
Ukraine schickt 600 Drohnen auf Moskau – größter Angriff seit zwei Jahren; Russland beschießt Kiew mit Raketen, mindestens 12 Tote
In der Nacht vom 15. auf den 16. August 2026 schickte die Ukraine rund 600 Drohnen auf Moskau – nach Angaben von Beamten der größte Luftangriff auf die russische Hauptstadt seit zwei Jahren –, während Russland Kiew und andere ukrainische Städte mit ballistischen Raketen angriff. Mindestens 12 Menschen kamen in beiden Ländern ums Leben.
Nächtlicher Drohnenangriff auf Moskau
Die Ukraine startete eine ihrer größten Luftoffensiven gegen russisches Staatsgebiet seit Kriegsbeginn und schickte zwischen Samstagabend und Sonntagmorgen rund 600 Drohnen in die Region Moskau. Der Moskauer Bürgermeister Sergei Sobianin erklärte, 201 Drohnen seien von der russischen Luftabwehr abgefangen und zerstört worden, bevor sie ihre Ziele erreichten, und drei Menschen seien im Bereich der Moskauer Ringstraße verletzt worden. Sobianin bezeichnete die Offensive als den größten Luftangriff auf die russische Hauptstadt seit zwei Jahren, wie die staatliche Nachrichtenagentur TASS berichtete. Die Drohnen wurden zwischen 20:00 Uhr am Samstag und 08:00 Uhr am Sonntag gestartet, so das russische Verteidigungsministerium.
Die russische Luftabwehr gab an, insgesamt 822 Drohnen in 16 Regionen des Landes sowie über der Krim, dem Schwarzen Meer und dem Asowschen Meer abgefangen zu haben. RFI meldete eine Zahl von 828 aus demselben Ministerium. Die Angriffe trafen Grenzgebiete wie Kursk, Belgorod und Brjansk, südliche Regionen wie Krasnodar und Rostow sowie zentrale russische Gebiete einschließlich Tula, Rjasan, Orjol und Kaluga.
- Ukraine startet Starrflügeldrohnen über russischem Territorium, laut Verteidigungsministerium
- Luftalarme in Kiew wegen ballistischer Raketenbedrohung ausgelöst
- Explosionen in Kiew gehört, als russische Raketen die Hauptstadt treffen
- Sobianin meldet 600 Drohnen über der Region Moskau, 201 abgefangen
Opfer und Schäden auf russischem Boden
In der an die Ukraine grenzenden Region Rostow bestätigte Gouverneur Juri Sljusar drei getötete Zivilisten in einem Wohngebiet, während in neun Bezirken der Region über 150 Drohnen abgeschossen wurden. El Mundo und RFI berichteten von fünf Toten in Rostow. In der Region Moskau erklärte Gouverneur Andrei Worobjow, ein 83-jähriger Mann sei gestorben, als eine Drohne auf sein Haus fiel, und meldete 187 in der Region abgefangene Drohnen – eine Zahl, die von Sobianins 201 abweicht. Worobjow bezeichnete den Angriff als „einen der massivsten Drohnenangriffe der jüngeren Vergangenheit.“ Auch in der Region Belgorod wurde ein Todesfall gemeldet. Russische Behörden gaben an, dass im Juli mindestens 201 Zivilisten bei ukrainischen Angriffen, meist Drohnenangriffen, gestorben seien, während die unabhängige russische Gruppe Conflict Intelligence Team für diesen Monat 634 zivile Opfer auf beiden Seiten schätzte, etwa zwei Drittel davon Ukrainer.
In Domodedowo, etwa 20 Kilometer südlich von Moskau, wurde ein Pharma-Lager getroffen und geriet in Brand, schwarzer Rauch war mehrere Kilometer weit zu sehen. In Podolsk, 36 Kilometer vom Zentrum Moskaus entfernt, wurde ein Wildberries-E-Commerce-Lager, das mit rund 200.000 Quadratmetern größte Lager Russlands, ebenfalls getroffen und stand in Flammen. Alle Mitarbeiter seien rechtzeitig evakuiert worden, teilte das Unternehmen mit.
Russische Angriffe auf die Ukraine
Russland griff gleichzeitig ukrainische Städte mit Drohnen und ballistischen Raketen an. In Krywyj Rih, dem Geburtsort von Präsident Wolodymyr Selenskyj, traf eine Salve das Stahlwerk ArcelorMittal, einen der größten Stahlproduzenten der Ukraine, tötete zwei Menschen und verletzte 14. Das Werk stellte den Betrieb teilweise ein, nachdem seine Hauptproduktionsanlagen beschädigt worden waren. In der Region Saporischschja starben zwei Menschen und einer in der Grenzregion Sumy, so El Mundo. In Kiew lösten ballistische Raketen kurz nach 2:00 Uhr morgens Luftalarme aus, kurz vor 3:00 Uhr waren Explosionen zu hören. Im Bezirk Obolonskyj brach nach herabfallenden Trümmern ein Feuer in einem Nichtwohngebäude aus, mehrere Fahrzeuge brannten. Der Kiewer Freiluft-Buchmarkt in Pochaina, bekannt für seltene und antiquarische Bände, geriet in Brand.
Der Buchhändler Dmitro Semenuja, 45, sah zu, wie seine vier Stände verbrannten.
Vorher gab es einen Laden. Und Bücher, und Flaggen aller Länder. Tonnen von allem. Und das ist, was übrig geblieben ist.
- Angriffsdrohnen
- 1550
- Lenkbomben
- 1560
- Raketen
- 62
Selenskyjs Reaktion
Präsident Selenskyj erklärte in einem Social-Media-Beitrag: „Wo immer die Russen mit ihren ballistischen Raketen hinkommen, greifen sie zivile Infrastruktur an.“ Er sagte, allein in der vergangenen Woche seien ukrainische Städte mit „mehr als 1.550 Angriffsdrohnen, fast 1.560 Lenkbomben und 62 Raketen“ angegriffen worden, und erneuerte seine Forderung an die Verbündeten, mehr Luftabwehrsysteme zu liefern. Die grenzüberschreitende Eskalation erfolgt zu einem Zeitpunkt, da die Zahl der zivilen Opfer in der Ukraine den höchsten Stand seit den ersten Kriegsmonaten erreicht hat, die Russland im Februar 2022 begonnen hatte.


