Polens Arbeitsaufsicht soll neue Befugnisse erhalten, um Scheinverträge per Verwaltungsentscheidung als Arbeitsverhältnisse einzustufen. Die Reform zielt auf verbreitete Umgehungen des Arbeitsrechts und ist an Vorgaben des Wiederaufbauplans geknüpft.

Arbeitsinspektion erhält neue Eingriffsbefugnisse

Die polnische Arbeitsaufsicht soll zivilrechtliche Verträge und Schein-B2B-Vereinbarungen per Verwaltungsentscheidung als Arbeitsverhältnisse einstufen können.

Übergangsfrist für Unternehmen

Firmen sollen ein Jahr Zeit bekommen, bestehende Vertragsstrukturen an die neuen Vorgaben anzupassen, bevor Sanktionen voll greifen.

Reform ist an EU-Mittel gekoppelt

Die Gesetzesänderung gilt als wichtiger Meilenstein im Nationalen Wiederaufbauplan und ist damit mit Auszahlungen aus EU-Wiederaufbaumitteln verknüpft.

Polens Staatliche Arbeitsinspektion soll neue Befugnisse erhalten, um zivilrechtliche Verträge und Schein-B2B-Vereinbarungen durch Verwaltungsentscheidungen in vollwertige Arbeitsverträge umzuwandeln, nachdem Sejm und Senat jüngst eine Änderung des Gesetzes über die Staatliche Arbeitsinspektion behandelt haben. Die Reform richtet sich unmittelbar gegen sogenannte Müllverträge, die von Arbeitgebern seit Langem genutzt werden, um reguläre arbeitsrechtliche Pflichten zu umgehen. Unternehmen sollen eine einjährige Übergangsfrist erhalten, um ihre bestehenden Verträge vor dem vollständigen Inkrafttreten der Durchsetzungsmechanismen an die neuen Vorschriften anzupassen. Die Gesetzgebung ist laut Websuchergebnissen außerdem einer der zentralen Meilensteine, die Polen erfüllen muss, um Auszahlungen aus dem Nationalen Wiederaufbauplan freizuschalten.

Nach dem neuen Rahmen sollen PIP-Inspektoren befugt sein, Verwaltungsentscheidungen zu erlassen, mit denen ein zivilrechtlicher Vertrag oder eine B2B-Vereinbarung als Arbeitsvertrag neu eingestuft wird, wenn die Merkmale eines Arbeitsverhältnisses vorliegen. Laut Websuchergebnissen stützt sich die Reform nicht allein auf eine administrative „Feststellung“ eines Arbeitsverhältnisses im traditionellen Sinn, sondern erweitert vielmehr den Schutz von Beschäftigten, ohne in jedem Fall ein Gerichtsverfahren zu verlangen. Dies bedeutet einen erheblichen Wandel gegenüber dem derzeitigen System, in dem Beschäftigte, die eine Neueinstufung anstreben, in der Regel langwierige und kostspielige Verfahren vor ordentlichen Gerichten führen müssen. Arbeitgebern, bei denen nach Ablauf der Übergangsfrist Scheinvereinbarungen festgestellt werden, könnten nach Angaben von Forsal.pl Sanktionen drohen. Familien-, Arbeits- und Sozialministerin Agnieszka Dziemianowicz-Bąk gilt als eine Schlüsselfigur, die mit dem Voranbringen der Reform im Gesetzgebungsprozess verbunden ist.

Der Rechtsanwalt und Doktor der Rechtswissenschaften Sylwester Redel hat sich öffentlich zu den praktischen Folgen des neuen Gesetzes für Beschäftigte und Arbeitgeber geäußert. Es wird erwartet, dass die Reform ein breites Spektrum von Branchen betrifft, in denen zivilrechtliche Verträge verbreitet sind, darunter Landwirtschaft, Logistik und Dienstleistungen. Wirtschaftsvertreter haben das Ergebnis laut Farmer.pl als schwierigen Kompromiss bezeichnet; das deutet darauf hin, dass Lobbying aus der Branche die endgültige Gestalt der Gesetzgebung beeinflusst hat. Das einjährige Anpassungsfenster soll Unternehmen ausreichend Zeit geben, ihre Personalstrukturen neu zu ordnen, Verträge neu zu verhandeln und Lohnabrechnung sowie Sozialbeitragspflichten entsprechend anzupassen. Die Vollstreckung von Verwaltungsentscheidungen, die PIP-Inspektoren erlassen, wird laut Websuchergebnissen verbindliche Rechtskraft haben.

Die Nutzung zivilrechtlicher Verträge als Ersatz für Arbeitsverträge ist seit Jahrzehnten ein dauerhaftes Merkmal des polnischen Arbeitsmarkts. Sie wird durch geringere Kosten für Arbeitgeber und in manchen Fällen durch ein höheres Nettogehalt für Beschäftigte begünstigt, die bereit sind, auf arbeitsrechtlichen Schutz zu verzichten. Kritiker argumentieren seit Langem, dass Müllverträge Beschäftigten den Zugang zu bezahltem Jahresurlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und vollem Sozialversicherungsschutz nehmen. Der Staatlichen Arbeitsinspektion fehlte bislang die Befugnis, Verträge eigenständig neu einzustufen, sodass die Durchsetzung von Gerichtsurteilen abhing. Die Meilenstein-Vorgabe im KPO verbindet die Reform mit Polens weitergehenden Verpflichtungen im EU-Rahmen für den Wiederaufbau nach der Pandemie und verleiht dem innerstaatlichen Gesetzgebungsprozess damit zusätzlich eine externe Fristendimension.