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Wahlen·27. Mai

AfD in Mecklenburg-Vorpommern stellt Entwurf des Wahlprogramms vor: „Blaue Wende“ mit Atomkraft, Nord Stream 2 und kultureller Wiederherstellung

Die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) in Mecklenburg-Vorpommern hat einen Entwurf für das Landtagswahlprogramm vorgestellt, der eine Rückkehr zur Kernenergie, die Reparatur der Nord-Stream-Pipelines und eine grundlegende Umstrukturierung der staatlichen Institutionen rund um ein umstrittenes Konzept der „Neutralität“ fordert.

Der Landesverband der AfD in Mecklenburg-Vorpommern hat seinen Entwurf für die anstehende Landtagswahl als „AfD-Regierungsprogramm“ betitelt – ein Zeichen des Selbstbewusstseins trotz unsicherer Koalitionsaussichten. Das Dokument, das am Samstag auf einem Parteitag in Grimmen debattiert und verabschiedet werden soll, skizziert eine scharfe rechte „Blaue Wende“ für den nordöstlichen Bundesstaat.

Grundlegender ideologischer Rahmen

Der Politikwissenschaftler Jochen Müller von der Universität Greifswald, der den Entwurf für die Deutsche Presse-Agentur (dpa) analysiert hat, identifiziert ein zentrales Thema: Die Partei präsentiert sich als Kraft der Pragmatik gegen eine allgegenwärtige „Ideologie“. Das Wort „Ideologie“ oder seine Varianten kommt im Dokument dreißig Mal vor und wird als vage definiertes Etikett verwendet, um Positionen zu Geschlechterfragen, Bildung, Energie und Kultur zu kritisieren.

Das Wahlprogramm der AfD für Mecklenburg-Vorpommern skizziert zentrale Säulen der AfD-Politik.

Müller stellt fest, dass der Entwurf über einzelne politische Maßnahmen hinausgeht und den Anspruch formuliert, die zentralen Regeln und Institutionen des Staates neu auszurichten. Der angestrebte Staat soll schlanker, stärker an Volksentscheide gebunden und einem bestimmten Begriff von „Neutralität“ in Verwaltung, Bildung, Förderung und Medienregulierung verpflichtet sein.

Migration und nationale Identität

Unter der Zwischenüberschrift „Grenz- und Rückführpolizei“ fordert das Programm die Einrichtung einer eigenen Einheit bei der Landespolizei sowie eine separate Abschiebehaftanstalt. Ein Abschnitt mit dem Titel „Schutz der deutschen Identität“ wirft der Landesregierung vor, systematisch daran zu arbeiten, eine „deutsch geprägte Gesellschaft durch eine multikulturelle Gesellschaft zu ersetzen“ – Sprache, die an die rechtsextreme Verschwörungstheorie des „Großen Austauschs“ erinnert.

Kulturelle Wiederherstellung und Medienumbau

Der Entwurf offenbart, was Müller als ein „spezifisches Bild von Heimat, Normalität und kultureller Ordnung“ beschreibt, geprägt von romantisierenden und restaurativen Motiven. Dazu gehören die Förderung der Handschrift als Kulturtechnik, Bargeldaffinität, regionale Architektur, alte Nutzpflanzensorten, regionale Produkte und Kriegerdenkmäler.

In der Medienpolitik kündigt die AfD an, den NDR-Staatsvertrag und den Medienstaatsvertrag zu kündigen, mit dem Ziel eines verschlankten „Grundversorgungs“-Rundfunks. Als Voraussetzung für staatliche Förderung soll eine „Demokratieklausel“ eingeführt werden, die nicht nur Verfassungstreue, sondern auch politische Neutralität verlangt. Der Entwurf stellt klar, dass die Förderung von „Asyl-Lobbygruppen oder die Unterstützung extremistischer Strukturen durch staatliche Mittel“ sofort eingestellt würde, und nennt explizit den Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern.

Energiepolitik: Atom und Nord Stream

In der Energiepolitik fordert die AfD die Rückkehr zur Kernkraft. Zudem verlangt sie die Reparatur der beschädigten deutsch-russischen Nord-Stream-Gaspipelines und die Wiederinbetriebnahme aller intakten Abschnitte. Der Entwurf geht nicht darauf ein, dass Russland bereits vor der Sabotage der Pipelines die Gaslieferungen gedrosselt und schließlich ganz eingestellt hatte.

Das Programm bleibt nicht bei einzelnen politischen Maßnahmen stehen. Es formuliert auch den Anspruch, zentrale Regeln und Institutionen des Staates neu auszurichten.

Der Programmentwurf wird auf der Versammlung in Grimmen an diesem Samstag von den Parteidelegierten debattiert und zur Abstimmung gestellt. Damit ist die Bühne für den Wahlkampf der AfD bei der Landtagswahl bereitet.

Grimmen · Greifswald

4 Quellen

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