Der polnische Senat hat eine weitreichende Reform der Nationalen Arbeitsaufsichtsbehörde verabschiedet, die es Inspektoren ermöglicht, zivilrechtliche Verträge per Verwaltungsakt in reguläre Arbeitsverhältnisse umzuwandeln.

Befugniserweiterung der PIP

Inspektoren können künftig zivilrechtliche Verträge per Verwaltungsakt in Arbeitsverträge umwandeln.

Übergangsfrist

Unternehmen erhalten eine zwölfmonatige Frist zur Anpassung ihrer Verträge an die neuen gesetzlichen Vorgaben.

Rechtliche Bedenken

Kritiker befürchten eine Zunahme von Rechtsstreitigkeiten und finanzielle Belastungen durch Sozialversicherungsbeiträge.

Am 13. März 2026 verabschiedete der polnische Senat eine Reform der Nationalen Arbeitsaufsichtsbehörde, die Inspektoren die Befugnis verleiht, zivilrechtliche Verträge sowie B2B-Vereinbarungen durch Verwaltungsentscheidungen in reguläre Arbeitsverträge umzuwandeln. Das Gesetz, das ohne Änderungen verabschiedet wurde, zielt darauf ab, die Praxis der sogenannten Müllverträge in Fällen zu unterbinden, in denen die Art der Tätigkeit die Kriterien eines Arbeitsverhältnisses erfüllt. Gemäß den neuen Bestimmungen kann ein Inspektor der PIP eine zukunftsgerichtete Entscheidung treffen, die faktisch ein formelles Arbeitsverhältnis zwischen den Parteien begründet. Das Gesetz wurde nun dem Präsidenten der Republik Polen zur Unterzeichnung vorgelegt. Die Nationale Arbeitsaufsichtsbehörde wurde 1919 in Polen gegründet, um die Arbeitsbedingungen und die Einhaltung des Arbeitsrechts zu überwachen. Über Jahre hinweg bestand die primäre Einschränkung der Aufsichtsbehörde darin, dass sie den rechtlichen Status eines Vertrages nicht einseitig ändern konnte, sondern ein Gerichtsurteil erforderlich war, um eine zivilrechtliche Vereinbarung als Arbeitsverhältnis einzustufen. Diese Reform stellt die bedeutendste Erweiterung der Exekutivbefugnisse der PIP in der Ära nach 1989 dar, nachdem jahrelang über die Verbreitung prekärer Beschäftigungsverhältnisse auf dem polnischen Arbeitsmarkt debattiert wurde. Die Reform führt eine signifikante Übergangsfrist ein, die Arbeitgebern zwölf Monate Zeit gibt, ihre bestehenden Verträge an die neuen gesetzlichen Anforderungen anzupassen. Dieser Zeitraum wurde während des Gesetzgebungsverfahrens von einem ursprünglichen Vorschlag von sechs Monaten verlängert, um Unternehmen ausreichend Zeit für interne Prüfungen und die Anpassung ihrer Lohnstrukturen zu geben. Die Ministerin für Familie, Arbeit und Sozialpolitik, Agnieszka Dziemianowicz-Bąk, hat die Entwicklung dieser Vorschriften als Teil eines umfassenderen Bestrebens zur Stärkung des Arbeitnehmerschutzes beaufsichtigt. Rechtsexperten, darunter Dr. Sylwester Redeł, Rechtsanwalt und Dekan der Bezirksanwaltskammer in Łódź, haben hervorgehoben, dass diese Änderungen die Dynamik zwischen Arbeitgebern und der staatlichen Aufsichtsbehörde grundlegend verändern werden. „To koniec umów śmieciowych w takim kształcie, jaki znamy; decyzja inspektora będzie miała teraz natychmiastową wagę administracyjną” (Dies ist das Ende der Müllverträge, wie wir sie kennen; die Entscheidung des Inspektors wird nun unmittelbare administrative Gewichtung haben) — Sylwester Redeł via Dziennik Łódzki Trotz der beabsichtigten Vorteile für Arbeitnehmer ist die Reform auf Kritik hinsichtlich ihrer praktischen Umsetzung und der potenziellen Auswirkungen auf das Geschäftsumfeld gestoßen. Marek Kobylański äußerte sich skeptisch über die Wirksamkeit der neuen Gesetze und deutete an, dass der den Arbeitnehmern gebotene Schutz weitgehend theoretisch bleiben könnte. Kritiker verweisen auf die Möglichkeit zunehmender verwaltungsrechtlicher Rechtsstreitigkeiten, da Unternehmen die Entscheidungen der Inspektoren vor Gericht anfechten könnten, was möglicherweise zu langwierigen juristischen Auseinandersetzungen führt. Während die einjährige Übergangsfrist dazu dienen soll, plötzliche Schocks für den Markt abzumildern, bleiben Unternehmen zudem besorgt über die finanziellen Auswirkungen der obligatorischen Sozialversicherungsbeiträge und der mit Vollzeitarbeitsverträgen verbundenen Arbeitnehmerleistungen. Reform der Befugnisse der PIP-Inspektoren: Vertragliche Neueinstufung (before: Erforderte ein arbeitsgerichtliches Urteil zur Änderung der Vertragsart, after: Inspektor kann per Verwaltungsentscheidung neu einstufen); Übergangsfrist (before: Sechs Monate im ursprünglichen Entwurf, after: Zwölf Monate in der endgültig verabschiedeten Fassung)