
Renovierung legt Anker des Polnischen Untergrundstaats an Warschauer Gebäude in der Puławska 48 frei
Unter altem Putz in einem Mietshaus in der Puławska 48 in Mokotów wurde bei Fassadenarbeiten ein Anker des Polnischen Untergrundstaats gefunden. Experten zufolge könnte er jedoch auch aus der Solidarność-Walcząca-Bewegung der 1980er Jahre stammen.
Fund unter dem Putz
Arbeiter, die den Putz von der Fassade des Gebäudes in der Puławska 48 in Warschau abtrugen, legten einen Anker frei – das Symbol des Polnischen Untergrundstaats (Polska Walcząca) – und informierten den Denkmalschutz. Wnp berichtet, das Zeichen sei am 12. September von einem Mitarbeiter des Archiwum Akt Nowych freigelegt worden, während rmf24 den Fund den Arbeitern zuschreibt. Der Anker befindet sich neben dem Eingang zum Treppenhaus. Zwei Tage nach der Freilegung übermalte eine unbekannte Person ihn schwarz und „korrigierte“ ihn dabei ungeschickt. Das Gebäude gehört einer Wohnungsbaugesellschaft, die die Renovierung der Fassade beschlossen hatte.
Zwei konkurrierende Erklärungen
Das Archiwum Akt Nowych, das das Projekt Zraniona Stolica koordiniert, erklärt, der Anker könne ein Überrest des Zeichens des Polnischen Untergrundstaats aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs oder des Zeichens der Solidarność Walcząca aus den 1980er Jahren sein. Ein Vertreter des Warschauer Denkmalschutzes fertigte vor Ort ein Protokoll an. Eine fachgerechte Entfernung der modernen Farbe und die Sicherung des Zeichens sind geplant. Die Wohnungsbaugesellschaft wird die Arbeiten bezahlen und kann beim Denkmalamt eine Erstattung beantragen. Erst nach Abschluss der Konservierungsarbeiten wird das Zeichen als authentische Spur aus der Kriegszeit bestätigt werden.
Lokale Unterstützung für den Erhalt des Zeichens
Der Sprecher des Stadtbezirks Mokotów, Tomasz Keller, sagte gegenüber PAP, der Bezirk werde einen Finanzierungsantrag prüfen.
Sollte sich nach den Konservierungsarbeiten bestätigen, dass das Zeichen eine authentische Spur aus dem Zweiten Weltkrieg ist, und sollte die Wohnungsbaugesellschaft das Bezirksamt um Hilfe bei der Finanzierung seines Schutzes bitten, erklären wir, dass wir einen solchen Antrag im Rahmen der verfügbaren Möglichkeiten des Bezirks und der geltenden Verfahren positiv prüfen werden.
Der Stadtrat von Śródmieście, Radosław Sosnowski (PiS), reichte eine Interpellation ein, in der er den Bezirk auffordert, Bemühungen zum Erhalt des Zeichens zu unterstützen; der Bezirk erklärt sich zur Zusammenarbeit bereit. Auch der Vorstand der Gesellschaft und die Hausverwaltung Lokal Serwis erklären, den Anker unbedingt erhalten zu wollen.
Anker im gesamten Warschau der Kriegszeit
Der erste derartige Anker erschien am 20. März 1942 an Warschauer Straßen, gemalt auf die Veranda der Konditorei Lardelli, vermutlich vom Pfadfinderführer Maciej Aleksy Dawidowski, „Alek“. Anker sind noch heute am Gebäude des Ministeriums für Klima und Umwelt in der Wawelska 52/54 zu sehen, drei weitere am Gebäude der Obersten Kontrollkammer (NIK) in der Marszałkowska 82. Niemand weiß, wie viele gemalt wurden, zumeist von Pfadfindern der Szare Szeregi. Die folgende Zeitleiste ordnet den Fund in der Puławska 48 in die Daten der Kriegszeit ein.
- Erster Anker an der Veranda der Konditorei Lardelli in Warschau gemalt
- Aufständische aus Mokotów evakuieren durch Kanaldeckel nahe der Puławska
- Mitarbeiter des Archiwum Akt Nowych legt den Anker unter dem Putz frei
- Unbekannte Person malt den Anker schwarz
Jan Ołdakowski, Direktor des Museums des Warschauer Aufstands, erinnerte vor einigen Jahren daran, dass der Anker einst an einem einzigen Tag an 400 Stellen in der Hauptstadt gemalt wurde.
Es gab einen Tag, an dem der Anker an 400 Stellen in der Hauptstadt gemalt wurde. Und doch konnte man dafür im Pawiak landen.
Aufstandsgeschichte an diesem Ort
Das Mietshaus in der Puławska 48 erlebte Kämpfe während des Warschauer Aufstands. Nahe der Kreuzung mit der Szustra-Straße (heute Dąbrowskiego) wurden am 26. und 27. September 1944 Kanaldeckel in der Umgebung genutzt, als Aufständische aus Mokotów durch die Kanalisation in den Stadtbezirk Śródmieście evakuiert wurden. In der Nähe befinden sich zahlreiche Gedenkstätten, darunter die Tchorek-Tafeln und Denkmäler, die an Hinrichtungen und an in Mokotów kämpfende Soldaten erinnern, unter anderem in der Puławska 67/69 und in der Skolimowska-Straße.


