Mehrere europäische Verbündete haben möglichen US-Militärschritten in der Straße von Hormus am 16. März eine Absage erteilt. Deutschland erklärte ausdrücklich, die NATO trage dort keine Verantwortung und Berlin werde sich an keinen militärischen Operationen beteiligen. Zugleich wartet die Bundesregierung nach eigenen Angaben auf Signale aus Washington für einen diplomatischen Weg in der Golfregion.

Deutschland schließt Beteiligung aus

Berlin erklärte am 16. März, die NATO trage keine Verantwortung für die Straße von Hormus und Deutschland werde sich dort an keinen militärischen Operationen beteiligen.

Berichte über US-Pläne sorgen für Unruhe

Reuters unter Berufung auf Axios berichtete, Donald Trump prüfe eine „Hormuz-Koalition“ und möglicherweise die Einnahme von Kharg Island als zentralem iranischem Ölexportzentrum.

Italien und Niederlande bremsen

Antonio Tajani äußerte Vorbehalte gegen eine Ausweitung der Operation Aspides. Die Niederlande betonten, selbst ein NATO-Einsatz zur See würde die Lage nicht kurzfristig lösen.

Europa setzt eher auf Diplomatie

Mehrere europäische Regierungen signalisierten Zurückhaltung gegenüber militärischen Optionen und bevorzugen nach ihren Stellungnahmen einen diplomatischen Weg im Umgang mit den Spannungen am Golf.

Europäische Verbündete haben sich am 16. März gegen mögliche US-Militärschritte in der Straße von Hormus gestellt. Deutschland erklärte dabei ausdrücklich, die NATO trage keine Verantwortung für die Meerenge und Berlin werde sich dort an keinen militärischen Operationen beteiligen. Zu diesem Zeitpunkt waren Berichte bekannt geworden, wonach US-Präsident Donald Trump eine sogenannte „Hormuz-Koalition“ prüfe und auch eine Einnahme von Irans Öldrehkreuz auf der Insel Chark in Betracht ziehe. Die deutsche Position wurde am 16. März öffentlich bekräftigt, nachdem Berlin bereits einen Tag zuvor mitgeteilt hatte, sich nicht an Militäreinsätzen in der Meerenge zu beteiligen. Zugleich deutete Deutschland an, auf Signale aus Washington für einen diplomatischen Fortgang in der Golfregion zu warten. Die Differenz zwischen den berichteten Ambitionen in Washington und der europäischen Zurückhaltung machte einen erheblichen transatlantischen Abstand im Umgang mit den steigenden Spannungen auf einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt sichtbar. Nach Angaben von ANSA passierte zudem ein nicht iranischer Öltanker die Meerenge bei eingeschaltetem Transponder, was die allgemeine Unsicherheit zusätzlich unterstrich.

Axios-Bericht bringt Einnahme der Insel Chark ins Spiel Nach einem Reuters-Bericht unter Berufung auf Axios erwog Trump die Bildung einer multinationalen „Hormuz-Koalition“ und möglicherweise die Einnahme von Kharg Island, dem wichtigsten Exportzentrum Irans für Rohöl. Der in den frühen Stunden des 16. März veröffentlichte Axios-Bericht beschrieb diese Vorhaben als Optionen, die in der Trump-Regierung aktiv geprüft würden. Reuters ordnete die Aussicht als strategisches Wagnis mit hohem Risiko ein und schrieb in einem morgendlichen Marktkommentar, der Griff nach einer Meerenge sei stets ein riskantes Spiel. Eine offizielle Bestätigung der US-Regierung für einen Plan zu Kharg Island lag in den zugrunde liegenden Berichten nicht vor. Gleichwohl sendeten die Meldungen ein deutliches Signal an europäische Hauptstädte, dass Washington möglicherweise eine deutliche Verschärfung des Drucks auf Teheran erwägt, indem es dessen Ölexportinfrastruktur unter Kontrolle bringt.

Tajani äußert Zweifel an Ausweitung der EU-Marinemission Italiens Vize-Ministerpräsident und Außenminister Antonio Tajani äußerte laut einem ANSA-Bericht vom 16. März Vorbehalte gegen eine Ausweitung des Mandats der Operation Aspides auf die Straße von Hormus. Mit dieser Vorsicht reiht sich Italien in eine wachsende Zahl europäischer Regierungen ein, die eine Ausweitung militärischer Verpflichtungen am Golf ablehnen. Die Niederlande warnten ihrerseits, die Lage in der Straße von Hormus lasse sich nicht rasch lösen, selbst wenn die NATO Kriegsschiffe in das Gebiet entsenden sollte. Niederländische Vertreter betonten, eine maritime Präsenz wäre keine Lösung über Nacht für eine geopolitische Konfrontation, die tiefgreifend und komplex sei. Die gemeinsame europäische Zurückhaltung spiegelte sowohl praktische Bedenken wegen einer militärischen Überdehnung als auch politische Vorbehalte wider, in eine Konfrontation zwischen Washington und Teheran hineingezogen zu werden.

Die Straße von Hormus ist seit langem ein Schwerpunkt der Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran, weil sie den einzigen Seezugang vom Persischen Golf zum offenen Ozean bildet. Iran hat in Phasen erhöhter Konfrontation mit den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten wiederholt damit gedroht, die Meerenge zu schließen. Die Operation Aspides wurde von der Europäischen Union als defensive Marinemission im Roten Meer eingerichtet, nachdem die Huthi ihre Angriffe auf die internationale Schifffahrt deutlich verstärkt hatten; ihr Mandat unterscheidet sich von den von den USA geführten Operationen im selben Einsatzraum. Die Insel Chark ist das zentrale Drehkreuz der iranischen Ölexporte und galt in regionalen Konfliktszenarien historisch als strategisches Ziel.

Berlin wartet im Golf auf diplomatische Signale aus Washington Die deutsche Haltung verband eine klare militärische Grenze mit betonter Offenheit für Diplomatie. Berlin erklärte, es warte auf Hinweise aus den Vereinigten Staaten für eine diplomatische Lösung in der Golfregion. Diese doppelte Botschaft der Bundesregierung — keine militärische Beteiligung, aber Bereitschaft, einem diplomatischen Kurs unter US-Führung zu folgen — stand beispielhaft für die breitere europäische Präferenz für Deeskalation statt Konfrontation. Die Niederlande vertraten eine ähnliche Logik und deuteten an, dass selbst eine umfangreiche maritime NATO-Präsenz die zugrunde liegenden Spannungen in der Meerenge nicht beseitigen würde. In europäischen Regierungen überwog erkennbar die Einschätzung, militärische Optionen seien gemessen an möglichen Erträgen mit unverhältnismäßig hohen Risiken verbunden. Der Vorgang machte damit auch einen wachsenden Abstand zwischen der berichteten Bereitschaft der Trump-Regierung zu Zwangsmaßnahmen und dem vorsichtigeren Kurs wichtiger europäischer Verbündeter deutlich. Ein bestätigter diplomatischer Rahmen, der diese Differenz überbrücken könnte, lag bislang nicht vor.