
Mehr als 90 deutsche Bahnprojekte droht Finanzierungsstopp wegen Milliardengrab
Die Bundesregierung hat bestätigt, dass mehr als 90 Eisenbahnausbau- und Neubauprojekte, einige bereits im Bau, gestoppt werden könnten, weil die Bundesmittel weit hinter dem Bedarf zurückbleiben. Die Grünen warnen vor einem Stillstand, während der Haushalt 2027 noch ungeklärt ist.
Finanzierungslücke aufgedeckt
Die Grünen-Bundestagsfraktion teilt mit, dass ihre Anfrage an das Verkehrsministerium ein milliardenschweres Defizit bei mehr als 90 Projekten in verschiedenen Planungsstadien offenlegt, darunter auch einige, die bereits gebaut werden. Allein im Jahr 2026 benötigen laufende Vorhaben 2,363 Milliarden Euro. Bis 2030 steigt der jährliche Bedarf auf 4,562 Milliarden Euro für Fortführungen plus weitere 1,2 Milliarden Euro für Neustarts.
- 2026 (laufend)
- 2.363 Mrd. €
- 2030 (laufend)
- 4.562 Mrd. €
- 2030 (neu)
- 1.2 Mrd. €
Die Antwort des Ministeriums, über die zuerst das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete, stellt fest, dass die Finanzierung ab 2027 noch nicht gesichert ist. Sie verweist auf das laufende Haushaltsverfahren: „Die Ergebnisse des laufenden Verfahrens müssen abgewartet werden.“
Politische Reaktionen
Die Allianz pro Schiene, ein Verkehrsverband, verurteilte die Lücke. Geschäftsführer Dirk Flege forderte die Regierung auf, ihr Versprechen einzuhalten, dass projektierte Vorhaben tatsächlich gebaut werden.
Wir erwarten, dass die Bundesregierung ihr Versprechen einlöst – nämlich, dass das, was baureif ist, auch gebaut wird.
Der grüne Bahnexperte Matthias Gastel warf der Koalition aus CDU/CSU und SPD vor, Geld für „teure Klientelgeschenke statt effizienter Bahntrassen“ auszugeben, und wies darauf hin, dass Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur nicht für Aus- und Neubau verwendet werden können.
Hamburg–Berlin-Strecke mit Lehren wiedereröffnet
Die Strecke Hamburg–Berlin nahm am Sonntag nach einer langwierigen Sanierung wieder den Betrieb auf, doch die SPD-Verkehrspolitikerin Anja Toff-Schaffarzyk sagte, das Projekt habe gravierende Schwächen offenbart.
Sie forderte robustere Fahrpläne und krisenfeste Puffer. Der CDU-Verkehrssprecher Björn Simon forderte die Deutsche Bahn auf, für künftige Korridorausbauten verlässliche Fahrpläne und transparente Kommunikation zu liefern.Bei aller Erleichterung über das Ende der Umleitungen dürfen wir die schwerwiegenden Mängel dieses Mammutprojekts nicht verschweigen.
Langfristige Befürchtungen
Der eigene mittelfristige Plan der Regierung bis 2030 sieht bereits Investitionen unterhalb des von ihr als notwendig erachteten Niveaus vor. Die Allianz pro Schiene besteht darauf, dass der Haushalt 2027 angepasst und ein mehrjähriges Finanzierungsinstrument eingeführt werden muss, um eine Kaskade von Verzögerungen zu vermeiden. Ohne Gegenmaßnahmen blieben überlastete Knoten wie Hamburg und Hannover, überlastete Strecken wie Hannover–Bielefeld und Mannheim–Karlsruhe sowie wichtige Elektrifizierungsprojekte ohne Geld.


