Die Einführung eines neuen SAP-Informationssystems in der öffentlichen Verwaltung von Sachsen und Sachsen-Anhalt hat zu weitreichendem Chaos bei der Zahlungsabwicklung geführt. Behörden haben die Kontrolle über Überweisungen in Millionenhöhe verloren, was die Arbeit von Hochschulen, Polizei und Bußgeldstellen lähmt.
Lähmung der Hauptkasse Sachsen
Softwarefehler verhindern die korrekte Zuordnung von Einnahmen und die Ausführung von Auszahlungen in der Region.
Krise an Hochschulen
Mindestens acht Hochschulen können den Status von Semesterbeiträgen in Millionenhöhe nicht verifizieren.
Aussetzung der Bußgeldvollstreckung
Die Zentrale Bußgeldstelle hat den Versand von Mahnungen und Vollstreckungsverfahren aufgrund von Systemfehlern ausgesetzt.
Problem in zwei Bundesländern
Identische Probleme mit dem Finanzsystem wurden auch im benachbarten Sachsen-Anhalt festgestellt.
Die Einführung eines neuen SAP-Informationssystems in der öffentlichen Verwaltung von Sachsen und Sachsen-Anhalt hat zu weitreichendem Chaos bei der Zahlungsabwicklung geführt, wie der MDR am 12. März 2026 berichtete. In Sachsen verzeichnete die Hauptkasse Sachsen die schwerwiegendsten Probleme und verlor die Kontrolle über Transaktionen in Millionenhöhe. Der Softwarefehler verhindert eine präzise Nachverfolgung von Einnahmen und Ausgaben, was sich direkt auf die Funktionsfähigkeit zentraler Landesinstitutionen auswirkt. Die Vorbereitungen für diese digitale Transformation in der sächsischen Finanzverwaltung dauerten fast fünf Jahre, doch der Umstieg auf das neue Betriebssystem löste einen behördlichen Stillstand aus.
Die Folgen des Fehlers betrafen mindestens acht Hochschulen in Sachsen, wo Studierende und Verwaltung mit unklarem Status der Semesterbeiträge kämpfen. Das System kann nicht verifizieren, ob die erforderlichen Beträge eingezahlt wurden, was Unsicherheit in Rekrutierungs- und Verwaltungsprozessen schafft. Die Probleme betrafen auch Strafverfolgungs- und Justizbehörden. Die Zentrale Bußgeldstelle in Sachsen musste Mahn- und Vollstreckungsverfahren vollständig aussetzen, da Beamte unsicher sind, welche Geldstrafen bereits von Bürgern beglichen wurden.
Die öffentliche Verwaltung in Deutschland durchläuft seit Jahren einen auf Lösungen des Softwarekonzerns SAP basierenden Digitalisierungsprozess. SAP ist einer der größten Anbieter von Geschäftssoftware weltweit. In Sachsen-Anhalt ist Dataport für die IT-Infrastruktur verantwortlich, ein IT-Dienstleister für mehrere nord- und ostdeutsche Bundesländer. Ähnliche Einführungen von ERP-Systemen im öffentlichen Sektor waren aufgrund der komplexen rechtlichen und finanziellen Struktur von Behörden wiederholt mit vorübergehenden Schwierigkeiten verbunden.
Nach Recherchen von MDR Investigativ treten identische Schwierigkeiten in Sachsen-Anhalt auf, wo das Informationssystem ebenfalls Anfang 2026 gewechselt wurde. Die dortige Landeskasse und Bußgeldstellen kämpfen mit einem ähnlichen Mangel an Transparenz in den Geldflüssen. Das Finanzministerium Sachsen-Anhalt unter der Leitung von Michael Richter kündigte an, sich am Freitag, den 13. März 2026, offiziell zum Ausmaß der Probleme zu äußern. Derzeit laufen Arbeiten zur Wiederherstellung der vollen Systemfunktionalität, doch das Ausmaß der Rückstände bei der Zahlungsbuchhaltung bleibt unbekannt.
Einführung des SAP-Systems und Eskalation der Probleme: März 2021 — Beginn der Vorbereitungen; Januar 2026 — Systemwechsel; 12. März 2026 — MDR-Bericht; 13. März 2026 — Ankündigung von Erklärungen
Mentioned People
- Michael Richter — Finanzminister des Bundeslandes Sachsen-Anhalt