Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat bei einem Friedensmarsch in Budapest den Parlamentswahlkampf weiter zugespitzt. Vor rund 100.000 Anhängern stellte er die Abstimmung am 12. April als Grundsatzentscheidung über Krieg oder Frieden dar. Parallel mobilisierte auch die Opposition um Péter Magyar in der Hauptstadt zu einer eigenen Großkundgebung.

Orbán spricht vor rund 100.000 Anhängern

Beim Friedensmarsch in Budapest am 15. März 2026 rief Viktor Orbán dazu auf, am 12. April eine „Stimme für den Frieden“ abzugeben.

Wahlkampf mit Fokus auf die Ukraine

Orbán stellte die Parlamentswahl als Entscheidung zwischen ihm und Wolodymyr Selenskyj dar und rückte damit den Ukraine-Krieg ins Zentrum der Schlussphase des Wahlkampfs.

Offenes Rennen vor der Abstimmung

Nach Umfragen ist die Wahl am 12. April 2026 das erste tatsächlich umkämpfte Parlamentsrennen für Orbán seit 16 Jahren.

Opposition mobilisiert parallel in Budapest

Péter Magyar und die Tisza-Partei hielten am selben Tag eine Gegenkundgebung ab und zeigten damit ebenfalls Präsenz vor der Wahl.

Ziobro als ausländischer Gast

Der frühere polnische Justizminister Zbigniew Ziobro nahm laut wpolityce.pl am Friedensmarsch teil.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat am 15. März 2026 bei einem Friedensmarsch in Budapest vor etwa 100.000 Unterstützern gesprochen und die bevorstehende Parlamentswahl als binäre Entscheidung zwischen ihm und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj dargestellt. Die Kundgebung fiel mit dem ungarischen Nationalfeiertag zusammen, der an die Revolution von 1848 erinnert. Orbán rief seine Anhänger dazu auf, am 12. April eine „Stimme für den Frieden“ abzugeben. An diesem Tag sind die Ungarn zur Wahl aufgerufen. Umfragen deuten darauf hin, dass Orbán vor dem knappsten Wahlrennen seit Jahren steht. Die Veranstaltung brachte eine große Menschenmenge in die ungarische Hauptstadt, während sowohl die regierende Fidesz als auch die Opposition zeitgleich ihre Anhänger mobilisierten und damit vor der Abstimmung Stärke demonstrierten.

Viktor Orbán ist seit 2010 Ministerpräsident Ungarns, nachdem er das Amt bereits von 1998 bis 2002 innehatte. Seit 2003 führt er Fidesz. Den Ergebnissen von Websuchen zufolge ist Orbán in 16 Jahren von Parlamentswahlen keinem Herausforderer vergleichbarer Stärke begegnet. Die Wahl vom 12. April 2026 ist in diesem Zeitraum das erste Mal, dass Umfragen ein tatsächlich offenes Rennen gezeigt haben.

Orbán deutet die Abstimmung als Referendum über Krieg oder Frieden Orbán sagte vor der Menge, Ungarn müsse sich am 12. April zwischen ihm und Selenskyj entscheiden, und machte die Wahl damit ausdrücklich zu einem Referendum über die Haltung des Landes zum Krieg in der Ukraine. Nach einem Bericht von ANSA erklärte er, „es werde kühle Köpfe brauchen, aber wir werden glänzend gewinnen“. Damit rückte er die Außenpolitik und Ungarns Verhältnis zum Krieg in der Ukraine in den Mittelpunkt der Schlussphase des Wahlkampfs. Orbán hat sich durchgängig als Befürworter von Verhandlungen positioniert und westliche Militärhilfe für die Ukraine abgelehnt. Diese Haltung hebt Ungarn innerhalb der Europäischen Union von vielen anderen Mitgliedstaaten ab. Mit der direkten Nennung Selenskyjs habe Orbán nach Darstellung von ANSA versucht, die außenpolitische Debatte auf die ungarische Innenpolitik zu übertragen und die Opposition als an Kyjiw orientiert darzustellen, nicht an ungarischen Interessen.

Auch Magyars Gegenkundgebung versammelt viele Menschen in Budapest Oppositionsführer Péter Magyar und seine Tisza-Partei veranstalteten am selben Nationalfeiertag ebenfalls eine Kundgebung in Budapest. Der 15. März wurde damit zu einer doppelten Demonstration konkurrierender politischer Kräfte. Reuters bezeichnete den Tag als einen „wichtigen Krafttest“ vor der Wahl, bei dem beide Lager versuchten, Dynamik zu erzeugen. Jüngste Umfragen, auf die sich Websuchergebnisse stützen, die wenige Tage vor dem Marsch veröffentlicht wurden, zeigten demnach, dass sich der Vorsprung von Tisza vor Fidesz leicht verringert habe. Das unterstreicht, wie umkämpft das Rennen inzwischen ist. Magyar ist zum bedeutendsten Herausforderer Orbáns geworden, seit dieser 2010 an die Macht zurückkehrte. Die gleichzeitigen Kundgebungen machten deutlich, wie stark sich Ungarns politische Landschaft gegenüber früheren Wahlzyklen verändert hat, in denen Fidesz nahezu ohne ernsthafte Konkurrenz dominierte.

Polnischer Politiker Ziobro nimmt als ausländischer Gast am Marsch teil Der polnische Politiker Zbigniew Ziobro, früherer Justizminister und Generalstaatsanwalt Polens, nahm nach Angaben des polnischen Mediums wpolityce.pl am Friedensmarsch in Budapest teil. Seine Anwesenheit bei der Kundgebung war ein bemerkenswertes Zeichen der Solidarität eines prominenten Vertreters der polnischen nationalkonservativen Rechten mit Orbáns Bewegung. Unter den geprüften Quellen wurde seine Teilnahme ausschließlich von wpolityce.pl berichtet. Der Marsch erregte auch über Ziobros Auftritt hinaus internationale Aufmerksamkeit. Medien wie Le Monde und der niederländische Sender NOS berichteten über die beiden Kundgebungen als einen wichtigen Moment im Vorfeld der Wahl in Mitteleuropa. Die Abstimmung am 12. April wird darüber entscheiden, ob Orbán eine weitere Amtszeit erhält oder ob Magyar und Tisza ihre Wettbewerbsfähigkeit in den Umfragen in einen Wahlerfolg ummünzen können.