Der polnische Sejm hat am 13. März 2026 zwei bedeutende Gesetzesvorhaben verabschiedet, die vereinfachte Scheidungsverfahren ermöglichen und der Nationalen Arbeitsinspektion erweiterte Befugnisse zur Umwandlung von Arbeitsverträgen einräumen.
Außergerichtliche Scheidungen
Ab 2027 können einvernehmliche Scheidungen direkt beim Standesamt vollzogen werden, um Gerichte zu entlasten.
Stärkung der Arbeitsinspektion
Die PIP erhält die Befugnis, prekäre zivilrechtliche Verträge bei Vorliegen eines tatsächlichen Arbeitsverhältnisses in reguläre Arbeitsverträge umzuwandeln.
Übergangsfrist für Unternehmen
Arbeitgeber haben ein Jahr Zeit, um ihre Vertragsstrukturen an die neuen gesetzlichen Anforderungen anzupassen, bevor Sanktionen drohen.
Der Sejm verabschiedete am 13. März 2026 zwei wesentliche Gesetzesakte, die vereinfachte Scheidungsverfahren einführen und der Nationalen Arbeitsinspektion neue Befugnisse zur Neueinstufung von Arbeitsverträgen übertragen. Das erste Regelwerk ermöglicht den Abschluss von Scheidungen beim Standesamt (USC) anstelle eines herkömmlichen Gerichtsverfahrens. Diese Änderung soll die Auflösung von Ehen in Fällen beschleunigen, in denen beide Parteien einvernehmlich handeln. Nach der verabschiedeten Gesetzgebung sollen die neuen Scheidungsregeln im Jahr 2027 in Kraft treten. Während das Gesetz darauf abzielt, den Prozess zu straffen, wiesen Beamte darauf hin, dass nicht jede Ehe für diesen außergerichtlichen Weg in Frage kommen wird. In einem gleichzeitigen Schritt billigten die Gesetzgeber ein Gesetz, das die Befugnisse der Nationalen Arbeitsinspektion (PIP) erheblich ausweitet. Die neuen Vorschriften räumen Arbeitsinspektoren die Befugnis ein, zivilrechtliche Verträge, die oft als „Müllverträge“ bezeichnet werden, einseitig in reguläre Arbeitsverträge umzuwandeln. Diese Maßnahme zielt auf Situationen ab, in denen die Art der ausgeführten Arbeit der rechtlichen Definition eines Arbeitsverhältnisses entspricht, obwohl sie anders bezeichnet wird. Unternehmen erhalten eine einjährige Frist, um ihre bestehenden Verträge an die neuen PIP-Anforderungen anzupassen, bevor ihnen mögliche Durchsetzungsmaßnahmen drohen. Dr. Sylwester Redel, ein Rechtsanwalt, kommentierte die arbeitsrechtlichen Änderungen und betonte, dass die Reform das Ende der weit verbreiteten Nutzung prekärer zivilrechtlicher Vereinbarungen auf dem polnischen Markt bedeuten könnte. Obwohl die einjährige Übergangsfrist den Arbeitgebern Zeit zur Einhaltung gibt, führt die Gesetzgebung auch die Möglichkeit von Sanktionen für diejenigen ein, die es versäumen, unzulässige Vertragsstrukturen zu korrigieren. Die Reform ist Teil eines umfassenderen Bestrebens, den Arbeitsmarkt zu stabilisieren und den Arbeitnehmerschutz zu verbessern. Die Debatte um „Müllverträge“ in Polen ist seit über einem Jahrzehnt ein zentrales Thema der Arbeitsmarktpolitik. Kritiker argumentieren seit langem, dass diese Vereinbarungen Arbeitnehmern Sozialversicherungsleistungen und Stabilität vorenthalten, während Befürworter die Flexibilität für Arbeitgeber hervorhoben. Frühere gesetzgeberische Bemühungen zur Eindämmung ihrer Nutzung umfassten die Einführung eines Mindeststundenlohns für Auftragsverträge im Jahr 2017, doch fehlte der Nationalen Arbeitsinspektion bisher die direkte Befugnis, diese ohne gerichtliche Entscheidung neu einzustufen. Die Umsetzung dieser Gesetze markiert einen bedeutenden Wandel in der Verwaltung des Familien- und Arbeitsrechts in Polen. Der Schritt hin zu administrativen Scheidungen spiegelt einen wachsenden Trend zur „Entjudicialisierung“ in europäischen Rechtssystemen wider, der darauf abzielt, die Belastung der überlasteten Gerichtsregister zu verringern. Unterdessen stellt die Stärkung der PIP eine der substanziellsten Erweiterungen der Aufsichtskapazitäten der Behörde seit ihrer Gründung dar. Zeitplan der gesetzlichen Umsetzung: — ; — ; —