Italien und Deutschland haben Vorstöße zurückgewiesen, westliche Militäroperationen auf die Straße von Hormus auszuweiten. Während europäische Regierungen ein stärkeres Hineingezogenwerden in den Regionalkonflikt vermeiden wollen, betonen die USA und Südkorea die zentrale Bedeutung der Meerenge für die Weltwirtschaft. In Brüssel wird zugleich über einen von den Vereinten Nationen getragenen Sicherheitsmechanismus nachgedacht.

Rom und Berlin lehnen Ausweitung ab

Italien und Deutschland sprechen sich gegen eine Ausdehnung westlicher Militäreinsätze auf die Straße von Hormus aus und verweisen auf politische und operative Grenzen bestehender Mandate.

USA und Südkorea betonen wirtschaftliche Relevanz

Washington und Seoul unterstreichen die zentrale Bedeutung der Meerenge für die Weltwirtschaft, nannten aber keine konkreten vereinbarten Schutzmaßnahmen.

EU prüft UNO-gestützten Ansatz

Nach einem ANSA-Bericht erwägt die EU ein von den Vereinten Nationen getragenes Modell nach dem Vorbild des ukrainischen Getreidekorridors statt eines direkten EU- oder NATO-Einsatzes.

London signalisiert begrenzte Handlungsbereitschaft

Keir Starmer kündigte den Schutz britischer Interessen an, schloss aber eine Beteiligung an einem größeren Krieg aus.

Italien und Deutschland haben sich am Montag gegen Vorschläge gestellt, westliche Militäroperationen auf die Straße von Hormus auszudehnen. Europäische Regierungen bemühen sich damit erkennbar, ein tieferes Hineingezogenwerden in den regionalen Konflikt zu vermeiden. Die Vereinigten Staaten und Südkorea hoben zugleich die besondere Bedeutung der Wasserstraße für die Weltwirtschaft hervor.

Die Straße von Hormus liegt zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel und zählt zu den strategisch wichtigsten maritimen Engpässen der Welt. Ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und Flüssigerdgasexporte passiert die Meerenge. Deshalb ist sie regelmäßig Gegenstand internationaler Sicherheitsdebatten. Die Europäische Union hat in angrenzenden Gewässern bereits Marineeinsätze durchgeführt, darunter Operation Atalanta sowie die jüngst eingerichtete Aspides-Mission. Beide Einsätze verfügen derzeit über klar definierte geografische Mandate, die sich nicht auf die Straße von Hormus erstrecken.

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sagte, ein Vorgehen in der Straße von Hormus wäre ein Schritt hin zu einer Beteiligung an dem Konflikt. Italiens Vize-Ministerpräsident und Außenminister Antonio Tajani bekräftigte diese Linie. Er äußerte Zweifel an einer Ausweitung der Aspides-Mission auf die Meerenge und erklärte, sowohl Atalanta als auch Aspides sollten innerhalb ihrer bisherigen Mandate bleiben. Auch Deutschland meldete Vorbehalte an und erklärte, dass NATO für die Straße von Hormus nicht zuständig sei. Das übereinstimmend vorsichtige Vorgehen aus Rom und Berlin verweist auf eine breitere Zurückhaltung wichtiger europäischer Staaten, zusätzliche militärische Mittel für ein neues Einsatzgebiet bereitzustellen, während der Kontinent bereits an anderer Stelle sicherheitspolitisch gefordert ist.

Washington und Seoul betonen die wirtschaftliche Bedeutung der Meerenge US-Außenminister Marco Rubio und Südkoreas Außenminister Cho Tae-yul waren sich nach Angaben aus Seoul einig, dass die Straße von Hormus für die Weltwirtschaft von zentraler Bedeutung ist. Diese Übereinstimmung zwischen Washington und Seoul bei der Bewertung der ökonomischen Relevanz der Meerenge steht im Kontrast zur vorsichtigeren Haltung europäischer Regierungen. Rubio, der seit 2025 als 72. Außenminister der Vereinigten Staaten im Amt ist, führt seit geraumer Zeit diplomatische Konsultationen mit Außenministern verbündeter Staaten zu Fragen der regionalen Sicherheit. Aus der Mitteilung aus Seoul ging laut dem Reuters-Bericht nicht hervor, welche konkreten Maßnahmen beide Seiten zur Sicherung der Meerenge erörtert haben. Die unterschiedlichen Bewertungen in den USA und in Europa, wie auf Bedrohungen in der Straße von Hormus reagiert werden sollte, spiegeln eine weitergehende Spannung innerhalb des westlichen Bündnisses über Lastenteilung und die geografische Reichweite gemeinsamer Sicherheitszusagen wider.

EU prüft einen von der UNO getragenen Korridor nach dem Vorbild des ukrainischen Getreideabkommens Die Europäische Union erwägt laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ANSA eine UN-Mission für die Straße von Hormus, die sich am Getreidekorridor für ukrainische Exporte orientiert. Der Vorschlag sähe einen von den Vereinten Nationen geführten Rahmen vor, der eine sichere Passage durch die Meerenge gewährleisten soll, statt eines direkten militärischen Einsatzes der EU oder der NATO. Ein solcher Ansatz würde es europäischen Regierungen ermöglichen, die Freiheit der Schifffahrt zu unterstützen, ohne eigene Marineeinheiten in ein neues Einsatzgebiet zu entsenden. Damit würden zugleich die von Italien und Deutschland vorgetragenen Bedenken aufgegriffen. Das Modell des Getreidekorridors war bereits in einer politisch heiklen Lage genutzt worden, in der ein unmittelbares militärisches Eingreifen westlicher Staaten nicht praktikabel war. Gerade deshalb gilt es als naheliegende Vorlage für ein ähnlich komplexes Szenario. Einen bestätigten Zeitplan oder eine formale Entscheidung zu dem Vorschlag gab es in den ausgewerteten Quellen nicht.

Starmer kündigt Schutz britischer Interessen an und schließt größeren Krieg aus Der britische Premierminister Keir Starmer sagte nach Angaben von ANSA, Großbritannien werde seine Interessen schützen, sich aber nicht auf einen umfassenden Konflikt einlassen. Starmer, der seit 2024 Premierminister ist, beschrieb die britische Position damit als abgewogene Beteiligung, nicht als vollständige Enthaltung, aber auch nicht als zeitlich oder inhaltlich offene militärische Verpflichtung. Seine Äußerung entsprach im Grundton den Stellungnahmen anderer europäischer Regierungschefs. Sie alle bemühten sich, eine Grenze zwischen dem Schutz konkreter nationaler oder wirtschaftlicher Interessen und einem Hineingezogenwerden in eine breitere regionale Konfrontation zu ziehen. Die europäische Linie, die sich aus den Äußerungen vom Montag abzeichnet, legt nahe, dass jede multilaterale Antwort auf Sicherheitsrisiken in der Straße von Hormus innerhalb des Bündnisses auf erhebliche politische Grenzen stoßen würde. Die von der EU erwogene, von den Vereinten Nationen getragene Lösung könnte vor diesem Hintergrund der gangbarste Weg sein, weil zentrale Mitgliedstaaten einer unmittelbaren militärischen Ausweitung in der Region ablehnend gegenüberstehen.