Im Iran sind nach staatlichen Berichten in mehreren Provinzen zahlreiche Menschen unter Spionageverdacht festgenommen worden, darunter zehn Ausländer in der Provinz Khorasan Razavi. Parallel dazu verschärfte Teheran seinen Ton gegenüber westlichen Staaten, wies Berichte über neue Kontakte mit Washington zurück und richtete deutliche Warnungen an Rumänien und andere europäische Regierungen.

Zehn Ausländer im Nordosten festgenommen

In der Provinz Khorasan Razavi wurden nach staatlichen Berichten zehn ausländische Staatsangehörige unter Spionageverdacht festgenommen.

Weitere Festnahmen in Hormozgan und landesweit

In Hormozgan wurden 55 weitere Personen festgenommen. Zudem meldete Irans Polizeichef die Festnahme von 500 Menschen wegen mutmaßlicher Informationsweitergabe an Feinde.

Araghchi bestreitet neue Kontakte zu Washington

Außenminister Abbas Araghchi erklärte, der letzte Kontakt mit US-Sondergesandtem Steven Witkoff habe vor dem gegenwärtigen Krieg stattgefunden.

Warnung an Rumänien

Teheran drohte Rumänien, als Angreifer zu gelten, falls die USA rumänische Basen für Einsätze gegen den Iran nutzen dürften.

Italien und EU setzen auf Zurückhaltung

Giorgia Meloni schloss ein militärisches Vorgehen in der Straße von Hormus aus. Die EU prüft zugleich einen von den Vereinten Nationen geführten Seekorridor.

Im Iran sind im nordöstlichen Khorasan Razavi nach Angaben staatlicher Medien zehn ausländische Staatsangehörige festgenommen worden. Ihnen werde Spionage sowie das Sammeln von Informationen über sensible Einrichtungen vorgeworfen. Zugleich nahm Teheran landesweit Dutzende weitere Menschen fest und übermittelte mehrere diplomatische Warnungen an westliche Staaten. Reuters berichtete unter Berufung auf die iranische Nachrichtenagentur Tasnim, den zehn Beschuldigten werde vorgeworfen, Informationen über sensible Orte gesammelt und Einsätze im Nordosten des Landes vorbereitet zu haben. Weitere 55 Menschen wurden in der südlichen Hormozgan province festgenommen. Iranische Medien bezeichneten sie als Söldner der Vereinigten Staaten und Israels. Aus Websuchergebnissen geht zudem hervor, dass Irans Polizeichef in einem davon getrennten Zusammenhang die Festnahme von 500 Personen bekannt gab, denen vorgeworfen werde, Informationen an Feinde weitergegeben zu haben. Diese breiter angelegte Aktion fiel in den Zeitraum des Nowruz-Festes. Die Festnahmen erfolgten in einer Phase deutlich verschärfter Spannungen zwischen dem Iran und westlichen Staaten wegen der Möglichkeit eines militärischen Vorgehens in der Region.

Araghchi weist jüngsten Kontakt mit US-Gesandtem Witkoff zurück Irans Außenminister Abbas Araghchi hat einen Bericht von Axios zurückgewiesen, der auf jüngste diplomatische Kontakte zwischen Teheran und Washington hindeutete. Nach Angaben von ANSA erklärte Araghchi, seine letzte Kommunikation mit dem US-Sondergesandten Steven Witkoff habe vor dem gegenwärtigen Krieg stattgefunden. Araghchi, der seit August 2024 iranischer Außenminister ist, widersprach damit der Darstellung, es gebe weiterhin einen informellen Gesprächskanal mit der Regierung von Donald Trump. Die Zurückweisung verdeutlicht die Tiefe der diplomatischen Blockade zwischen beiden Regierungen in einem Moment, in dem militärische Szenarien offen erörtert werden. Steven Witkoff, Immobilienentwickler und Investor, ist seit 2025 Sondergesandter der Vereinigten Staaten für den Nahen Osten und spielt eine zentrale Rolle bei den regionalen Kontakten Washingtons. Der Vorgang zeigt, dass beide Seiten gegensätzliche Darstellungen darüber vertreten, ob in der Konfrontation noch ein diplomatischer Ausweg offensteht.

Teheran warnt Rumänien wegen US-Stützpunkten und verweist auf Vietnam Der Iran hat Rumänien gewarnt, als Angreifer betrachtet zu werden, falls es den Vereinigten Staaten die Nutzung rumänischer Militärstützpunkte für Einsätze gegen den Iran erlaube. Das berichtete ANSA. Die Warnung war eine direkte Botschaft an einen NATO-Mitgliedstaat und unterstrich Teherans Absicht, auch Drittstaaten für die Unterstützung eines möglichen US-Militäreinsatzes verantwortlich zu machen. Zugleich erklärte Teheran, die Entsendung amerikanischer Bodentruppen in die Region würde zu „einem weiteren Vietnam“ führen. Damit griff die Führung in Teheran auf den Verweis auf das langwierige und kostspielige militärische Engagement der Vereinigten Staaten in Südostasien als Abschreckung zurück. Die Warnungen waren Teil einer breiteren iranischen Kommunikationslinie gegenüber europäischen und westlichen Regierungen, als der Druck im Atom- und Militärkonflikt zunahm. Eine Reaktion rumänischer Behörden wurde in den zugrunde liegenden Berichten nicht erwähnt.

Meloni schließt Vorgehen in Hormus aus, EU prüft UN-Seekorridor Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat nach Angaben von ANSA erklärt, militärisches Handeln in der Strait of Hormuz würde Italien dem Konflikt einen Schritt näher bringen. Meloni, die seit Oktober 2022 Regierungschefin Italiens ist, machte damit deutlich, dass Rom eine militärische Eskalation in dieser Wasserstraße nicht unterstützen werde. Unabhängig davon wurde berichtet, dass die Europäische Union nach Angaben von ANSA eine von den Vereinten Nationen geführte Mission nach dem Vorbild des „Getreidekorridors“ erwäge, um die Sicherheit der Schifffahrt in der Region zu gewährleisten. Das Konzept des Getreidekorridors bezieht sich auf die Kriegsvereinbarung, die ukrainische Getreideexporte über das Schwarze Meer ermöglichte. EU-Vertreter prüften, ob sich ein vergleichbarer Rahmen auf die Schifffahrtsrouten im Persischen Golf übertragen ließe. Der parallele Kurs aus italienischer Zurückhaltung und diplomatischen Überlegungen der EU steht für die breitere europäische Zurückhaltung, in eine militärische Konfrontation hineingezogen zu werden, während zugleich die Interessen an sicheren Handelsrouten gewahrt werden sollen.

Die Straße von Hormus ist seit Langem ein Schwerpunkt der Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. Teheran drohte wiederholt damit, die Wasserstraße als Reaktion auf westliche Sanktionen oder militärischen Druck zu schließen. Das iranische Atomprogramm ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Gegenstand internationaler Verhandlungen und Sanktionen. Der 2015 vereinbarte Joint Comprehensive Plan of Action galt als wichtiger diplomatischer Meilenstein, bevor die Vereinigten Staaten 2018 aus dem Abkommen ausstiegen. Der von EU-Vertretern genannte Getreidekorridor wurde 2022 unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei eingerichtet, um während des Krieges zwischen Russland und der Ukraine ukrainische Getreideexporte zu ermöglichen, bevor er 2023 scheiterte. Rumäniens NATO-Mitgliedschaft und die Stationierung amerikanischer Militärmittel in dem Land haben es wiederholt zu einem Streitpunkt mit Russland und zuletzt auch mit dem Iran gemacht.