Italien wird am 22. und 23. März 2026 ein Verfassungsreferendum abhalten, um über eine umfassende Justizreform der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zu entscheiden.

Referendumstermin

Die italienische Bevölkerung stimmt am 22. und 23. März 2026 über eine Verfassungsreform ab.

Kern der Reform

Die Trennung der Laufbahnen von Richtern und Staatsanwälten soll den Rollenwechsel zwischen diesen Ämtern dauerhaft unterbinden.

Kritikpunkte

Gegner befürchten eine Schwächung der richterlichen Unabhängigkeit und eine stärkere politische Einflussnahme auf die Justiz.

Das zentrale Element der Initiative ist die „Trennung der Laufbahnen“ zwischen Richtern und Staatsanwälten, eine strukturelle Änderung, die es Juristen künftig untersagen würde, zwischen den beiden Rollen zu wechseln. Während einer Rede auf der Veranstaltung Atreju in einem Mailänder Theater verteidigte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni den Vorschlag und betonte, dass die Reform darauf abziele, die Rechte der Bürger zu schützen, anstatt die Justiz zu marginalisieren. Die Ministerpräsidentin merkte an, dass frühere Bemühungen zur Reform des Systems aufgrund des Widerstands der Associazione Nazionale Magistrati (ANM) stets gescheitert seien.

Die Debatte über die Trennung der richterlichen und staatsanwaltlichen Laufbahnen in Italien dauert bereits seit über 30 Jahren an und führt häufig zu Spannungen zwischen der Exekutive und der Justiz. Die Spannungen verschärften sich nach dem Palamara-Skandal von 2019, der tief verwurzelte Fraktionsbildungen und politisches Taktieren innerhalb des Hohen Rates der Justiz offenlegte. Frühere Versuche, das System durch Referenden oder Gesetzesakte grundlegend zu ändern, sind aufgrund institutioneller Widerstände häufig ins Stocken geraten. Der aktuelle Vorschlag stellt das bedeutendste Bemühen der Regierung Meloni dar, den verfassungsrechtlichen Rahmen für den juristischen Berufsstand neu zu ordnen und den Einfluss interner Fraktionen zu verringern.

Regierungsvertreter haben die „Ja“-Kampagne als einen Schritt in Richtung nationalen Fortschritts und richterlicher Unabhängigkeit charakterisiert. Francesco Paolo Sisto, der stellvertretende Justizminister, erklärte, dass die Teilnahme an der Abstimmung eine staatsbürgerliche Pflicht und ein notwendiger Schritt für die Entwicklung des italienischen Rechtssystems sei. Lucia Albano, Unterstaatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft und Finanzen, argumentierte, dass die Reform die Richter endlich vom Einfluss politischer correnti befreien würde. Um die Macht dieser Fraktionen weiter einzudämmen, beinhaltet die Reform Berichten zufolge ein „Sortition“- oder Losverfahren für richterliche Ernennungen. Giusi Bartolozzi, Kabinettschefin im Justizministerium, war beim Kampagnenstart in Mailand anwesend, wich jedoch nach jüngsten Kontroversen bezüglich der Umsetzung des Referendums Fragen der Presse aus.

„Die Justizreform ist für die Bürger gedacht, nicht um Richter loszuwerden. Wir tun dies nicht, um irgendjemanden loszuwerden, sondern um die Rechte der Bürger zu garantieren.” — Giorgia Meloni via ANSA

Kritiker der Reform, darunter prominente Persönlichkeiten aus Recht und Medien, argumentieren, dass die Änderungen die Unabhängigkeit der Justiz untergraben und Staatsanwälte unter eine stärkere politische Kontrolle stellen könnten. Antonio Di Pietro, ein ehemaliger Richter und Politiker, kritisierte den Vorschlag mit dem Hinweis, dass die Reform eine ungesunde Nähe zwischen verschiedenen Akteuren im Gerichtssaal schaffen würde. Marco Travaglio, der Herausgeber von Il Fatto Quotidiano, warf der Ministerpräsidentin vor, die Fakten falsch darzustellen, und verteidigte hochrangige Staatsanwälte wie Nicola Gratteri gegen das, was er als politische Angriffe bezeichnete. Travaglio charakterisierte die Argumente der Regierung als eine Form von „Kabarett“ und argumentierte, dass die Reform letztlich den Kampf gegen das Verbrechen schwächen würde.

„Niemand möchte ein Spiel, bei dem der Schiedsrichter und der Spieler verwandt sind.” — Antonio Di Pietro via ANSA

„Meloni mente spudoratamente, è un caso di dissociazione che sconfina nel cabaret” (Meloni lügt schamlos, es ist ein Fall von Dissoziation, der an Kabarett grenzt) — Marco Travaglio via Il Fatto Quotidiano

30 (years) — Dauer der Debatte über die Trennung der Laufbahnen

Referendum zur Justizreform 2026: — ; — ; — ; —

Vorgeschlagene Änderungen im Justizwesen: Laufbahnstruktur (before: Richter und Staatsanwälte teilen sich einen gemeinsamen Karriereweg und können die Rollen wechseln., after: Vollständige Trennung der Laufbahnen mit getrennten Eingangsprüfungen und Leitungsgremien.); Ernennungen (before: Ernennungen zum Hohen Rat der Justiz werden von internen Fraktionen beeinflusst., after: Einführung eines Losverfahrens zur Auswahl der Mitglieder, um die Macht der Fraktionen zu begrenzen.)