
AfD-Fraktionschef in Sachsen-Anhalt verknüpft Waffenproduktion mit Abschiebungsaktionen
Ulrich Siegmund erklärte, militärische Ausrüstung werde für künftige Abschiebungs- und Remigrationskampagnen benötigt. Dies löste Kritik von SPD und BSW an einer geplanten Elbit-Systems-Anlage in Sangerhausen aus.
Waffenäußerungen in Magdeburg
Ulrich Siegmund, Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt, verknüpfte die inländische Waffenproduktion mit den von seiner Partei geplanten Abschiebungsaktionen am Donnerstag. Gegenüber Reportern in Magdeburg nach der konstituierenden Sitzung der AfD-Fraktion wurde Siegmund zu einem geplanten Rüstungsprojekt in Sangerhausen befragt. Er erklärte, dass die Partei die militärische Produktion nicht generell ablehne, wenn die Ausrüstung der inneren Sicherheit und der Durchsetzung von Landesrecht diene.
Wir verurteilen die Produktion von militärischer Ausrüstung nicht pauschal, denn wir werden natürlich die entsprechenden Ressourcen für künftige Rückführungs- und Abschiebungskampagnen benötigen.
Siegmund weitete seine Äußerungen am Freitag in Kommentaren gegenüber der Deutschen Presse-Agentur aus und erklärte, dass die militärische Produktion ein breites Spektrum an Material umfasse, darunter Fahrzeuge, Schutzausrüstung und Einsatzausrüstung für Polizei- und Sicherheitsbehörden zur Durchführung von Abschiebungen.
Geplanter Standort in Sangerhausen
Die Kontroverse dreht sich um eine geplante Industrieanlage in Sangerhausen, einer Stadt mit 25.000 Einwohnern im Südwesten Sachsen-Anhalts. Der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems hat über seine deutsche Tochtergesellschaft den Bau einer Fabrik in der Gemeinde erörtert, um Komponenten für deutsche Industriepartner herzustellen. Die örtlichen Kommunalbehörden gaben an, dass das Werk bis zu 400 Arbeitsplätze schaffen würde und keine kompletten Waffensysteme, Artilleriegeschosse oder Drohnen herstellen würde. Der Vorschlag stößt auf lokalen Widerstand, darunter eine aktive Bürgerpetition. Elbit Systems Deutschland erklärte am Freitag, dass das Unternehmen zwar kontinuierlich Expansionsmöglichkeiten in ganz Deutschland prüfe, aber keinen konkreten Standort für einen Neubau ausgewählt habe.
- Friedrich Merz setzt AfD-Remigrationspolitik im Bundestag mit ethnischer Säuberung gleich.
- Ulrich Siegmund verknüpft in Magdeburg die Sangerhausener Rüstungsproduktion mit Abschiebungskampagnen.
- SPD und BSW verurteilen die Äußerungen, während Elbit Systems klarstellt, dass noch kein Standort festgelegt wurde.
Reaktionen aus den Parteien
Siegmunds Aussage stieß auf Kritik von Konkurrenzparteien im Landtag und auf Bundesebene. Katja Pähle, Vorsitzende der SPD-Fraktion in Sachsen-Anhalt, bezeichnete die Äußerungen als politische Drohung, die militärische Ausrüstung in die Abschiebungspolitik einführe.
Wer in der angekündigten Massenvertreibung von Menschen aus Sachsen-Anhalt Verteidigungsgüter ins Spiel bringt, spricht von Gewalt als politischem Instrument.
Auch Fabio De Masi, Bundesvorsitzender des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW), kritisierte die AfD-Äußerungen. De Masi erklärte, die AfD unterstütze die schwere Aufrüstung, während sie versuche, die Elbit-Anlage mit Abschiebungsrhetorik zu rechtfertigen, und argumentierte, dass die Partei eher Provokation als Regierungsführung suche. Das BSW bleibt die einzige Partei, die nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Sondierungsgespräche mit der AfD nicht ausgeschlossen hat.
Bundestagsdebatte und AfD-Reaktion
Der Schlagabtausch in Magdeburg folgte einer Konfrontation im Bundestag am Mittwoch, bei der Bundeskanzler Friedrich Merz die AfD-Abgeordneten während der allgemeinen Haushaltsdebatte ansprach. Merz erklärte, das AfD-Konzept der Remigration komme einer ethnischen Säuberung aufgrund von Hautfarbe und Herkunft gleich. Die AfD-Fraktion wies die Aussage des Kanzlers als inakzeptabel zurück und erstattete Strafanzeige gegen Merz. Nach Siegmunds Äußerungen am Donnerstag erklärte der CDU-Politiker Ruprecht Polenz, dass Siegmunds Haltung Merz‘ Charakterisierung stütze. Innerhalb der AfD verteidigte der bundespolitische Verteidigungssprecher Rüdiger Lucassen Siegmund und argumentierte auf X, die Bundeswehr könne der Bundespolizei Amtshilfe leisten, indem sie statt gecharterter Flugzeuge militärische Transportflugzeuge für Abschiebeflüge bereitstelle.


