In Budapest haben am 15. März 2026 Zehntausende Anhänger von Ministerpräsident Viktor Orbán an einem „Friedensmarsch“ teilgenommen. Parallel dazu veranstaltete die Opposition um Péter Magyar eine eigene Großkundgebung. Weniger als vier Wochen vor der Parlamentswahl am 12. April wurde der ungarische Nationalfeiertag damit zur Bühne eines offenen politischen Kräftemessens.

Orbán-Lager versammelt Zehntausende

Am 15. März 2026 kamen in Budapest Zehntausende Unterstützer Viktor Orbáns zu einem „Friedensmarsch“ zusammen, parallel zu einer Großkundgebung der Opposition.

Wahl am 12. April als Richtungsentscheidung

Nach 16 Jahren ununterbrochener Fidesz-Regierung gilt die Parlamentswahl am 12. April 2026 als möglicher Wendepunkt für Ungarn.

Péter Magyar als wichtigster Herausforderer

Der Oppositionsführer und Vorsitzende der Tisza-Partei stellte die Wahl als Entscheidung zwischen Europa und Autoritarismus dar. In einigen Umfragen liegt seine Partei vorn.

Polnische Beteiligung sorgt für Aufmerksamkeit

Robert Bąkiewicz und polnische Flaggen beim Orbán-Marsch wurden in polnischen Medien hervorgehoben. Balázs Orbán griff zudem Donald Tusk an.

Außenpolitische Konfliktlinien prägen den Wahlkampf

Parolen gegen die Ukraine und die EU knüpften an Orbáns außenpolitische Linie an, mit der sich Ungarn von den meisten EU- und NATO-Partnern unterscheidet.

Zehntausende Unterstützer des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán versammelten sich am 15. März 2026 in Budapest zu einem „Friedensmarsch“, der mit dem ungarischen Nationalfeiertag zusammenfiel. Sowohl die regierende Fidesz als auch die Opposition organisierten damit konkurrierende Demonstrationen der Stärke im Vorfeld der für den 12. April 2026 angesetzten Parlamentswahl. Bei dem Marsch waren Banner mit Parolen wie „We will not become a Ukrainian colony“ zu sehen. Die Losung spiegelte die gegen die EU und die Ukraine gerichtete Rhetorik wider, die Orbáns jüngste Wahlkampfbotschaften geprägt hat. Bei der Veranstaltung war auch der polnische Aktivist Robert Bąkiewicz anwesend, Gründer und Leiter der Organisation Straż Narodowa. In der Menge waren zudem polnische Flaggen zu sehen. Balázs Orbán, der seit 2021 als Politischer Direktor von Ministerpräsident Viktor Orbán tätig ist und mit ihm nicht verwandt ist, nutzte den Anlass zu Angriffen auf den polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk. Die beiden parallel abgehaltenen Kundgebungen gehörten zu den bedeutendsten Mobilisierungen vor einer Wahl in Ungarn seit Jahren. Beide Lager versuchten am wichtigsten nationalen Feiertag des Landes, ihre politische Stärke sichtbar zu machen.

Ungarn wird seit 2010 ohne Unterbrechung von Viktor Orbán und Fidesz regiert. Damit könnte die Abstimmung am 12. April nach 16 Jahren ununterbrochener Regierungszeit zu einem Wendepunkt werden. Orbán war bereits von 1998 bis 2002 Ministerpräsident gewesen, bevor er an die Macht zurückkehrte. Der Nationalfeiertag am 15. März erinnert an die Revolution von 1848 und wird traditionell von politischen Bewegungen für große öffentliche Demonstrationen genutzt. Nach Darstellung von Reuters hat Orbán die Wahl am 12. April als eine grundlegende Richtungsentscheidung beschrieben und sie als Frage nationaler Souveränität gegenüber äußerem Druck gerahmt.

Oppositionsführer Péter Magyar, Jurist und Politiker, der seit 2024 Mitglied des Europäischen Parlaments sowie Vorsitzender der Tisza-Partei ist, veranstaltete am selben Tag in Budapest eine rivalisierende Kundgebung. Magyar, der weithin als wichtigster Herausforderer Orbáns gilt, stellte die bevorstehende Wahl nach einem Reuters-Bericht vom Februar 2026 als Entscheidung zwischen Europa und Autoritarismus dar. In einigen Umfragen lag die Tisza-Partei vorn. Das verlieh der Darstellung der Opposition zusätzliches Gewicht, wonach sich die Dominanz von Fidesz ihrem Ende nähern könnte. Die zeitgleichen Kundgebungen machten deutlich, in welchem Maß der 15. März zu einem politischen Kampffeld konkurrierender Vorstellungen über Ungarns Zukunft geworden ist. Beide Seiten bemühten sich, weniger als vier Wochen vor dem Wahltag Geschlossenheit und Auftrieb zu demonstrieren.

Die Anwesenheit polnischer Flaggen und von Robert Bąkiewicz beim Orbán-Marsch fand vor allem in polnischen Medien Beachtung. Portale wie FAKT24.pl und Gazeta.pl hoben hervor, dass Bąkiewicz nicht die einzige polnische Person war, deren Auftreten Aufmerksamkeit auslöste. Die Attacke von Balázs Orbán auf Donald Tusk verlieh den Kundgebungen in Budapest zudem eine grenzüberschreitende politische Dimension. Sie verwies auf die anhaltenden Spannungen zwischen der ungarischen Regierung und der derzeitigen polnischen Regierung. Tusk vertritt als polnischer Ministerpräsident innerhalb der Europäischen Union eine deutlich andere politische Linie als Orbán. Die gegen die Ukraine gerichteten Parolen beim Friedensmarsch entsprachen Orbáns breiterer außenpolitischer Positionierung, mit der sich Ungarn in der Frage der Unterstützung für Kyjiw von den meisten Partnern in EU und NATO abgesetzt hat. Das rumänische Portal Ziare.com berichtete über Wähler, die sich weiterhin von Orbáns gegen die EU und die Ukraine gerichteter Kampagne angesprochen fühlten. Eine zitierte Quelle sagte über einen Unterstützer: „I feel that his brain has been washed“, was die stark polarisierte Atmosphäre im Umfeld der Wahl verdeutlichte.