Eine Äußerung von Rheinmetall-Chef Armin Papperger hat in der Ukraine für deutliche Empörung gesorgt. In einem Interview mit The Atlantic stellte er die dortige Drohnenproduktion mit abfälligen Worten infrage. Rheinmetall sah sich zwei Tage später zu einer öffentlichen Klarstellung veranlasst.
Papperger löst Empörung in Kiew aus
Der Rheinmetall-Chef stellte die ukrainische Drohnenproduktion in The Atlantic abwertend dar und verglich sie mit Spielbausteinen.
Ukrainische Reaktion fällt scharf aus
Vertreter aus Politik und Industrie verwiesen auf die militärische Wirkung ukrainischer Drohnen und attackierten Pappergers Wortwahl.
Rheinmetall veröffentlicht Klarstellung
Das Unternehmen sprach später von Respekt für die ukrainischen Anstrengungen und betonte die Innovationskraft des Landes.
Konflikt trifft auf laufende Lieferprobleme
Die Debatte fiel in eine Phase, in der es bereits Spannungen um Waffenlieferungen und den blockierten EU-Kredit für Kiew gab.
Rheinmetall-Chef Armin Papperger hat nach einem Interview in The Atlantic vom 27. März 2026 eine scharfe diplomatische und öffentliche Reaktion ausgelöst. Darin spielte er die ukrainische Drohnenindustrie herunter und sprach in Bezug auf die Produktion in Küchen von „Hausfrauen“, die mit 3D-Druckern arbeiteten. Auf die Frage des Journalisten Simon Shuster nach der Bedeutung der ukrainischen Produktion unbemannter Luftfahrzeuge stellte Papperger die technologische Leistungsfähigkeit des Sektors infrage und verglich den Herstellungsprozess mit dem Zusammenbauen von Spielbausteinen. „So spielt man mit Legos. Was ist die Innovation der Ukraine? Sie haben 3D-Drucker in der Küche, und sie produzieren Teile für Drohnen. Das ist keine Innovation.” — Armin Papperger via The Atlantic Papperger nannte außerdem zwei der größten ukrainischen Drohnenproduzenten, Fire Point und Skyfall, die zusammen Hunderttausende Drohnen pro Monat herstellen, und tat sie mit der Bemerkung ab, das seien „ukrainische Hausfrauen“. Die Äußerungen lösten umgehend scharfe Reaktionen von ukrainischen Regierungsvertretern, Akteuren der Verteidigungsindustrie und der breiten Öffentlichkeit aus. Daraus entwickelte sich eine Kontroverse, die Rheinmetall innerhalb von zwei Tagen zu einer öffentlichen Klarstellung zwang.
Ukrainische Vertreter und Drohnenhersteller reagieren scharf Oleksandr Kamyshin, ein Berater von Präsident Volodymyr Zelenskyy für strategische Fragen, reagierte am 28. März im sozialen Netzwerk X und wies Pappergers Darstellung der ukrainischen Produktion direkt zurück. „Unsere Lego-Drohnen, gebaut von Hausfrauen in ihren Küchen, haben bereits mehr als 11.000 russische Panzer zerstört.” — Oleksandr Kamyshin via The Guardian Kamyshin schrieb außerdem, dass er jedes Jahr mehr als 200 militärische Produktionsstätten besuche und dort regelmäßig ukrainische Frauen an der Seite von Männern in den Werkhallen sehe. Auch die ukrainische Ministerpräsidentin Yulia Svyrydenko äußerte sich am 29. März und verteidigte die Verteidigungsindustrie des Landes in deutlichen Worten. „Die Menschen in der Ukraine verdienen nicht nur größten Respekt, sondern auch Gehör — und dass man von ihnen lernt. Ja, die europäische Verteidigung wird von ukrainischen „Hausfrauen“ angetrieben.” — Yulia Svyrydenko via The Guardian Svyrydenko setzte an ihren Beitrag den Hashtag MadeByHousewives. Der Begriff hatte sich zuvor bereits in den ukrainischen sozialen Netzwerken verbreitet, zusammen mit dem parallelen Hashtag #LEGODrones. Der Drohnenhersteller Skyfall reagierte ebenfalls und sagte The Atlantic, wenn Drohnen, gebaut von ukrainischen „Hausfrauen“, Panzer und Artillerie zerstören könnten, dann habe das Zeitalter der Hausfrauen offiziell begonnen.
Rheinmetall rudert zurück und verweist auf ukrainische „Innovationskraft“ Am Nachmittag des 29. März veröffentlichte Rheinmetall auf seinem offiziellen X-Konto eine Stellungnahme, in der das Unternehmen Kamyshin direkt markierte und die Auseinandersetzung entschärfen wollte. Rheinmetall erklärte, man habe großen Respekt vor den gewaltigen Anstrengungen des ukrainischen Volkes, sich gegen die russische Aggression zu verteidigen, die seit mehr als vier Jahren andauere. „Das besondere Verdienst der Ukraine ist, dass sie den Kampf auch mit begrenzten Ressourcen sehr effizient führt. Die Innovationskraft und der Kampfgeist des ukrainischen Volkes inspirieren uns.” — Rheinmetall via Deutsche Welle In der Erklärung hieß es außerdem, jede Ukrainerin und jeder Ukrainer leiste einen „unersetzlichen Beitrag“. Zugleich dankte das Unternehmen für die Möglichkeit, die Ukraine zu unterstützen. Die Klarstellung kam zu einem Zeitpunkt, an dem sich das Geschäft von Rheinmetall seit dem russischen Großangriff auf die Ukraine im Jahr 2022 deutlich ausgeweitet hat. Das Unternehmen meldete 2025 einen Umsatz von 9.9 (billion euros) — 9,9 Milliarden Euro, ein Plus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Kontrast zwischen der finanziellen Größenordnung von Rheinmetall und der Kostenstruktur der ukrainischen Drohnenproduktion fiel Beobachtern auf: Ukrainische Kampfdrohnen kosten in der Regel weniger als 1.000 Euro in der Herstellung, haben aber wiederholt russisches schweres Militärgerät im Wert von Millionen Euro zerstört. Drohnenkosten im Vergleich zur Größe von Rheinmetall: Typische Herstellungskosten einer ukrainischen Kampfdrohne (before: Unter 1.000 Euro, after: Zerstört Ausrüstung im Wert von Millionen Euro); Jahresumsatz von Rheinmetall (before: 7,7 Milliarden Euro (aus 2024 bei 29 Prozent Wachstum abgeleitet), after: 9,9 Milliarden Euro (2025))
Pappergers Worte treffen auf anhaltende Spannungen bei Waffenlieferungen Die Kontroverse entstand vor dem Hintergrund bereits bestehender Spannungen zwischen Rheinmetall und der Ukraine bei Waffenlieferungen. Auf einer Pressekonferenz am 11. März hatte Papperger DW gesagt, die Blockade eines 90-Milliarden-Euro-EU-Kredits für Kiew durch Ungarn behindere die Waffenversorgung. Dadurch liege Artilleriemunition in den Lagern von Rheinmetall auf Vorrat, könne die ukrainischen Streitkräfte aber nicht erreichen. Rheinmetall baut zudem ein Munitionswerk in der Ukraine. Papperger sagte im März jedoch, der Prozess verzögere sich, während zivile Bauarbeiten abgeschlossen würden. Das Interview in The Atlantic verwies selbst darauf, dass westliche Medien das ukrainische Drohnenprogramm dafür gelobt hätten, „Artillerie und gepanzerte Fahrzeuge wie veraltet erscheinen zu lassen“. Diese Darstellung stand in direktem Gegensatz zu Pappergers abfälliger Einschätzung. Bundeskanzler Friedrich Merz, dessen Regierung angekündigt hat, die Bundeswehr zur größten konventionellen Armee Europas auszubauen, ist ein wichtiger Treiber des inländischen Umsatzwachstums von Rheinmetall. Weder Merz noch seine Regierung äußerten sich öffentlich zu den Aussagen Pappergers. Präsident Zelenskyy befand sich zum Zeitpunkt der Kontroverse auf einer Reise durch den Nahen Osten und warb dort bei regionalen Regierungen für die ukrainische Drohnenkriegsführung angesichts iranischer Drohnen- und Raketenbedrohungen. Die Reise unterstrich den internationalen wirtschaftlichen und strategischen Wert eben jener Branche, die Papperger abgewertet hatte.
Die Ukraine begann kurz nach Russlands Großangriff im Februar 2022 damit, kommerziell erhältliche kleine Drohnen für den Kampfeinsatz umzurüsten. In den folgenden Jahren baute das Land eine eigene Drohnenproduktion auf, die rasch an Umfang und technischer Reife gewann. Produzenten wie Skyfall und Fire Point erreichten eine Monatsproduktion von Hunderttausenden Einheiten. Die niedrigen Kosten ukrainischer Drohnen — oft unter 1.000 Euro pro Stück — und ihre Fähigkeit, russische Panzertechnik im Wert von Millionen Euro zu zerstören, wurden von westlichen Analysten und Medien häufig hervorgehoben. Rheinmetall mit Sitz in Düsseldorf gehört zu den größten konventionellen Rüstungskonzernen Europas und profitierte stark von der europäischen Aufrüstungswelle nach dem Angriff von 2022.
Mentioned People
- Armin Papperger — Prezes zarządu Rheinmetall AG, producenta motoryzacyjnego i zbrojeniowego
- Yulia Svyrydenko — 19. premier Ukrainy od 17 lipca 2025 roku
- Oleksandr Kamyshin — Były ukraiński minister przemysłu strategicznego i doradca prezydenta Zełenskiego
- Friedrich Merz — Dziesiąty kanclerz Republiki Federalnej Niemiec od 6 maja 2025 roku
- Volodymyr Zelenskyy — Prezydent Ukrainy
Sources: 15 articles
- Rheinmetall сгладил скандал вокруг "украинских домохозяек" (Deutsche Welle)
- Ukraine war briefing: German defence giant sparks row after comparing Ukraine drone makers to 'housewives' (The Guardian)
- Rheinmetall-Chef Armin Papperger ezeichnet ukrainische Drohnenhersteller als "Hausfrauen" (Spiegel Online)
- Ukraine setzt erfolgreich auf billige Drohnen gegen Russland - Rheinmetall-Chef zweifelt (watson.ch/)
- Șeful Rheinmetall râde de dronele ieftine ale Ucrainei: "piese de lego de la gospodinele ucrainene" (Libertatea)
- Ukraine rebukes Rheinmetall over CEO's 'play with Legos' drone insult (POLITICO)
- German defence giant addresses row over CEO's Ukraine 'housewives' comment (TheJournal.ie)
- Rheinmetall після скандалу: Поважаємо зусилля українців (Deutsche Welle)
- Rheinmetall-Chef lästert über ukrainische Drohnenhersteller - "Lego" (stern.de)
- Empörung in Ukraine über Äußerung von Rheinmetall-Chef - Unternehmen beschwichtigt (stern.de)