
Mindestens 26 Männer und Jungen ertrinken in Deutschland am heißesten Wochenende des Jahres – DLRG warnt vor Übermut und Alkohol
Rettungsdienste in ganz Deutschland reagierten von Freitag bis Sonntag auf eine Welle tödlicher Badeunfälle. Die Wasserrettungsorganisation DLRG zählte mindestens 26 Tote, keines davon weiblich.
Die Bilanz eines heißen Wochenendes
Deutschland verzeichnete laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zwischen Freitag und Sonntag mindestens 26 tödliche Ertrinkungsfälle. Die Zahl umfasst vermisste Personen, die vermutlich ertrunken, aber noch nicht geborgen wurden. Die Opfer reichten von einem sechsjährigen Jungen, der beim Spielen am Rhein-Herne-Kanal in Herne verschwand, bis zu einem 61-jährigen Mann, der trotz Badeverbots um 5:30 Uhr morgens in den Schiedersee in Lippe ging. Allein in Nordrhein-Westfalen kamen acht Menschen in Seen, Flüssen und einer stillgelegten Kiesgrube ums Leben, was großangelegte Suchaktionen mit Tauchern und Hubschraubern auslöste.
Wir sehen immer wieder, dass insbesondere Männer ihre Fähigkeiten überschätzen und Risiken eingehen, die vermeidbar wären.
Warum Männer die Statistik dominieren
Alle an diesem Wochenende registrierten Todesfälle waren männlich. Die DLRG erklärte, das Muster spiegele die jährlichen Zahlen wider: 2025 waren 82 Prozent der 393 Ertrinkungsopfer in Deutschland Männer. Bei den 11- bis 30-Jährigen starben 73 Menschen, nur eine davon weiblich. Das Ungleichgewicht ist so eklatant, dass DLRG-Präsidentin Ute Vogt und andere Experten es auf eine Kombination von Übermut, Gruppenzwang und Alkoholkonsum zurückführen.
Männer unterschätzen Strömungen und Gefahren oder nehmen sie in Kauf und sterben dann tragischerweise.
Felix Rebitschek, Leiter des Harding-Zentrums für Risikokompetenz, sagte dem öffentlich-rechtlichen Sender WDR, qualitative Daten von Rettungsorganisationen zeigten, dass Männer häufiger unvorbereitet und unter Alkoholeinfluss ins Wasser gehen. Die WHO schätzt, dass Alkohol in der europäischen Region bei rund 26 Prozent aller tödlichen Ertrinkungsfälle eine Rolle spielt.
- Männlich
- 72 Personen
- Weiblich
- 1 Personen
Die versteckten Risiken unbeaufsichtigter Gewässer
Die Todesfälle des Wochenendes ereigneten sich in Seen, Baggerseen, Flüssen und Kanälen, fast alle unbewacht. Solche Gewässer haben keine markierten Bahnen, bekannte Tiefen oder ausgebildete Rettungsschwimmer. Die DLRG warnt, dass Baggerseen oft steile, plötzliche Abhänge haben, während Flüsse selbst nahe des Ufers starke Strömungen aufweisen. Kälteschock kann an heißen Tagen, wenn der Körper bereits durch Hitze belastet ist, zu Kreislaufversagen führen. Kopfsprünge in unbekanntes Wasser wurden als weiterer häufiger Auslöser tödlicher Unfälle genannt.
Das Wissen um die eigenen körperlichen Fähigkeiten hat insgesamt nachgelassen. Männer und Jungen neigen dazu zu glauben, sie könnten mehr, und überschätzen daher ihre eigenen Fähigkeiten.
Durchsetzung und Sensibilisierung
Allein in Düsseldorf ermahnten städtische Beamte am Wochenende 277 Menschen am Rhein und leiteten 25 Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen illegalen Badens ein. Die Stadt unterhält rund 70 Warnschilder mit Piktogrammen und Text in Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch und Ukrainisch, doch einige Besucher ignorieren sie. Frank Zantis von der DLRG Nordrhein merkte an, dass selbst bildliche Warnungen die Menschen, insbesondere Jugendliche, nicht immer abschrecken.
- 14-jähriger Junge verschwindet von einem Boot im Badesee Echtz, Düren; Leiche am Sonntag geborgen.
- 18-Jähriger ertrinkt im Baldeneysee, Essen, nachdem er hineingesprungen ist. 61-Jähriger stirbt im Schiedersee, Lippe.
- Sechsjähriger Junge wird vermisst, während er am Rhein-Herne-Kanal in Herne spielt; leblos aufgefunden.
- 39-jähriger Mann verschwindet im Neffelsee, Zülpich, nachdem er 150 m vom Ufer um Hilfe gerufen hat; Suche läuft.
- 45-Jähriger leblos aus dem Seepark Lünen, Dortmund, geborgen; stirbt im Krankenhaus. 41-Jähriger ertrinkt im Angermunder See, Düsseldorf.
- Leiche eines Mannes aus dem Rhein bei Rees geborgen; Polizei prüft möglichen Zusammenhang mit gekenterten Kanufahrern.
Stimmen vom Ufer
Ein Rettungsschwimmer, der für Focus schrieb, beschrieb, wie Väter zu entfernten Bojen schwimmen, um ihre Kinder zu beeindrucken, und Gruppen junger Männer, die sich gegenseitig anstacheln, weiter zu gehen. Er argumentierte, dass eine Kultur, die Vorsicht mit Schwäche gleichsetzt, Männer in Gefahr bringt. Diese Beobachtung fand ein Echo im wiederkehrenden Appell der DLRG: Schwimmen Sie nur an bewachten Stellen, bleiben Sie nüchtern, beaufsichtigen Sie Kinder und kehren Sie um, solange Sie noch Kraft haben.


