zwei niederländische Gründer einer Laufgruppe führte, denen Diskriminierung vorgeworfen wird.
Vom Fischerdorf zum Nomaden-Hotspot
Canggu liegt an der Südwestküste Balis und hat sich zum wohl beliebtesten Hotspot für digitale Nomaden auf der indonesischen Insel entwickelt. Kurz nach Sonnenaufgang tragen Dutzende Surfer ihre Bretter zum Strand. Zwei Stunden später klappern in den Cafés der balinesischen Küstenstadt die Tastaturen. Programmierer schreiben Code, Designer erstellen Logos, Influencer schneiden ihre neuesten Videos. Zwischen hippen Cafés, Yogastudios und Coworking-Spaces ist vom ehemaligen Fischerdorf kaum noch etwas zu sehen. Krane ragen in den Himmel, Bagger wühlen die Erde auf, und mit jedem Neubau verschwinden weitere Reisfelder.
Der Wandel begann allmählich und beschleunigte sich vor etwa zehn Jahren rasant. Aus einem charmanten Fischerdorf mit schmalen Pfaden wurde Canggu innerhalb weniger Jahre zu einem der bekanntesten Hotspots für digitale Nomaden weltweit – mit Verkehrschaos, Lärmbelästigung, Müllbergen und einem Bauboom.
Lokale Frustration wächst
Die wachsende Zahl von Langzeitgästen, hauptsächlich aus Europa, Russland und Australien, hat zunehmend Unmut bei den Einheimischen ausgelöst. Leichtbekleidete Ausländer auf gemieteten Rollern, ohne Helm, aber mit Surfbrett unter dem Arm oder Hund auf dem Schoß, sind Teil des typischen Straßenbildes geworden und schüren die Wut vieler Balinesen.
- Canggus Wandel vom Fischerdorf zum Hotspot für digitale Nomaden beschleunigt sich
- Gouverneur Wayan Koster veröffentlicht offiziellen Verhaltenskodex für internationale Gäste
- Entourage-Bali-Kontroverse bricht aus, nachdem einer Indonesierin die Mitgliedschaft verweigert wird; zwei niederländische Gründer erhalten Einreiseverbot nach Indonesien
Ein Hotelangestellter namens Giri beschrieb, was die Veränderungen für die Bewohner bedeuten.
Alles hat sich in den letzten Jahren verändert, und das macht uns manchmal sehr traurig. Unsere Natur, die typischen Landschaften verschwinden, weil fast alles Land an reiche Investoren verkauft wird.
Sie begann zu weinen, während sie sprach. Im Jahr 2023 sah sich Gouverneur Wayan Koster veranlasst, einen offiziellen Verhaltenskodex für internationale Gäste zu veröffentlichen, der von respektvollem Verhalten in Tempeln bis zur Helmpflicht auf Rollern reicht.
Die Entourage-Bali-Kontroverse
Die Frage, wem Bali gehört, wird auf der Insel immer lauter. Es mehrt sich der Eindruck, dass Expats – dauerhaft auf der Insel lebende Ausländer – ihre eigenen Netzwerke, Treffpunkte und Geschäftsmodelle aufbauen, in denen Balinesen manchmal nur eine untergeordnete Rolle spielen. Im Juli brach ein Sturm der Entrüstung über zwei Niederländer aus, so heftig, dass die Behörden die Notbremse zogen.
Die beiden Männer hatten in Canggu eine internationale Laufgruppe namens Entourage Bali gegründet, die über soziale Medien schnell zahlreiche Mitglieder anzog. Unter anderem organisierten sie „Silent Disco Runs“, bei denen die Teilnehmer mit Kopfhörern durch die Straßen joggten. Eine Indonesierin berichtete, sie habe sich nicht für die Gruppe anmelden können, während ihr ausländischer Ehemann problemlos aufgenommen wurde. Das traf einen empfindlichen Nerv in der Bevölkerung und entfachte eine hitzige Debatte, die auch internationale Schlagzeilen machte.
Behörden reagieren
Die beiden niederländischen Gründer dürfen aufgrund angeblicher Verstöße gegen Einwanderungsbestimmungen und Diskriminierungsvorwürfe nicht mehr nach Indonesien einreisen. Die Männer hatten Veranstaltungen ohne die erforderlichen Genehmigungen organisiert, und laut Behörden waren die Veranstaltungen faktisch nur für Ausländer zugänglich.
Es darf keinen Staat im Staate geben.
Hendarsam Marantoko, der Generaldirektor der Einwanderungsbehörde, betonte dieses Prinzip als Grund für das Einreiseverbot. Der Fall ist zu einem Brennpunkt in der breiteren Debatte über die Präsenz digitaler Nomaden auf Bali und darüber geworden, inwieweit ausländische Gemeinschaften unabhängig von lokalen Regeln und Bevölkerungen agieren können.


