Der US-Bundesrichter James Boasberg hat am 13. März 2026 Vorladungen des Justizministeriums gegen den Vorsitzenden der Federal Reserve, Jerome Powell, und das Gouverneursgremium der Zentralbank untersagt.
Gerichtliche Blockade
Richter Boasberg untersagt die Vorladungen des Justizministeriums gegen die Fed-Führung.
Politischer Kontext
Die Untersuchung wird als Versuch gewertet, die Geldpolitik der Zentralbank unter Druck zu setzen.
Rechtliche Begründung
Das Gericht sieht keine faktische Grundlage für die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Powell.
Der US-Bundesrichter James Boasberg hat am 13. März 2026 Vorladungen des Justizministeriums gegen den Vorsitzenden der Federal Reserve, Jerome Powell, und das Gouverneursgremium der Zentralbank untersagt. Der Richter charakterisierte die strafrechtlichen Ermittlungen gegen die Führung der Fed als faktisch unbegründet und deutete an, dass der Schritt ein Versuch sei, die Geldpolitik zu beeinflussen. In seiner Entscheidung merkte Boasberg an, dass die Regierung im Wesentlichen keinerlei Beweise vorgelegt habe, um die rechtlichen Forderungen nach Unterlagen zu rechtfertigen. Die Entscheidung stellt einen bedeutenden juristischen Rückschlag für das Justizministerium in seinen laufenden Untersuchungen dar. Bundesstaatsanwälte hatten Dokumente im Zusammenhang mit Jerome Powells früherer Aussage vor dem Kongress angefordert. Das Justizministerium hat bereits seine Absicht bekundet, gegen die Entscheidung vor einem höheren Gericht Berufung einzulegen.
Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Jerome Powell wurden vom Justizministerium im Januar 2026 offiziell eingeleitet. Die Untersuchung konzentriert sich auf Aussagen, die der Fed-Vorsitzende während einer Anhörung im Juni 2025 vor dem Bankenausschuss des Senats getätigt hat. Während dieser Aussage beantwortete Jerome Powell Fragen zum Renovierungsprojekt des Hauptsitzes der Federal Reserve in Washington, D.C. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob Aspekte dieser Aussage einen Straftatbestand erfüllen könnten. Richter Boasberg beschrieb das Vorgehen zur Erlangung dieser Unterlagen jedoch als Ausdruck eines unangemessenen Motivs der Regierung. Der Richter verwies ausdrücklich auf das Fehlen von Beweisen zur Stützung der Vorladungen. Dieser Rechtsstreit findet vor dem Hintergrund eines anhaltenden öffentlichen Drucks des Weißen Hauses bezüglich der Unabhängigkeit der Zentralbank statt.
„A mountain of evidence suggests that the purpose of the subpoenas was simply to pressure the Fed to cut its key interest rate” (Ein Berg von Beweisen legt nahe, dass der Zweck der Vorladungen lediglich darin bestand, die Fed dazu zu drängen, ihren Leitzins zu senken) — James Boasberg via Reuters
Präsident Donald Trump hat Jerome Powell und die Weigerung der Federal Reserve, die Zinsen aggressiv zu senken, häufig kritisiert. Seit seiner Rückkehr ins Amt als 47. Präsident hat Donald Trump in verschiedenen öffentlichen Stellungnahmen die Notwendigkeit der Unabhängigkeit der Zentralbank in Frage gestellt. Die Entscheidung des Richters verknüpfte den Zeitpunkt und die Art der Vorladungen explizit mit dieser politischen Reibung zwischen der Exekutive und der Aufsichtsbehörde. Boasberg erklärte, die Untersuchung scheine ein Instrument zu sein, um die Fed zu einer Änderung ihres wirtschaftspolitischen Kurses zu bewegen. Jerome Powell leitet die Federal Reserve seit 2018, nachdem er ursprünglich von Donald Trump ernannt und später von Joe Biden erneut nominiert wurde. Die juristische Strategie der aktuellen Regierung gegen den Fed-Vorsitzenden wird von Rechtsexperten als seltene Herausforderung für die traditionelle Autonomie der Institution beschrieben.
Die Federal Reserve wurde durch den Federal Reserve Act von 1913 als unabhängige Einheit innerhalb der Regierung etabliert. Obwohl der Präsident den Vorsitzenden und die Mitglieder des Gouverneursrats ernennt, ist die Institution so konzipiert, dass sie vor kurzfristigem politischen Druck geschützt ist, um eine stabile Geldpolitik zu gewährleisten. Historisch gesehen haben mehrere Präsidenten die Politik der Fed kritisiert, doch direkte strafrechtliche Ermittlungen gegen einen amtierenden Fed-Vorsitzenden wegen administrativer Angelegenheiten sind ohne modernes Beispiel. Das Prinzip der Unabhängigkeit soll die Manipulation von Zinssätzen für politischen Gewinn verhindern. Jerome Powells derzeitige Amtszeit als Vorsitzender läuft bis Mai 2026.