UniCredit hat am 16. März 2026 ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt. Die Offerte bewertet das Institut mit rund 35 Milliarden Euro beziehungsweise 30,8 Euro je Aktie. In Berlin und bei der Commerzbank selbst stieß der Vorstoß umgehend auf Ablehnung; auch an der Börse in Polen löste er Reaktionen aus.

UniCredit legt Offerte vor

Die italienische Großbank bietet seit dem 16. März 2026 0,485 UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie und bewertet das Institut mit rund 35 Milliarden Euro beziehungsweise 30,8 Euro je Aktie.

Berlin und Commerzbank lehnen ab

Bundesregierung, Behörden und das von Bettina Orlopp geführte Management der Commerzbank weisen den Schritt zurück und bezeichnen ihn als feindlichen Vorstoß.

30-Prozent-Schwelle im Fokus

UniCredit will seinen Anteil über 30 Prozent erhöhen. Ab dieser Schwelle greifen nach deutschem Recht regulatorische Pflichten.

mBank profitiert an der Börse

Die Aktie der polnischen Commerzbank-Tochter mBank legte deutlich zu, weil Anleger auf ein mögliches Pflichtangebot an Minderheitsaktionäre nach polnischem Recht setzen.

Regulatorische Hürden bleiben hoch

Wegen der systemrelevanten Bedeutung der Commerzbank müsste ein Kontrollwechsel von mehreren deutschen und europäischen Aufsichtsbehörden genehmigt werden.

UniCredit hat am 16. März 2026 ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für die Commerzbank gestartet und bietet 0,485 UniCredit-Aktien für jede Commerzbank-Aktie. Damit bewertet die italienische Bankengruppe das deutsche Institut mit rund 35 Milliarden Euro oder 30,8 Euro je Aktie. Der von Konzernchef Andrea Orcel geführte Mailänder Finanzkonzern will seinen Anteil an der Commerzbank über die Schwelle von 30 Prozent hinaus erhöhen, ab der nach deutschem Recht andernfalls zwingende regulatorische Pflichten ausgelöst würden. Die Ankündigung rief umgehend deutlichen Widerstand in Berlin hervor. Deutsche Behörden bezeichneten den Schritt als feindliche Übernahme. Auch das Management der Commerzbank wies das Angebot zurück und lehnte Gespräche mit UniCredit ab. Die Offerte markiert eine weitere Zuspitzung eines seit Monaten laufenden Werbens der italienischen Bank um eines der systemrelevanten Finanzinstitute Deutschlands.

Berlin bezeichnet den italienischen Vorstoß als feindlichen Schritt Die Reaktion der Bundesregierung fiel schnell und eindeutig aus. Vertreter beschrieben das Angebot als Versuch einer feindlichen Übernahme eines Instituts, das für die deutsche Wirtschaft als systemrelevant gilt. Auch die Führung der Commerzbank unter Vorstandschefin Bettina Orlopp habe das Angebot zurückgewiesen und es abgelehnt, in Gespräche mit UniCredit einzutreten, berichtete ANSA. Der Widerstand des deutschen Staates und der Bankführung verweist auf seit Langem bestehende Vorbehalte in Berlin gegen eine ausländische Kontrolle über einen großen heimischen Kreditgeber. Nach Angaben des polnischen Finanzmediums Parkiet sieht das Angebot ein Umtauschverhältnis von 0,485 UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie vor. Daraus ergebe sich ein Preis von 30,8 Euro je Commerzbank-Aktie und eine Gesamtbewertung von rund 35 Milliarden Euro. Ein bei Niezalezna.pl veröffentlichter Kommentar sprach von einem doppelten Maßstab in der deutschen Haltung. Berlin stufe das Angebot als feindlich ein, obwohl Deutschland selbst in anderen europäischen Märkten auf eine Geschichte grenzüberschreitender Unternehmensübernahmen zurückblicke.

UniCredit stieg den Ergebnissen von Websuchen zufolge erstmals im September 2024 bei der Commerzbank ein und baute seinen Anteil danach schrittweise aus, ohne ein formelles Angebot vorzulegen, solange der politische Widerstand in Deutschland anhielt. Die Commerzbank ist eine der beiden größten börsennotierten Banken Deutschlands und wurde historisch als systemrelevant für das deutsche Finanzsystem betrachtet. Die Bundesregierung hält einen bedeutenden Anteil an der Commerzbank. Dabei handelt es sich um ein Erbe der staatlichen Rettung der Bank in der Finanzkrise von 2008.

mBank-Aktie steigt deutlich wegen Spekulationen über Pflichtangebot Die Ankündigung ließ den Kurs der mBank, der polnischen Tochter der Commerzbank, deutlich steigen. Anleger begannen, die Möglichkeit eines Pflichtangebots für die verbleibenden mBank-Aktien einzupreisen. Laut Parkiet spekulieren Marktteilnehmer darauf, dass eine erfolgreiche Übernahme der Commerzbank durch UniCredit die italienische Gruppe nach polnischem Kapitalmarktrecht dazu verpflichten könnte, den Minderheitsaktionären der mBank ein formelles Angebot zu unterbreiten. Der Kursanstieg der mBank-Aktie spiegelt die breitere Markteinschätzung wider, dass ein Kontrollwechsel auf Ebene der Muttergesellschaft unmittelbare Folgen für die Eigentümerstruktur der polnischen Tochter haben könnte. Damit erhält der Übernahmekonflikt eine grenzüberschreitende Dimension. Polnische Kapitalmärkte und Aufsichtsbehörden werden damit zu möglichen Beteiligten des weiteren Verlaufs. Parkiet veröffentlichte den Bericht unter der Überschrift „mBank shares shoot up — investors betting on a bid following UniCredit's move“ und hob damit die direkte Verbindung hervor, die der Markt zwischen den Entwicklungen in Frankfurt und Warschau zieht.

35 (billion euros) — Bewertung der Commerzbank durch UniCredit im Angebot

UniCredit bid terms for Commerzbank: Offer price per share (before: Market price before bid, after: 30.8 euros per share); Exchange ratio (before: No offer, after: 0.485 UniCredit shares per Commerzbank share); UniCredit stake target (before: Below 30%, after: Above 30%)

Italienischer Wissenschaftler mahnt zur Vorsicht beim Szenario vollständiger Kontrolle Eine italienische wissenschaftliche Einschätzung zu der Transaktion lieferte ein von Adnkronos als Degl'Innocenti von der Universität Mailand bezeichneter Kommentator. Er argumentierte, ein begrenzter Aufschlag im Angebot könne UniCredit dabei helfen, eine vollständige Kontrolle über die Commerzbank zu vermeiden. Ein solches Szenario würde zusätzliche regulatorische und politische Komplikationen mit sich bringen. Die von UniCredit gewählte Struktur eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots ist dabei selbst von Bedeutung. Sie erlaubt es der italienischen Bank, ihren Anteil über die Schwelle von 30 Prozent hinaus zu erhöhen und den Schritt zugleich als marktbasiertes Angebot statt als erzwungene Übernahme darzustellen. Die deutsche Finanzzeitung N-tv berichtete, Analysten hätten infrage gestellt, ob die Offerte im herkömmlichen Sinn überhaupt ein echtes Übernahmeangebot sei. Eine dort zitierte Einschätzung lautete, es handle sich „eigentlich gar nicht um ein Übernahmeangebot“, was auf die Komplexität der strategischen Absichten von UniCredit verweise. Der systemrelevante Status der Commerzbank bedeutet zudem, dass jeder Kontrollwechsel die Zustimmung mehrerer europäischer und deutscher Aufsichtsbehörden erfordern wird. Das erhöht die Unsicherheit über den Zeitplan und den Ausgang des Angebots. Le Monde bezeichnete den Schritt als „neue Offensive“ von UniCredit, um die Commerzbank zu einem Zusammenschluss zu bewegen. Das spiegele die Einschätzung europäischer Finanzbeobachter wider, dass die italienische Bank ihr Werben trotz des politischen Gegenwinds aus Berlin kaum aufgeben dürfte.