Der Lufthansa-Konzern bereitet angesichts drastisch steigender Kerosinpreise und möglicher Versorgungsengpässe infolge des Nahostkonflikts Notfallpläne vor. Vorstandschef Carsten Spohr informierte die Belegschaft am Dienstag über Szenarien, die die Stilllegung von bis zu 40 Maschinen vorsehen. Damit reagiert das Unternehmen auf die Blockade der Straße von Hormus und die damit verbundenen Verwerfungen am Energiemarkt.
Stilllegung von Flugzeugen
Lufthansa prüft die Außerbetriebnahme von 20 bis 40 Maschinen aufgrund extrem hoher Kerosinkosten.
Versorgungsengpässe
Die Sperrung der Straße von Hormus im Zuge des Nahostkonflikts gefährdet die globale Versorgung mit Flugbenzin.
Kostenbelastung
Trotz einer Absicherung von 80 Prozent drohen Mehrkosten von über einer Milliarde Euro durch den ungesicherten Treibstoffbedarf.
Strategische Expansion
Ungeachtet der Krise hält Lufthansa an dem geplanten Gebot für die portugiesische Airline TAP fest.
Die Lufthansa-Gruppe bereitet Notfallpläne zur Stilllegung von 20 bis 40 Flugzeugen vor. Wie Vorstandschef Carsten Spohr laut internen Berichten am Dienstag vor Mitarbeitern erklärte, reagiert das Unternehmen damit auf die massiv gestiegenen Kerosinkosten und drohende Versorgungsengpässe durch den Krieg im Nahen Osten. Lufthansa Group. Die Pläne, über die zuerst das Handelsblatt berichtete und die später von einem Sprecher gegenüber Bloomberg bestätigt wurden, sehen zwei Szenarien vor: Die Stilllegung von 20 Flugzeugen würde die Sitzplatzkapazität um 2,5 Prozent reduzieren, bei 40 Maschinen läge der Einschnitt bei 5 Prozent. Spohr betonte, dass noch keine endgültige Entscheidung getroffen wurde, bezeichnete jedoch das ursprünglich geplante Wachstum von 4 Prozent für das Jahr 2026 als nahezu unrealistisch. Ursächlich für die Krise sind neben Rekordpreisen für Treibstoff auch die faktische Sperrung der Straße von Hormus. Dies hat dazu geführt, dass große Teile der weltweiten Kerosinlieferungen festsetzen und Raffinerien in Asien ihre Produktion drosseln mussten.
Ältere Flugzeuge zuerst von Stilllegung betroffen Laut Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sollen primär ältere, treibstoffintensive Modelle außer Dienst gestellt werden. Konkret genannt werden der Airbus A340 sowie die Boeing 747-400, da diese vergleichsweise hohe Betriebskosten verursachen. Lieferverzögerungen bei effizienteren Nachfolgemodellen hatten die planmäßige Ausmusterung dieser Maschinen bislang verhindert. Die aktuelle Unsicherheit bei der Nachfrage – bedingt durch unvermeidbare Preiserhöhungen bei den Tickets – bietet nun den Anlass, diesen Prozess zu beschleunigen. Spohr erklärte, dass die steigenden Kerosinkosten an die Passagiere weitergegeben werden müssten, was wiederum die Fluggesellschaft dazu veranlasst, die Kapazitäten zu reduzieren. Spezialisierte Teams bereiten bereits die operativen Maßnahmen vor, wobei die Umsetzung von der weiteren Lageentwicklung abhängt. 1 (Milliarde Euro) — zusätzliche Treibstoffkosten durch ungesicherte Kerosinanteile
Absicherung deckt achtzig Prozent des Bedarfs Lufthansa gehört zu den Fluggesellschaften mit einer umfassenden Absicherungsstrategie gegen Preisschwankungen; rund 80 Prozent des Bedarfs sind über Termingeschäfte (Hedging) gedeckt. Dennoch verursachen die restlichen 20 Prozent zusätzliche Ausgaben, die laut Frankfurter Allgemeine Zeitung eine Milliarde Euro übersteigen könnten. Europa bezieht etwa die Hälfte seines Kerosinbedarfs aus der Golfregion. Die militärische Operation der USA und Israels gegen den Iran, bezeichnet als „Operation Epic Fury“, begann am 28. Februar 2026 und führte zur Schließung der Straße von Hormus. In der Folge verstarb Irans geistiges Oberhaupt Ali Chamenei bei den ersten Angriffen; sein Sohn Mojtaba Chamenei wurde am 9. März 2026 zu seinem Nachfolger ernannt. Auch andere Airlines reagieren: Die skandinavische SAS strich bereits 1.000 Flüge im April, da sie weniger stark gegen Preissprünge abgesichert ist als die Lufthansa. United Airlines kündigte Kapazitätskürzungen von insgesamt 3 Prozent an. United-Chef Scott Kirby bezifferte die Mehrkosten durch das aktuelle Preisniveau auf umgerechnet elf Milliarden Euro.
Lufthansa (Szenario 1): 2.5, Lufthansa (Szenario 2): 5, United Airlines: 3
Interesse an TAP-Übernahme besteht weiterhin Trotz der Krisenpläne verfolgt die Lufthansa ihre strategischen Ziele weiter. Laut Spiegel beabsichtigt der Konzern weiterhin, zeitnah ein Angebot für TAP Air Portugal abzugeben. Expansionspläne bleiben somit trotz des schwierigen Umfelds bestehen. Als äußerstes Mittel schloss Spohr laut Spiegel auch Kurzarbeit für die Beschäftigten nicht aus, sollte sich die Lage weiter verschlechtern. Das Unternehmen lehnte eine offizielle Stellungnahme zu den Berichten ab. Die Situation stellt einen massiven Stresstest für die europäische Luftfahrt dar, da Treibstoff mittlerweile den größten Kostenblock bildet und ein Ende des Konflikts im Nahen Osten nicht absehbar ist. Spohrs Kommunikation verdeutlicht, dass die Lufthansa von der bloßen Beobachtung zur aktiven Vorbereitung operativer Maßnahmen übergegangen ist.
Mentioned People
- Carsten Spohr — Chairman and chief executive officer (CEO) of Lufthansa
Sources: 12 articles
- Lufthansa bereitet Krisenszenarien vor (Süddeutsche Zeitung)
- Lufthansa to consider grounding up to 40 planes amid jet fuel crisis, media reports say (POLITICO)
- Lufthansa Prepares Crisis Plans That Include Grounding Jets (Bloomberg Business)
- Trasporto aereo, media: Lufthansa valuta taglio della flotta per l'aumento dei costi del carburante (Tgcom24)
- Lufthansa entwirft Krisenplan - ältere Flugzeuge bleiben stehen (Frankfurter Allgemeine)
- Noch keine Entscheidung gefallen: Bericht: Lufthansa erwägt Stilllegung von bis zu 40 Flugzeugen wegen des Iran-Kriegs (N-tv)
- Wegen Iran-Krieg will Lufthansa bis zu 40 Flugzeuge stilllegen (Focus)
- Lufthansa: valuta di lasciare a terra fino a 40 aerei per crisi Golfo (Spiegel) - Il Sole 24 ORE (Il Sole 24 ORE)
- Lufthansa-Chef Spohr schwört Belegschaft auf die nächste große Krise ein (Spiegel Online)
- 20 bis 40 Flugzeuge: Lufthansa prüft wegen steigender Kerosinpreise Stilllegung von Teilen der Flotte (N-tv)