Italien bereitet sich auf ein landesweites Referendum zur Reform der Justiz vor, das für den 22. und 23. März 2025 geplant ist. Der Kernpunkt des umstrittenen Entwurfs ist die Trennung der Berufslaufbahnen von Richtern und Staatsanwälten. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni wirft Richtern vor, die Regierungsarbeit zu blockieren, während die Opposition und Anwaltsverbände vor einer Politisierung der Gerichte und einem Eingriff in die verfassungsmäßige Gewaltenteilung warnen.

Termin und Ziel des Referendums

Die Abstimmung findet am 22. und 23. März 2025 statt und betrifft die Trennung der Karrieren von Richtern und Staatsanwälten.

Scharfe Rhetorik der Regierung

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni behauptet, Richter hinderten sie an der Ausübung der Regierungsgewalt und blockierten Reformen.

Mobilisierung der Gegner

Richter, Anwälte sowie Organisationen wie die ANPI rufen zur Ablehnung der Änderungen auf.

Italien tritt in die entscheidende Phase des Wahlkampfs vor dem Referendum zur Justizreform ein, das am 22. und 23. März 2025 stattfinden wird. Der zentrale Punkt der vorgeschlagenen Reform ist die Einführung einer strikten Trennung der Karrieren von Richtern und Staatsanwälten. Derzeit ist im italienischen Rechtssystem ein Rollenwechsel vom Ankläger zum Urteilenden möglich, was laut der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni die Unparteilichkeit von Verfahren untergräbt. Die Regierungskoalition argumentiert, die Änderungen seien notwendig, um den Bürgern das Recht auf ein objektives Gericht zu gewährleisten. Der Staatssekretär im Justizministerium, Andrea Delmastro, unterstrich die Bedeutung dieser Veränderungen und erklärte: „Separare le carriere per avere un giudice imparziale” (Die Karrieren trennen, um einen unparteiischen Richter zu haben) — Staatssekretär im Justizministerium.

Die Stimmung rund um die Abstimmung ist aufgrund des offenen Konflikts zwischen Exekutive und Judikative besonders angespannt. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni lässt in ihren Reden keine Kritik an der Richterschaft aus und wirft ihr politische Voreingenommenheit vor. Während einer ihrer Auftritte fielen deutliche Worte: „Magistrati ci impediscono di governare” (Richter hindern uns daran zu regieren) — Ministerpräsidentin. Laut der Regierungschefin überschreiten Richter ihre Kompetenzen und blockieren wichtige Gesetzesinitiativen. Andrea Delmastro hingegen weist darauf hin, dass die Reform darauf abziele, die richtige Hierarchie und das Gleichgewicht zwischen den Staatsorganen wiederherzustellen, was ein Fundament der modernen Demokratie sei.

Der Streit über die Gestaltung der Justiz in Italien dauert seit Jahrzehnten an, und der derzeitige Reformversuch ist ein weiterer Anlauf zur Änderung eines Systems, das wiederholt für seine Langwierigkeit und mangelnde Transparenz kritisiert wurde. Gegen die Änderungen formiert sich jedoch eine breite Widerstandsfront. In Bari fand ein Protestlauf statt, an dem Richter, Anwälte und Bürger teilnahmen, die sich gegen die Reform aussprechen. Der Nationale Verband Italienischer Partisanen (ANPI) hat offiziell bekannt gegeben, dass er die Option „Nein” bei der anstehenden Abstimmung unterstützt. Kritiker wie Nicola Fratoianni vom Bündnis Grüne und Linke (AVS) bezeichnen den Entwurf als „Gegenreform”, die sich statt auf die Behebung realer Probleme wie die Verfahrensdauer darauf konzentriere, die richterliche Unabhängigkeit zu schwächen.

Aktueller Zustand: Richter und Staatsanwälte gehören einer einzigen Berufsgruppe an und können im Laufe ihrer Karriere die Funktion wechseln. Vorgeschlagene Änderung: Vollständige Trennung der Berufslaufbahnen; ein Richter kann nicht Staatsanwalt werden und umgekehrt.

Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der Reform äußern auch Politiker der Fünf-Sterne-Bewegung. Stefano Patuanelli, Fraktionsvorsitzender im Senat, warnte davor, dass die neuen Vorschriften zu einer Situation führen könnten, in der die Anzahl der Verurteilungen Priorität erhalte und nicht das Bemühen um die materielle Wahrheit. Unterdessen hat die AVS technische Schritte unternommen, indem sie Wähler, die sich nicht an ihrem Wohnort aufhalten, als Vertreter der Liste registrierte, um ihnen die Stimmabgabe zu ermöglichen. Das Ergebnis des März-Referendums wird nicht nur ein Test für das Rechtssystem sein, sondern auch ein Barometer für die Unterstützung der Regierung von Giorgia Meloni.

22.-23. März 2025 – die Daten, an denen die Italiener in einer landesweiten Abstimmung über die Zukunft ihres Justizsystems entscheiden.

Mentioned People

  • Giorgia Meloni — Ministerpräsidentin Italiens, Vorsitzende der Partei Fratelli d'Italia
  • Andrea Delmastro — Staatssekretär im italienischen Justizministerium
  • Nicola Fratoianni — Vorsitzender des Bündnisses Grüne und Linke (AVS)
  • Stefano Patuanelli — Fraktionsvorsitzender der Fünf-Sterne-Bewegung im Senat